Stand: 10.04.2020 20:00 Uhr

Braunschweig - Dortmund 2005: Pokalcoup unter Strom

von Florian Neuhauss, NDR.de

Ein Coup im DFB-Pokal - den fast ein mehrmaliger Stromausfall verhindert hätte: 2005 warf Zweitliga-Aufsteiger Eintracht Braunschweig in Runde eins Borussia Dortmund raus.

Das Jahr 2005 war ein gutes für Eintracht Braunschweig. Erst kehrten die "Löwen" als Regionalliga-Meister in die Zweite Liga zurück, dann feierten sie im DFB-Pokal eine rauschende Party. Die Niedersachsen besiegten in der ersten Runde die Startruppe Borussia Dortmund mit 2:1 (0:1) und warfen den Bundesligisten damit schon in der ersten Runde raus. "Es ist ein Traum für uns", jubelte Kapitän Daniel Graf. Auch wenn die Eintracht in Runde zwei beim SC Freiburg (1:4) die Segel streichen musste, bleibt dieser Pokalabend am 22. August unvergessen.

Re-live - DFB-Pokal 2005: Eintr. Braunschweig - Bor. Dortmund

Sportclub -

In der ersten Runde des DFB-Pokals treffen im August 2005 Eintracht Braunschweig und Borussia Dortmund aufeinander. Die Partie mit Licht - aber auch viel Schatten - in voller Länge.

4,43 bei 7 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Partie beginnt mit Stromausfall

Dafür sorgte auch ein Stromausfall vor und während der Partie. Ein Aggregat versagte den Dienst, sodass mehrfach das Licht im Stadion an der Hamburger Straße ausging. Zunächst konnte nach kurzer Zeit die Anlage wieder in Betrieb gesetzt werden, und Schiedsrichter Peter Sippel aus München pfiff die Partie mit einigen Minuten Verspätung an.

Videobeweis! Gibt es noch nicht...

Die Dortmunder waren eigentlich gewarnt, hatten die Braunschweiger doch schon in den vergangenen Jahren drei Erstligisten rausgekegelt. Und der BVB begann auch druckvoll: Florian Kringe scheiterte zweimal an Torhüter Thorsten Stuckmann (3./22.). Aber die Gastgeber versteckten sich nicht - und hätten nach heutigen Maßstäben in der neunten Minute sicher einen Elfmeter bekommen, als Graf an der Strafraumgrenze gefoult wurde. Sippel gab Freistoß - ein Videoassistent hätte ihn sicher auf den Tatort im Strafraum aufmerksam gemacht (9.).

Licht aus, Spot auf Routinier Rische

Bild vergrößern
Mit 34 Jahren Pokalheld gegen Dortmund: Braunschweigs Jürgen Rische.

Nach einer Ecke auf der anderen Seite kam dann der baumlange Jan Koller an den Ball und schoss die Westfalen wuchtig mit 1:0 in Führung (28.). Wenig später wurde es im weiten Rund erneut dunkel. Trainer Michael Krüger witterte "einen Schicksalswink von ganz oben, dass die Stadt endlich ein neues Stadion bauen soll". Aber es war doch nur der zweite technische Defekt, der bald zumindest so weit behoben war, dass es nach 13-minütiger Pause weitergehen konnte. Noch im Halbdunkel schlugen die "Löwen" dann zurück. Nach Flanke von Graf köpfte Stürmer Jürgen Rische, damals schon 34 Jahre alt, zum Ausgleich ein (41.).

Braunschweig kämpft sich rein und siegt

Zwar wäre Dortmund nur Sekunden nach Wiederanpfiff fast erneut in Führung gegangen, als Benjamin Siegert einen Schuss von Ebi Smolarek kurz vor der Linie entschärfte. Doch der Außenseiter ließ in der zweiten Hälfte den Klassenunterschied immer mehr vergessen. Lars Ricken hatte noch eine Chance für den BVB (67.), auf der anderen Seite schlenzte Lars Fuchs mit dem linken Außenrist am langen Pfosten vorbei (75.).

Und dann wurde Graf zum Matchwinner. Jan Tauer eroberte gegen Philipp Degen den Ball und passte in den Strafraum. Graf bewahrte vor Roman Weidenfeller die Ruhe und machte das Stadion zum Tollhaus. "Ein Tor vorbereitet, eins gemacht - für mich ein riesen Erlebnis", meinte der 28-Jährige, der aber nicht Mann des Abends sein wollte. "Für mich gibt es nur eine Mannschaft des Abends."

Das Spiel im Stenogramm:

Eintracht Braunschweig - Borussia Dortmund 2:1 (1:1)
Tore: 0:1 Koller (28.), 1:1 Rische (41.), 2:1 Graf (84.)
Zuschauer: 22.200 (ausverkauft)

St. Pauli: Stuckmann - Siegert, Amedick, Grimm, Tauer - Graf, Brinkmann (75. Bick), Celikovic, Caruso (60. Fuchs) - Rische, Kuru (69. Hauswald)
Dortmund: Weidenfeller - Degen, Wörns, Metzelder, Dede - Kringe, Kehl, Kruska - Smolarek (56. Gambino), Koller, Ricken (81. Odonkor)

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 22.08.2005 | 22:40 Uhr