Fans des FC Hansa Rostock halten Schals hoch © IMAGO / Fotostand

Alle Augen auf Hansa Rostock: "Große Verantwortung" bei Fan-Rückkehr

Stand: 19.03.2021 13:37 Uhr

Der Fußball-Drittligist Hansa Rostock darf am Sonnabend gegen den Halleschen FC (live im NDR) wieder Zuschauer ins Ostseestadion lassen. Das Interesse an dem Pilotprojekt ist groß, ebenso wie die Verantwortung des Clubs aus Mecklenburg-Vorpommern.

von Matthias Heidrich

Deshalb appellierte Hansa Rostock am Freitag in einem offenen Brief an die 777 Fans, die für die Partie am Sonnabend (14 Uhr, live im TV und im Livecenter bei NDR.de) zugelassen sind. "Wir bitten alle, die die Chance haben, bei diesem Feldversuch dabei sein zu können, diese große Verantwortung gegenüber allen anderen Fans und Teilen unserer Gesellschaft immer im Hinterkopf zu behalten und uns bei der Umsetzung der Vorgaben und Maßnahmen zu unterstützen", hieß es in der Mitteilung. "Deutschlandweit werden zahlreiche Augen auf uns gerichtet sein werden - insbesondere der Kritiker".

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Hansa Rostock darf wieder vor Zuschauern spielen. Die richtige Entscheidung?

DFB begrüßt Pilotprojekt in Rostock

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) begrüßt den Versuch. Grundsätzlich freue sich der DFB "über jedes Fußballspiel, zu dem Zuschauerinnen und Zuschauer zugelassen sind, und über jeden Fan, der vor Ort teilhaben kann", sagte DFB-Vizepräsident Peter Frymuth. "Traurig macht mich gleichzeitig, dass andernorts in Deutschland viele Menschen nicht die Möglichkeit haben, ihrer Leidenschaft nachzugehen und unter freiem Himmel in ihrem Amateurverein Fußball zu spielen." Dies sei jedoch in der Betrachtung von dem Rostocker Pilotprojekt zu trennen.

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Hansa-Fans mit Maske halten im Stadion ihre Schals hoch. © NDR Foto: picture alliance / Fotostand

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Marien: "Geht nicht nur um Fußball, es geht um Sport"

Auch Hansa-Vorstandschef Robert Marien hat die Gesamtlage im Blick. "Wir können nicht so tun, als wenn wir nicht Bestandteil des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern und von Deutschland wären." Während die Sieben-Tage-Inzidenz in Rostock am Donnerstag lediglich bei 22,9 registrierten Infektionen je 100.000 Einwohner lag, stieg der Wert in MV auf 63,8 und bundesweit am Freitag sogar auf 95,6.

Gleichwohl verteidigte Marien ("Die Grundlage des Fußballs sind die Fans") den Feldversuch gegen etwaige Kritiker: "Ich kann nur dafür werben, dass Pilotprojekte gestartet werden, um Branchen den Wiedereintritt zu ermöglichen. Es geht hier nicht nur um Fußball, es geht um Sport, um die Veranstaltungen."

"Wenn wir eine Neiddebatte anfangen, haben wir in Deutschland noch zwei Jahre lang Lockdown." Robert Marien

Marien und sein Team werden am Sonnabend Vertreter des DFB, anderer Sport-Vereine und Veranstalter im Ostseestadion empfangen, die sich ein Bild von der Umsetzung des Konzepts machen wollen, das in enger Abstimmung mit Mecklenburg-Vorpommerns Gesundheitsministerium entworfen wurde und für alle Stadionbesucher Corona-Schnelltests vorsieht. Zudem gelten die gängigen Abstandsregeln und es besteht eine Maskenpflicht.

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"Reden von Testungen von über 1.000 Menschen"

Das Pilotprojekt startet für die Rostocker am frühen Samstagmorgen. Die ersten Corona-Teststraßen am Ostseestadion werden bereits um 7 Uhr für die Dienstleister geöffnet. "Wir reden hier von Testungen von über 1.000 Menschen", so Marien. Ungefähr 120 Fans werden sich laut dem Clubchef ab 9 Uhr in den Fanshops testen lassen. Die Stadiontore öffnen dann zwei Stunden vor Anpfiff um 12 Uhr. Die Zuschauer werden sich dann auf der Nord- und Westtribüne verteilen - in größeren Abständen. "Es wird ziemlich luftige Bilder geben", sagte Marien.

Es müssten "nicht unbedingt 777 Zuschauer werden. Es ist für uns auch ein Teil des Pilotprojekts, zu sehen, wie viele 'no shows' wir haben", sagte Hansas Vorstandsvorsitzender: "Es ist schon relevant, wie viele Leute unter diesen Umständen zum Fußball kommen. Es wird nicht jeder sein."

Marien: "Es geht um die Fans"

Eine erste interne Auswertung des Pilotprojektes soll bereits am Sonntag vorliegen. "Im Detail wird das sicherliche eine Woche dauern, weil wir alle Fans auch noch einmal anschreiben, um ein Feedback zu bekommen", sagte Marien.

Finanziell rechnet Hansa Rostock angesichts des logistischen Aufwands mit einem Minusgeschäft. "Sicherlich wird es kein Plus-Geschäft sein. Aber jeder Euro, der jetzt vermeintlich im Minus ist, ist ein gut angelegter Euro. Es geht um eines der wichtigsten Güter im Fußball, das sind die Fans", erklärte Marien.

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