Stand: 29.08.2019 10:47 Uhr

Wie gefährlich ist Zucker?

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Als Energielieferanten reichen etwa Brot und Nudeln vollkommen. Der Körper braucht keinen extra Zucker.

Statistisch gesehen verzehrt jeder Deutsche insgesamt 34 Kilogramm allein an Haushaltszucker pro Jahr. Obendrauf kommen noch Honig und Zucker in Form von Glukose und Isoglukose, also Zuckerzusätze in Säften und Obstkonserven beispielsweise. Das sind dann noch mal zehn Kilo mehr im Jahr. Dabei brauchen wir den Stoff gar nicht. Kohlenhydrate aus Brot oder Nudeln liefern die Energie, die unser Körper benötigt. Daraus kann er dann selbst Zucker herstellen.

Zucker liefert unserem Körper also nichts außer überflüssigen Kalorien, die uns bekanntermaßen dick werden lassen. Wissenschaftler haben in den vergangenen Jahren immer mehr Nachweise dafür gefunden, dass zu viel Zucker uns sogar krank macht.

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Saccharose (Haushaltszucker) besteht zum einen aus Glukose, auch Traubenzucker genannt. Der andere Teil ist Fruktose - also Fruchtzucker. Die beiden Stoffe werden in unserem Körper unterschiedlich verarbeitet: Fruchtzucker wird über die Leber verstoffwechselt. Kommt dort mehr Fruchtzucker an, als sie verwerten kann, wandelt sie ihn in Fett um. Das wird in der Leber eingelagert oder auch in anderen Organen, die auch drohen zu verfetten. Traubenzucker geht ins Blut. Der Körper verwertet es dann mithilfe des Hormons Insulin. Gerät unser Zucker- und Insulinhaushalt außer Kontrolle, können Übergewicht und auch Diabetes Typ 2 entstehen.

Forschungsergebnisse deuten zudem auf eine besondere Gefahr im Zusammenhang mit Fruchtzucker hin: Er soll weniger satt machen als anderer Zucker, was dazu führen kann, dass wir mehr davon essen. Außerdem fördert er die Bildung von Fettpolstern. Schon Kinder können durch zu viel Zuckeraufnahme eine Fettleber entwickeln, ähnlich wie Alkoholiker sie bekommen. Sie kann ein frühes Anzeichen des Metabolischen Syndroms sein, einem ganzen Bündel von Krankheiten: Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall und Adipositas.

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Ist es in Ordnung, einfach weiter Zucker zu essen, solange man nicht dick wird? Nicht unbedingt, denn auch bei schlanken Menschen kann der Insulinhaushalt gestört sein. Wer sehr viel Zuckerhaltiges, vor allem aber Fruchtzucker verzehrt, muss aber nicht zwangsläufig an Leibesumfang zulegen.

Es gibt auch sogenannte dicke Dünne. Sie sind äußerlich schlank. Aber bei ihnen sind dann die inneren Organe von ungesunden Fettschichten ummantelt. Etwa fünfzehn Prozent aller Typ-2-Diabetiker sind schlank. Auch sie können die Folgeerkrankungen treffen, bis hin zu Krebs.

Fruchtzucker in vielen Lebensmitteln versteckt

Dennoch werden immer mehr Produkte mit Fruchtzucker gesüßt - Ketchup, Fertiggerichte, Soßen oder Müslis beispielsweise. Das Wort "Frucht" lässt den Zucker harmlos erscheinen. Deshalb werben manche Hersteller damit. Doch Fruchtzucker ist nicht kalorienärmer oder gesünder als normaler Zucker. Manchmal ist der Fruchtzucker aber auch gar nicht ausgewiesen. Eine spezielle Kennzeichnungspflicht für Fruchtzucker gibt es bisher nämlich nicht. Für Menschen mit einer Fruktose-Unverträglichkeit kann das zu gesundheitlichen Problemen führen.

In Säften und Smoothies steckt mehr Zucker als Obst

Viele Menschen unterschätzen besonders den Zuckergehalt von Fruchtsäften und Smoothies. Manche Smoothies enthalten, je nach Fruchtart, sogar mehr Zucker als in Cola enthalten ist. Denn sie bestehen aus Früchten in hochkonzentrierter Form mitsamt ihrem natürlichen Zuckergehalt. Doch so viele Früchte, wie in Säften oder Smoothies enthalten sind, kann man gar nicht essen. Beim Pürieren werden zudem die Ballaststoffe der Früchte zerstört, sodass der Zucker sehr schnell ins Blut gelangt.

Wer Obst isst, statt Saft zu trinken, nimmt deshalb weniger Trauben- und Fruchtzucker auf. Zudem ist Obst auch schwerer verdaulich als Saft. So wird der Traubenzucker auch langsamer ins Blut aufgenommen und entsprechend langsamer steigt der Insulinspiegel an.

Smoothies also am besten wie Süßigkeiten nur in Maßen genießen oder noch besser stattdessen Früchte ganz verzehren. Aber auch manche Obstsorten wie kernlose Weintrauben lieber nur in Maßen essen, weil sie besonders viel Zucker enthalten. Man kann sie schon fast als Süßigkeiten ansehen. In Beeren hingegen, Himbeeren oder Blaubeeren etwa, ist der Zuckergehalt geringer.

Zucker als Droge

Süßer Geschmack verkauft sich gut, deshalb enthalten fast alle Fertiggerichte Zucker als Geschmacksverstärker. Zudem dient er der Lebensmittelindustrie als billiger Füllstoff. Doch Zucker regt im Gehirn die gleichen Regionen an wie Alkohol oder Nikotin. Es gibt Hinweise darauf, dass Zucker süchtig machen kann. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit forschen an dem Thema. Zudem gibt es Untersuchungen, die sich mit der Frage beschäftigen, ob Zucker womöglich die Entstehung von Krebs fördert und ob eine zuckerfreie Ernährung gegen die Krankheit hilft.

Wie viel Zucker ist ungesund?

Die WHO empfiehlt den Verzicht auf Zucker

  • Unbedingt: Verzehr von zusätzlichem Zucker ein Leben lang zu reduzieren.
  • Wichtig: zusätzlicher Zucker sollte bei Kindern und Erwachsenen weniger als 10 Prozent der täglichen Energiemenge ausmachen. Die Obergrenze sollten 50 Gramm sein.
  • Optional: eine weitere Verringerung des Zuckerverzehrs auf unter 5 Prozent der täglich aufgenommenen Energiemenge. Bei knapp 2.000 Kilokalorien wären das 25 Gramm.

Die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlene Maximalmenge an sogenanntem freiem Zucker pro Tag liegt idealerweise bei nicht mehr als 25 Gramm pro Tag. Das sind etwa sechs Teelöffel. Mit freiem Zucker ist zugesetzter Zucker gemeint.

Es geht also nicht nur um das Stück Würfelzucker, mit dem Kaffee gesüßt wird, sondern um die gesamten Zuckerarten, die wir im Laufe des Tages über Fruchtjoghurts, Fertiggerichte, Ketchup, Müsli oder Marmelade zu uns nehmen. Lebensmittel mit einem natürlichen Zuckergehalt - wie etwa Milch - werden nicht dazu gezählt.

Im Jahr sollte jeder statistisch gesehen höchstens neun Kilo freien Zucker essen - es sind jedoch tatsächlich 34 Kilogramm Weißzucker, neun Kilo Glukose und Isoglukose sowie ein Kilo Honig - insgesamt also rund 44 Kilo Zucker pro Kopf und Jahr, die wir zu uns nehmen.

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