Stand: 13.06.2017 12:46 Uhr  | Archiv

Vorsicht bei Schnelltests aus der Apotheke

In Apotheken und im Internet sind immer mehr Schnelltests im Angebot. Damit sollen sich Kunden schnell über den eigenen Gesundheitszustand informieren können, um bestimmte Erkrankungen rechtzeitig zu erkennen - zum Beispiel hohe Cholesterinwerte, Eisenmangel, Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) und Allergien. Die meisten Schnelltests kosten bis 20 Euro. Sie analysieren bestimmte Stoffwechselvorgänge und machen die Ergebnisse in farbigen Feldern sichtbar. Getestet wird in der Regel Urin oder Blut.

Schnelltests aus der Apotheke im Vergleich

Cholesterin

Beim Cholesterintest desinfiziert der Anwender eine Fingerkuppe und piekst dort mit einer Stechhilfe hinein. Der austretende Blutstropfen wird auf Testfelder verteilt. Deren Farben verändern sich abhängig vom Cholesterinspiegel nach einer vorgegebenen Zeit. Anschließend lassen sich die ungefähren Werte des Cholesterins durch den Vergleich mit einer Farbtafel abschätzen. Damit die Ergebnisse nicht verfälscht werden, muss sich der Anwender genau an die Bedienungsanleitung halten und die Probe im richtigen Moment auswerten. Da sich die Farben weiter verändern, sind zu spät abgelesene Ergebnisse nicht mehr zu gebrauchen. Das Ergebnis unterscheidet nicht zwischen dem gefährlichen LDL-Cholesterin und dem schützenden HDL-Cholesterin und kann damit allenfalls als erster Anhaltspunkt dienen.

Eisenmangel

Beim Eisenmangeltest wird der Blutstropfen aus der Fingerkuppe mit einer kleinen Pipette abgesaugt, in eine Testkartusche gegeben und mit einigen Tropfen einer Lösung verdünnt. Danach heißt es zehn Minuten warten, aber nicht länger als 15 Minuten. Der Selbsttest basiert auf der Bestimmung von Serum-Ferritin, einem Eiweißstoff, der an der Speicherung von Eisen im Körper wesentlich beteiligt ist. Eine Konzentration von unter 20 Nanogramm pro Milliliter Blut ist ein Anhaltspunkt für einen Eisenmangel und sollte beim Arzt überprüft werden. Aber Vorsicht: Der Ferritin-Test gilt als unzuverlässig, sollten gleichzeitig entzündliche Erkrankungen, Tumore oder auch Lebererkrankungen vorliegen.

Glutenunverträglichkeit (Zöliakie)

Der Selbsttest auf Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) basiert auf einem Nachweis von Immunglobulin-A-Autoantikörpern im Blut. Das Blut muss vor der weiteren Verwendung mit einer Pufferlösung in einem bestimmten Verhältnis verdünnt werden. Ein positives Ergebnis stellt einen ersten Hinweis auf eine Glutenunverträglichkeit dar, muss aber durch weitere Untersuchungen in der Arztpraxis bestätigt werden.

Der Test kann ein falsch-negatives Ergebnis liefern, da etwa fünf Prozent der Zöliakie-Erkrankten den im Test ausgewerteten Antikörper gar nicht haben. Auch wenn sich der Anwender bereits glutenfrei ernährt oder eine Weizenallergie hat, schlägt der Test nicht an. Wer den Verdacht hat, an Zöliakie erkrankt zu sein, sollte sich besser beim Arzt untersuchen lassen.

Allergien

Mit einem Allergietest aus der Apotheke sollen sich gleich drei weitverbreitete, durch die Luft übertragene Allergien nachweisen lassen: Gräserpollen, Katzenhaar und Hausstaubmilben. Dazu wird ein Tropfen Blut auf eine Testkassette gegeben. Der Test sucht nach den gleichen Antikörpern im Blut, die auch medizinische Labore untersuchen. Wenn Antikörper im Blut mit bestimmten Stoffen auf dem Teststreifen reagieren, bilden sich innerhalb von zehn Minuten farbige Linien. Doch ein positives Testergebnis ist kein Nachweis einer Allergie. Viel wichtiger sind die tatsächlich auftretenden Symptome. Im Zweifel sollte man bei einem positiven Testergebnis von einem Arzt untersuchen lassen.

Fazit: Ärztliche Beratung fehlt

Aus technischer Sicht sind Schnelltests aus der Apotheke in Ordnung. Es fehlt jedoch die Einordnung der Ergebnisse durch einen Arzt. Die Tests können auch in einer Arztpraxis durchgeführt werden - das zahlt bei auftretenden Symptomen die Krankenkasse, fachkundige Beratung inklusive.

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Visite | 13.06.2017 | 20:15 Uhr

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