Stand: 07.07.2020 13:10 Uhr

Welches Elektrorad ist das richtige?

Ein Mann fährt auf einem Mountainbike mit Elektromotor im Hinterrad. © imago/Westend61
Hinterradantrieb und ein tief eingebauter Akku sorgen für stabile Fahreigenschaften.

Fahrräder mit Elektromotor gehören inzwischen zum Alltag auf den Radwegen. Die sogenannten Pedelecs haben sich zum Verkaufsschlager entwickelt. Fast jeder Radhersteller hat Modelle mit elektrischem Hilfsmotor im Programm. Die technischen Details unterscheiden sich dabei ebenso wie die Preise. Einfache Modelle sind bereits für rund 1.000 Euro zu bekommen, Räder mit aufwendiger Technik und edlen Materialien kosten 3.500 Euro und mehr. Die Mittelklasse liegt bei etwa 2.500 Euro.

Absatz steigt - Modelle für jeden Bedarf

Im Jahr 2019 haben Händler in Deutschland laut Statista rund 1,4 Millionen E-Bikes verkauft. Im Vergleich zum Vorjahr ist das eine Steigerung von fast 40 Prozent. Damit sind nun etwa 32 Prozent der verkauften Fahrräder mit Elektromotoren ausgerüstet. Während die ersten Elektroräder mit tiefem Einstieg überwiegend von älteren Menschen gekauft wurden, gibt es Pedelecs inzwischen für jeden Bedarf: als Touren-, Klapp- oder Lastenrad und selbst als sportliches Mountainbike. Studien der Versicherungswirtschaft zufolge tragen Fahrer von E-Bikes allerdings ein dreimal höheres Risiko im Straßenverkehr getötet zu werden als konventionelle Radfahrer.

Knackpunkt bei E-Bikes: Begrenzte Reichweite

Wie bei allen Elektro-Fahrzeugen gehört die begrenzte Reichweite zu den größten Einschränkungen der Pedelecs. Diese hängt natürlich in erster Linie von der Akkukapazität und der Motorleistung ab. In der Praxis spielen zudem die gefahrene Geschwindigkeit, die Beschaffenheit von Gelände und Bodenbelag, die gewählte Unterstützung beim Treten sowie das Gewicht des Fahrers eine entscheidende Rolle.

Auch schwach aufgepumpte Reifen verringern die Reichweite durch einen erhöhten Rollwiderstand. Wer also eine ausgedehnte Tagestour unternehmen möchte, muss die Akku-Anzeige im Auge behalten und mit dem Strom sparsam umgehen. Ist der Speicher leer, kann der Radler zwar ohne Unterstützung weiterfahren, das Gewicht des Elektroantriebs bremst aber spürbar.

Beim Kauf auf Akku-Kapazität achten

Digitales Anzeigegerät am Lenker eines Elektrofahrrades © imago/Jochen Tack
Eine digitale Anzeige am Lenker informiert über Geschwindigkeit, Akkustand und Motorleistung.

Die meisten Stromspeicher arbeiten mit Lithium-Ionen-Technik. Nach einigen Hundert Ladevorgängen sinkt die Kapazität deutlich. Am längsten halten diese Akkus, wenn sie stets im Bereich zwischen 20 und 80 Prozent geladen sind. Man sollte sie also nicht ganz leerfahren und auch nicht nach kurzer Nutzung bereits wieder voll laden. Müssen die Akkus ersetzt werden, kostet das mehrere Hundert Euro. Viele Hersteller bieten Akkus mit unterschiedlicher Speicherleistung (gemessen in Wattstunden: Wh) an. Räder im mittleren Preisbereich liegen meist bei 350 bis 500 Wh. Ein stärkerer Akku erhöht die Reichweite, aber auch den Preis des Rades.

Batterie im Winter vor Kälte schützen

Wer sein Elektrorad längere Zeit nicht nutzt, sollte den Akku ausbauen und ihn etwa halb geladen lagern. Probleme können zudem niedrige Temperaturen im Winter machen. Hier ist es ebenfalls ratsam, den Akku beim Parken des E-Bikes auszubauen und bei Zimmertemperatur zu lagern. Schutz vor Kälte und Kapazitätsverlust der Batterie bieten zudem isolierende Neoprenhüllen. Zum Laden des Akkus genügt eine gewöhnliche Steckdose. Der Ladevorgang dauert jedoch mehrere Stunden.

Richtigen Motor wählen: Antrieb per Vorder- oder Hinterrad

Technisch lassen sich drei Antriebsmöglichkeiten unterscheiden:

  • Nabenmotor im Vorderrad
  • Mittelmotor am Tretlager
  • Nabenmotor im Hinterrad

Einfache Modelle setzen auf den Vorderrad-Motor, der allerdings weniger Fahrkomfort bietet als ein Mittelmotor, dessen Kraft über die Kette auf das Hinterrad wirkt. Ein angetriebenes Vorderrad kann auf rutschigem oder weichem Untergrund durchdrehen und das gesamte Fahrrad destabilisieren.

Ausschnitt eines Elektrofahrrades mit Mittelmotor © imago/Gerhard Leber
Ein Mittelmotor am Tretlager ist die gängigste Bauart bei Pedelecs.

Als günstige Gewichtsverteilung hat sich erwiesen, Motor und Akku in der Mitte des Rades zu platzieren. Daher ist der Mittelmotor derzeit die am häufigsten verkaufte Variante. In sportlichen Pedelecs kommen zunehmend Hinterrad-Motoren zum Einsatz. Bei allen Varianten darf die Motorleistung laut Gesetz in Pedelecs 250 Watt nicht übersteigen.

Kauf: Testergebnisse checken und Probefahrt machen

Stiftung Warentest hat zuletzt im Mai 2020 Komfort-orientierte Tiefeinsteiger-Pedelecs mit Preisen zwischen 2.150 und 3.500 Euro geprüft und deutliche Unterschiede zwischen den Modellen festgestellt. Nur vier von zwölf getesteten E-Bikes erhielten eine gute Gesamtnote. Der Vergleich von Preisen und Testergebnissen lohnt sich also bei den recht hohen Anschaffungskosten.

Verbraucherschützer raten dazu, vor dem Kauf eine Probefahrt zu unternehmen. Dabei sollten sich Radler zunächst vorsichtig mit den Fahreigenschaften des Elektrorades vertraut machen. In vielen Urlaubsregionen können Interessenten mit einem gemieteten Pedelec (ab etwa 20 Euro) bei einer Tagestour ausprobieren, ob sie künftig stets mit Kraftreserven aus dem Akku unterwegs sein möchten.

S-Pedelecs: Helmpflicht und Versicherungskennzeichen

Wer sich für ein schnelles S-Pedelec entscheidet, dessen Tretunterstützung erst bei einer Geschwindigkeit von 45 km/h abschaltet, muss einen Helm tragen und mindestens einen Führerschein der Klasse AM besitzen. Für diese Fahrzeuge ist ein sogenanntes Versicherungskennzeichen mit einer Haftpflichtversicherung erforderlich. Ein Kennzeichen kostet pro Jahr etwa 50 Euro, es ist jeweils bis zum März des Folgejahres gültig. Zudem ist es möglich, die Fahrzeuge mit einer Teilkasko abzusichern, die je nach Tarif für Diebstahl oder eigene Schäden aufkommt.

Haftpflicht- und Diebstahlversicherung prüfen

Auch die Nutzer der langsameren E-Bikes bis 25 km/h sollten prüfen, ob die Privathaftpflicht-Versicherung bei einem Unfall für verursachte Schäden aufkommt. Zu prüfen gilt es auch, ob die Hausratversicherung im Fall eines Diebstahls einspringt oder eine separate Versicherung für E-Bikes abgeschlossen werden muss.

Steuervorteile und Förderprogramme für E-Bikes

Steuerlich interessant sind E-Bikes mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 25 km/h, die Arbeitgeber für ihre Angestellten anstatt eines Dienstwagens anschaffen. Ab 1. Januar 2019 gilt hier, dass der geldwerte Vorteil für den Angestellten steuerfrei bleibt, sofern das E-Bike nicht sein Eigentum ist. Auch die private Nutzung ist steuerfrei, es erfolgt keine Anrechnung auf die Pendlerpauschale. Städte, Kommunen und regionale Energieversorger geben teilweise beim Kauf von E-Bikes Zuschüsse. Die Stadt Hamburg beispielsweise hat die Förderung für den Kauf von E-Lastenrädern gerade verlängert und weitere Fördergelder bereitgestellt.

Stichwort E-Bike

Elektrofahrrad, E-Bike oder Pedelec - die Begriffe werden häufig nicht exakt verwendet. Mit Abstand am weitesten verbreitet sind Pedelecs. Das Kurzwort setzt sich aus "Pedal Electric Cycle" zusammen. Der Radler muss mittreten, sonst schaltet sich der Motor ab. Bei 25 km/h ist Schluss mit der Unterstützung. Für Pedelecs gelten Vorschriften wie beim herkömmlichen Fahrrad: kein Führerschein, keine Helmpflicht, keine Versicherungspflicht.
S-Pedelecs schalten erst bei Tempo 45 ab. Der Fahrer benötigt einen Führerschein, das Zweirad muss ein Versicherungskennzeichen haben. Es gilt die Helmpflicht.
E-Bikes sind Kleinkrafträder, die auch ohne Pedal-Unterstützung gefahren werden können und benötigen ein Versicherungskennzeichen.
Im allgemeinen Sprachgebrauch - wie auch in diesem Artikel - werden Pedelecs meist als E-Bikes bezeichnet.

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