Stand: 06.09.2019 09:32 Uhr

Welches Elektrorad ist das richtige?

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Hinterradantrieb und ein tief eingebauter Akku sorgen für stabile Fahreigenschaften.

Fahrräder mit Elektromotor gehören inzwischen zum Alltag auf den Radwegen. Die sogenannten Pedelecs haben sich zum Verkaufsschlager entwickelt. Fast jeder Fahrradhersteller hat Modelle mit elektrischem Hilfsmotor im Programm. Die technischen Details unterscheiden sich dabei ebenso wie die Preise. Einfache Modelle sind bereits für rund 1.000 Euro zu bekommen, Räder mit aufwendiger Technik und edlen Materialien kosten 3.500 Euro und mehr. Die Mittelklasse liegt bei etwa 2.500 Euro.

Malermeister Jürgen Vogelsang aus Georgsmarienhütte setzt regelmäßig sein E-Lastenrad ein - er besucht damit Kunden und bringt Material zu seinen Baustellen. Bis zu 250 Kilogramm kann er mit seinem mehrere tausend Euro teurem E-Lastenrad transportieren. © NDR/CANDEO communication GmbH

Radeln unter Strom

Wie geht das? -

Pedelecs sind gefragt wie nie. Ihre Nutzung hat sich in Niedersachsen im Jahr 2018 verdoppelt. Der Film zeigt, wie Fahrräder mit Elektromotor gerade die Mobilität verändern.

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Modelle für jeden Bedarf

Nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbandes (ZIV) wurden 2018 in Deutschland 980.000 Fahrräder mit Elektromotor verkauft, rund ein Drittel mehr als 2017 und doppelt so viele wie vor vier Jahren. Damit war fast ein Viertel aller verkauften Fahrräder motorisiert. Im Schnitt investierten die Kunden etwa 2.300 Euro.Während die ersten Elektroräder mit tiefem Einstieg überwiegend von älteren Menschen gekauft wurden, gibt es Pedelecs inzwischen für jeden Bedarf: als Touren-, Klapp- oder Lastenrad und selbst als sportliches Mountainbike. Allerdings nahm auch die Zahl der tödlichen Unfälle mit motorisierten Fahrrädern zu: 2018 kamen bis Ende Oktober 83 Menschen ums Leben, ein Plus von fast 30 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum 2017.

Knackpunkt bei E-Bikes ist der Akku

Stichwort E-Bike

Elektrofahrrad, E-Bike oder Pedelec - die Begriffe werden häufig nicht exakt verwendet. Mit Abstand am weitesten verbreitet sind Pedelecs. Das Kurzwort setzt sich aus "Pedal Electric Cycle" zusammen. Der Radler muss mittreten, sonst schaltet sich der Motor ab. Bei 25 km/h ist Schluss mit der Unterstützung. Für Pedelecs gelten Vorschriften wie beim herkömmlichen Fahrrad: kein Führerschein, keine Helmpflicht, keine Versicherungspflicht.
S-Pedelecs schalten erst bei Tempo 45 ab. Der Fahrer benötigt einen Führerschein, das Zweirad muss ein Versicherungskennzeichen haben. Es gilt die Helmpflicht.
E-Bikes sind Kleinkrafträder, die auch ohne Pedal-Unterstützung gefahren werden können und benötigen ein Versicherungskennzeichen.
Im allgemeinen Sprachgebrauch werden Pedelecs meist als E-Bikes bezeichnet.

Wie bei allen Elektro-Fahrzeugen gehört die begrenzte Reichweite zu den größten Einschränkungen der Pedelecs. Bei einer Untersuchung von "Stiftung Warentest" waren die Akkus der zwölf geprüften Modelle aus dem Jahr 2018 nach 61 bis 87 Kilometern leer. Allerdings bieten diese Werte nur eine grobe Orientierung und hängen in der Praxis erheblich von der gefahrenen Geschwindigkeit, von Gelände, Bodenbelag und der gewählten Unterstützung beim Treten sowie dem Gewicht des Fahrers ab. Auch schwach aufgepumpte Reifen verringern die Reichweite. Wer also eine ausgedehnte Tagestour unternehmen möchte, muss die Akku-Anzeige im Auge behalten und mit dem Strom sparsam umgehen. Ist der Speicher leer, kann der Radler zwar ohne Unterstützung weiterfahren, das Gewicht des Elektroantriebs bremst aber spürbar.

Beim Kauf auf Speicherleistung achten

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Eine digitale Anzeige am Lenker informiert über Geschwindigkeit, Akkustand und Motorleistung.

Die meisten Stromspeicher arbeiten mit Lithium-Ionen-Technik. Nach einigen Hundert Ladevorgängen sinkt die Kapazität deutlich. Am längsten halten diese Akkus, wenn sie stets im Bereich zwischen 20 und 80 Prozent geladen sind. Man sollte sie also nicht ganz leerfahren und auch nicht nach kurzer Nutzung bereits wieder voll laden.Müssen die Akkus ersetzt werden, kostet das mehrere Hundert Euro. Viele Hersteller bieten Akkus mit unterschiedlicher Speicherleistung (gemessen in Wattstunden: Wh) an. Räder im mittleren Preisbereich liegen meist bei 350-500 Wh. Ein stärkerer Akku erhöht die Reichweite, aber auch den Preis des Rades. Wer das Elektrorad längere Zeit nicht nutzt, solle den Akku ausbauen und ihn etwa halb geladen kühl lagern.

Zum Laden des Akkus genügt eine gewöhnliche Steckdose. Da die meisten Speicher mit wenigen Handgriffen ausgebaut werden können, lassen sie sich zu Hause oder im Hotelzimmer mit dem passenden Ladegerät wieder füllen. Dies dauert jedoch mehrere Stunden.

Antrieb per Vorder- oder Hinterrad

Technisch lassen sich drei Antriebsmöglichkeiten unterscheiden:

  • Nabenmotor im Vorderrad
  • Mittelmotor am Tretlager
  • Nabenmotor im Hinterrad

Einfache Modelle setzen auf den Vorderrad-Motor, der allerdings weniger Fahrkomfort bietet als ein Mittelmotor, dessen Kraft über die Kette auf das Hinterrad wirkt. Ein angetriebenes Vorderrad kann auf rutschigem oder weichem Untergrund durchdrehen und das gesamte Fahrrad destabilisieren.

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Ein Mittelmotor am Tretlager ist die gängigste Bauart bei Pedelecs.

Als günstige Gewichtsverteilung hat sich erwiesen, Motor und Akku in der Mitte des Rades zu platzieren. Daher ist der Mittelmotor derzeit die am häufigsten verkaufte Variante. In sportlichen Pedelecs kommen zunehmend Hinterrad-Motoren zum Einsatz. Bei allen Varianten darf die Motorleistung laut Gesetz in Pedelecs 250 Watt nicht übersteigen.

Kein Kauf ohne Probefahrt

Stiftung Warentest hat zuletzt im Frühjahr 2018 sportliche Trecking-Pedelecs in der Preisklasse von 2.000 bis 2.900 Euro geprüft und deutliche Unterschiede zwischen den Modellen festgestellt. Von den zwölf Kandidaten erhielten sechs das Testurteil "gut", zwei "befriedigend", drei "ausreichend" und eines "mangelhaft". Auch das preisgünstigste Modell erhielt die Bewertung "gut".Die Verbraucherschützer raten, vor dem Kauf eine Probefahrt zu unternehmen. Dabei sollten sich Radler zunächst vorsichtig mit den Fahreigenschaften des Elektrorades vertraut machen. In vielen Urlaubsregionen können Interessenten mit einem gemieteten Pedelec (ab etwa 20 Euro) bei einer Tagestour ausprobieren, ob sie künftig stets mit Kraftreserven aus dem Akku unterwegs sein möchten. Auch der Radlerverein ADFC bietet online zahlreiche Informationen zum Thema E-Bike an.

Versicherungen prüfen

Wer sich für den Kauf eines Pedelecs entscheidet, sollte sich von seiner Privathaftpflicht-Versicherung bestätigen lassen, dass sie bei einem Unfall für den Schaden anderer Beteiligter aufkommt. Wird das teure Elektrorad gestohlen, springen unter bestimmten Voraussetzungen die Hausratversicherung oder spezielle Fahrradversicherungen ein.

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