Stand: 29.12.2018 15:10 Uhr

Silvester: Warum lassen wir es krachen?

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Zum Jahreswechsel gehört für viele eine feucht-fröhliche Silvesterparty.

Für manche ist Silvester der schönste Abend des Jahres, für andere nur ein lästiger Brauch mit Lärm und jeder Menge Alkohol. Im Unterschied zu vielen Festen in unserem Kulturkreis hat die Party zum Jahreswechsel keinen Bezug zur biblischen Geschichte. Allerdings trägt die Kirche den Namen bei: Der römische Papst Silvester starb am 31. Dezember 335. Einen Grund zu feiern gab es damals nicht, aber im Heiligenkalender trägt dieser Tag seinen Namen.

Warum eigentlich der 31. Dezember?

Auf den ersten Blick erscheint es völlig klar: Am 31. Dezember endet ein Jahr, am 1. Januar beginnt das nächste. Der Termin ist jedoch weitgehend beliebig und keineswegs weltweit einheitlich. So feiert China bis heute das Neujahrsfest am Tag des Neumonds zwischen dem 21. Januar und dem 21. Februar. Im westlichen Kulturraum hat sich der 1. Januar erst seit dem Mittelalter als Neujahrstag durchgesetzt. 1582 verkündete Papst Gregor XIII. eine Reform des Kalenders und setzte damit den Jahresbeginn auf den 1. Januar fest. Für das Kirchenjahr gilt das bis heute nicht - es beginnt am ersten Adventssonntag.

Mit Feuerwerk ins neue Jahr

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Raketen und Böller gehören zu jeder Silvesternacht. Der Brauch, Sprengstoff bei Festen zu verwenden, soll aus dem China des frühen 12. Jahrhunderts stammen. 1379 soll es in Italien das erste Feuerwerk in Europa gegeben haben, 1506 das erste in Deutschland. Bald krönte der Adel Feste wie Hochzeiten und Geburten mit einem Feuerwerk. Heute ist Pyrotechnik zum riesigen Geschäft geworden, denn zur Jahreswende lösen sich allein in Deutschland innerhalb weniger Minuten rund 140 Millionen Euro in Schall und Rauch auf. Den größten Anteil haben sogenannte Verbund- oder Batteriefeuerwerke. Reine Krachmacher kommen nur auf fünf Prozent des Umsatzes.

Weg mit den Geistern

Aber warum eigentlich dieser höllische Krach mitten in der Nacht? Schon im Mittelalter lärmten die Menschen mit allem, was laute Geräusche erzeugt: Töpfe, Rasseln, Trommeln und Trompeten. Auch Kirchenglocken durften läuten und Schüsse fielen. Der ganze Lärm hatte nur einen Zweck: böse Geister zu vertreiben - ein Anliegen aus heidnischen Zeiten.

Suche nach dem Glück

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So viel Glück: Hufeisen, Klee und Schweinchen sind beliebte Symbole.

Zu einem guten Start ins neue Jahr gehört offenbar eine gehörige Portion Glück. Jedenfalls sind zum Jahreswechsel Glücksbringer in jeder Form willkommen. Traditionell sollen Schornsteinfeger Glück bringen. Der Brauch stammt aus Zeiten, als ein funktionierender Kamin (über-)lebenswichtig war. Wahlweise können es aber auch Hufeisen, Glückspilze, Glückscents oder Glücksschweine sein. Aus Asien kommen der Glücksbambus, der eigentlich kein Bambus, sondern eine Drachenbaum-Art ist, und Glückskekse mit ihren nicht immer verständlichen Botschaften. Einen vierblättigen Glücksklee in einer heimischen Wiese zu finden, erfordert tatsächlich viel Glück. Einfacher und beliebter ist es, zu Silvester die massenhaft gezüchtete Variante aus der Familie der Sauerkleegewächse zu kaufen. Und mit etwas Glück überlebt die Pflanze den Sommer sogar im Garten.

Blei und Karten

Wer genauer wissen möchte, was das kommende Jahr bringt, kann zum alten Brauch des Bleigießens greifen. Allerdings wird heute nicht mehr das hochgiftige Blei geschmolzen, sondern sogenanntes Rein-Zinn. Produkte, die mehr als 0,3 Prozent Blei enthalten, dürfen in der EU nicht mehr verkauft werden. Wenn das geschmolzene Zinn im kalten Wasser zu bizarren Figuren erstarrt ist, kann die Partyrunde das entstandene Gebilde gemeinsam deuten. Als ungefährlichere Variante bietet sich an, statt Metall Wachs zu schmelzen.

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Können Tarot-Karten in die Zukunft blicken?

Ob Tarot-Karten zuverlässiger als Zinnfiguren sind ist unklar - einen Zimmerbrand riskiert man mit ihnen jedenfalls nicht. Auf den 78 farbigen Karten sind Figuren wie Herrscherin, Narr oder Teufel abgebildet, dazu gibt es Münzen, Schwerter, Kelche, Stäbe, die Sonne und den Tod. Für die Deutung der gezogenen Karten hat man am besten ein Buch zur Hand, denn es kann durchaus komplex werden.

Prost Neujahr

Wenn Mitternacht naht, wird es bei der Wahl der Getränke alternativlos: Jetzt müssen die Sektkorken knallen. Schaumweine gelten noch immer als Schluck für besondere Gelegenheiten. So erzielen die Hersteller im Dezember rund 20 Prozent ihres Jahresumsatzes.

Ein animiertes Bild zeigt, warum Freundeschüsse in Hamburg verboten waren.

Heimatkunde: Silvester

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In Hamburg gab es einst eine Menge friedfertiger Bräuche am letzten Tag des Jahres. Silvester galt als Orakel-Tag, abergläubische Verbote wurden befolgt und teure Neujahrspost versandt.

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