Stand: 28.05.2019 11:59 Uhr

Palmöl in Kosmetik und Waschmittel vermeiden

Reporter Uwe Leiterer macht einen weiteren Selbstversuch: Nach seinem Verzicht auf Zucker, Fleisch und Plastik versucht er, den Kauf von Produkten mit Palmöl zu vermeiden. Den Anstoß haben seine Kinder gegeben - dem Regenwald, den Orang-Utans und der eigenen Gesundheit zuliebe. In einem Blog berichtet Uwe Leiterer jede Woche über seine Erfahrungen.

von Uwe Leiterer

Palmöl in Kosmetik und Waschmittel ist nicht immer ohne Weiteres auf der Liste mit den Inhaltsstoffen zu erkennen. Denn Palmöl wird als Rohstoff zu vielen chemischen Substanzen verarbeitet. In einer Stichprobe kann ich nur bei sechs von 27 Kosmetikprodukten ausschließen, dass Palmöl zum Einsatz kam. Bei acht Produkten ist es sicher enthalten. Bei den restlichen 13 Produkten werden Substanzen genannt, die Palmöl enthalten könnten, aber nicht müssen. Für Verbraucher ist das nicht zu erkennen.

Ein Mann trägt Creme im Gesicht auf. © Colourbox

Palmöl in Kosmetik und Waschmittel vermeiden

Markt -

Palmöl in Kosmetikartikeln und Waschmitteln ist oft nicht in der Liste der Inhaltsstoffe zu erkennen. Das erschwert die Suche nach palmölfreien Produkten.

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Waschmittel: Tenside aus Palmöl

Die wichtigsten Bestandteile eines Waschmittels sind waschaktive Substanzen, die sogenannten anionischen und ionischen Tenside. Sie können ebenfalls aus zahlreichen Rohstoffen hergestellt werden. Während früher ausschließlich Erdöl dafür genutzt wurde, ist es heute überwiegend das noch günstigere Palmöl. Was für die Umwelt besser ist, kann ich nicht beurteilen.

Was sagen Hersteller auf Nachfrage?

Die Hersteller habe ich gefragt, ob in ihren Produkten Palmöl enthalten ist. Die Antworten machen deutlich: Die Unternehmen wollen nicht für das Abholzen der Regenwälder verantwortlich gemacht werden. Offenbar deshalb haben sie sich nach eigenem Bekunden viele Gedanken zu einem nachhaltigen Anbau der Ölpalmen gemacht. Doch in der Realität sind die Hersteller Massenverwerter von Palmöl und treiben damit die Nachfrage an.

Stellungnahme der Beiersdorf AG

Meine Frage an die Beiersdorf AG: "Bei der klassischen Nivea Creme sind auf der Inhaltsstoffliste Aluminum Stearates und Glycerin aufgeführt. Wurden diese Stoffe auf der Basis von Palmöl hergestellt?"

Antwort der Beiersdorf AG: "Bei den eingesetzten Rohstoffen Glycerin und Aluminum Stearates handelt es sich um Palmölderivate. Glycerin wird in der Nivea Creme als natürlicher Feuchtigkeitsspender eingesetzt. Er bindet das Wasser in der Haut und sorgt so für Elastizität und Geschmeidigkeit. Aluminum Stearates ist in nur sehr geringer Konzentration in der Formel enthalten, um die Viskosität und Stabilität der Textur auch bei Wärme zu gewährleisten. (...)

Beiersdorf engagiert sich aktiv für eine nachhaltige Palm(kern)öl-Wirtschaft. Nachhaltig angebaut, sind Palmen ökologisch sehr effiziente, ertragreiche Ölpflanzen, die auf einer vergleichsweise kleinen Anbaufläche eine maximale Ölproduktion ermöglichen. Deshalb engagieren wir uns sowohl im 'Roundtable on Sustainable Palm Oil' (RSPO) als auch im 'Forum Nachhaltiges Palmöl' (FONAP) und treiben gemeinsam mit unseren Partnern entlang der Supply Chain die Umstellung auf nachhaltig produziertes Palm(kern)öl kontinuierlich voran.

Ein wichtiger Schritt besteht für uns darin, die Transparenz in der Lieferkette zu erhöhen und die Herkunft aller unserer palm(kern)öl-basierten Rohstoffe nachvollziehbar zu machen: von der Rohstoffquelle bis zu den fertigen Derivaten. Mit unserer 'Palm Sustainability Roadmap' steuern und koordinieren wir den Weg unseres Unternehmens hin zu einer Rohstoffbeschaffung aus zertifiziert nachhaltigen Quellen nach den Vorgaben des 'RSPO Supply Chain Certification Standards' - und das weltweit.

Bis 2020 sollen in unseren Produkten und Formeln alle Inhaltsstoffe, die auf Palm(kern)öl basieren, physisch nachhaltig zertifiziert sein. Unser Ziel ist die komplette Umstellung auf mindestens massenbilanzierte Palm(kern)öle und entsprechende Derivate. Bei unseren Glycerin-Rohstoffen ist diese Umstellung bereits vollständig erfolgt.

Aufgrund unseres umfangreichen Engagements unter anderem in Bezug auf Palmöl haben wir in der Bewertung des 'Carbon Disclosure Project' (CDP) im Bereich 'Forest/Palm Oil' kürzlich die höchste Bewertung, den Score A, erreicht."

Stellungnahme von Procter & Gamble

Meine Frage an Procter & Gamble: "Ist es richtig, dass in Procter & Gamble-Waschmittelprodukten wie Ariel Actilift flüssiges Vollwaschmittel, Zusätze wie z. B. Tenside auf der Basis von Palmölen verwendet werden?"

Antwort von Procter & Gamble: "Der Schutz des Klimas und der Wälder ist uns wichtig. Gleichzeitig setzen wir uns dafür ein, die Rechte von Arbeitern und indigenen Völkern zu wahren. Vor diesem Hintergrund bekennen wir uns klar zu einer verantwortungsvollen Palmölgewinnung - ohne Brandrodung und Abholzung. Dies schließt die Lieferkette von Palmöl sowie Inhaltsstoffe ein, deren Herstellung auf Palmkernöl basiert. Wir arbeiten sehr eng mit Experten zusammen, damit die vielen Tausend Kleinbauern in der Lieferkette in Zukunft auf Rodungen verzichten können. Zudem arbeiten wir aktiv beim RSPO-Roundtable mit (Anmerkung der Redaktion: RSPO ist die Abkürzung für Roundtable on Sustainable Palm Oil) und werden uns weiter dafür stark machen, die RSPO-Standards in der Branche umzusetzen, um ein möglichst hohes Maß an Nachhaltigkeit bei Palmöl und Palmölderivaten sicher zu stellen. Uns ist bewusst, dass über die Arbeit im RSPO hinaus noch mehr getan werden muss, um Wälder und Moorgebiete zu schützen und Palmölgewinnung ohne Abholzung zu ermöglichen."

Dieses Thema im Programm:

Markt | 28.01.2019 | 20:15 Uhr

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