Stand: 20.02.2018 09:20 Uhr

Hühnerhaltung: Ist Bio wirklich besser?

Hühner auf einer Wiese. © NDR Foto: Ina Kast
In der Bio-Haltung sind pro Legehenne vier Quadratmeter Auslauffläche vorgeschrieben.

Etwa 36 Cent kostet ein Ei von einem Biohof, 13 Cent ein Ei aus konventioneller Tierhaltung. Doch was genau unterscheidet die Biohaltung von konventioneller Hühnerhaltung? Sind Bio-Hühner glücklicher als Tiere aus Freiland- oder Bodenhaltung und ihre Eier gesünder? Und warum werden pro Jahr mehr als 40 Millionen männliche Küken direkt nach dem Schlüpfen geschreddert? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wie unterscheiden sich die Haltungsformen?

Frische Luft, freier Auslauf und Platz zum Picken und Scharren - so stellen sich Verbraucher das Leben eines Bio-Huhns vor. Wie viel Platz Hühner in den verschiedenen Haltungen haben und welches Futter sie bekommen, ist klar geregelt:

  • Die ökologische Haltung sieht maximal sechs Legehennen pro Quadratmeter vor und zusätzlich pro Henne vier Quadratmeter Auslauffläche. Beim noch strengeren Demeter-Bio-Standard sind es rechnerisch nur viereinhalb Tiere pro Quadratmeter.
  • Bei der Freilandhaltung dürfen auf einem Quadratmeter nutzbarer Stallfläche maximal neun Hennen leben. Zusätzlich hat jedes Huhn eine Auslauffläche von vier Quadratmetern.
  • In Bodenhaltung leben die Hühner in einem geschlossenen Stall, in dem sie sich frei bewegen können. Erlaubt sind wie bei der Freilandhaltung bis zu neun Hühner pro Quadratmeter Stallfläche. Mindestens ein Drittel der Bodenfläche muss mit Streumaterial wie Stroh, Holzspänen, Sand oder Ton bedeckt sein.
  • Kleingruppen sind der Mindeststandard für die Hühnerhaltung, seit 2012 die herkömmliche Käfighaltung verboten wurde. Jedem Huhn stehen mindestens 800 Quadratzentimeter zur Verfügung. Das entspricht etwa der Fläche von eineinhalb DIN-A4-Blättern. Es gibt Nester zum Ablegen der Eier, einen Einstreubereich und Sitzstangen zum Schlafen. Die Gruppengröße beträgt 20 bis 60 Hennen. Der Bundesrat hat 2015 beschlossen, die Haltung von Legehennen in Kleingruppen bis 2025, in Ausnahmefällen erst 2028 auslaufen zu lassen.

Laut Bundeslandwirtschaftsministerium gibt es in Deutschland rund 44,5 Millionen sogenannte Haltungsplätze, davon entfallen 60 Prozent auf Bodenhaltung, 15,7 Prozent auf die Freilandhaltung, 11,5 Prozent auf Kleingruppenhaltung und 8,3 Prozent auf Biohaltung.

Was besagt die Kennzeichnung auf dem Ei?

Der Verbraucher kann anhand der ersten Ziffer des Herkunftsstempels auf dem Ei erkennen, in welcher Haltungsform die Legehennen leben:

  • 0 steht für Bio
  • 1 steht für Freilandhaltung
  • 2 bedeutet Bodenhaltung
  • 3 heißt Kleingruppe

Die folgende Buchstabenabkürzung steht für das Herkunftsland, zum Beispiel DE für Deutschland, NL für die Niederlande, AT für Österreich und BE für Belgien. Es folgt die Nummer des Betriebs, wobei die beiden ersten Stellen das Bundesland, die dritte bis sechste Stelle den Betrieb und die siebte Stelle den jeweiligen Stall identifizieren. Immer mehr Betriebe drucken die Informationen auch auf die Verpackung oder stellen sie im Internet bereit. Dort können Verbraucher die aufgestempelte Kontrollnummer eintippen, um beispielsweise Fotos vom Legebetrieb zu sehen.

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Bei welchen Eiern greifen die Verbraucher zu?

Jeder Deutsche isst durchschnittlich 235 Eier pro Jahr. Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums kauften die Verbraucher 2013 zu rund 61 Prozent Eier aus Bodenhaltung, danach folgten mit 24 Prozent Produkte aus Freilandhaltung und mit 9 Prozent Eier aus ökologischer Erzeugung. Nur rund zwei Prozent der gekauften Eier stammte von Hühnern in Kleingruppenhaltung. Allerdings werden die meisten Eier in Fertigprodukten verarbeitet - und sie kommen oft aus Boden- und Kleingruppenhaltung.

Sind Bio-Eier gesünder?

Mit der Frage, ob Bio-Eier gesünder sind als Eier aus Bodenhaltung, hat sich 2017 ein Forschungsteam der Universität Hohenheim beschäftigt. Dabei kam heraus, dass Bio-Eier ein besseres Aroma und höhere Gehalte an Omega-3-Fettsäuren haben, weil die Hühner beim Picken auf der Wiese öfter Kamille oder andere Pflanzen mit ätherischen Ölen fressen. Das Eiklar von Bio-Eiern hat nach Auffassung der Wissenschaftler oft eine bessere Konsistenz, es ist fester und gallertiger. Allerdings ist der Dotter von Bio-Eiern kleiner, weil die Legehennen etwas weniger Nährstoffe bekommen, und seine Farbe ist weniger intensiv als bei Eiern aus Bodenhaltung. Das liegt den Forschern zufolge daran, dass im Bio-Landbau keine synthetischen Farbstoffe als Futterzusatzstoffe eingesetzt werden dürfen.

Ist Biohaltung grundsätzlich besser als Bodenhaltung?

Biohaltung heißt nicht, dass die Tiere nur in kleinen Gruppen leben. Laut EU-Öko-Verordnung dürfen bis zu 3.000 Tiere in einem Stall gehalten werden. Dies wird in der Praxis oft umgangen, indem mehrere Herden mit jeweils 3.000 Tiere abgegrenzt durch Trennwände in einem Stall untergebracht werden. Denn auch Bio-Produzenten müssen Profit machen, und das geht leichter mit großen Anlagen. Bio-Hühner sind nicht unbedingt glücklicher - Tierschützer betonen aber, dass Hühner in Biohaltung Platz zum Picken und Scharren haben und dies ein wichtiger Indikator für Tierwohl sei. Wer Biohühner hält und Eier aus ökologischer Erzeugung verkauft, muss zudem eine Vielzahl besonderer Auflagen erfüllen. Die Tiere müssen zum Beispiel grundsätzlich mit ökologischem Futter gefüttert werden. Der Einsatz von Gentechnik im Tierfutter ist verboten. Bei der Behandlung der Hennen im Krankheitsfall sind Naturheilmittel und homöopathische Arzneien zu bevorzugen.

In konventioneller Bodenhaltung werden bis zu 6.000 Tiere in einem Stall gehalten, verteilt auf mehrere Etagen. Für die Tiere bedeutet dies oftmals Stress, der sich auch in Verhaltensstörungen wie Kannibalismus und Federpicken äußern kann. Kritiker bemängeln, dass es Hennen in Bodenhaltung an Beschäftung mangelt, da sie keinen Grünauslauf haben. Verhaltensweisen wie Futtersuche, Scharren, Kratzen und Picken könnten in einer solchen Haltung nur bedingt ausgeübt werden. Auch das Erkrankungsrisiko ist in Großbetrieben höher. Antibiotika werden zwar nur eingesetzt, wenn Tiere im Stall erkrankt sind und der Veterinär dies empfiehlt. Standardmäßig muss dann aber allen Hühnern im Stall das Medikament prophylaktisch verabreicht werden.

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Was ist die Initiative Bruderhahn?

Mehr als 40 Millionen männliche Küken - sogenannte Eintagsküken - werden jedes Jahr direkt nach dem Schlüpfen geschreddert oder vergast, weil sie den Landwirten keinen Gewinn bringen. Hintergrund ist, dass für die Legehennenhaltung Hochleistungshennen gezüchtet werden, die auf Eierlegen spezialisiert sind. Die sogenannten Bruderküken sind den Hähnchen aus der Hühnermast unterlegen, denn die Tiere setzen nur wenig und sehr langsam Fleisch an. Um dem Sterben der männlichen Küken ein Ende zu setzen, gründeten einige Bio-Landwirte die Initiative Bruderhahn. Ein halbes Jahr lang ziehen die beteiligten Betriebe die Bruderhähne auf, bevor sie geschlachtet und zu Bio-Fertiggerichten verarbeitet werden. Allerdings ist die Aufzucht, Fütterung und Verarbeitung der Bruderhähne teurer als bei einem konventionellen Masthähnchen, das nur etwa einen Monat lebt. Daher kostet ein Ei aus der Initiative vier Cent mehr als ein herkömmliches Produkt. Inzwischen bieten einige Bio- und auch konventionelle Supermärkte und Discounter Eier von Betrieben an, bei denen die männlichen Küken nicht geschreddert werden.

Um das Problem der Bruderküken zu lösen, wollen die Bio-Verbände Bioland und Demeter eine neue Hühnerrasse züchten: Das Zweitnutzungshuhn - ein Huhn, dass sowohl aufs Eierlegen als auch für die Mast gezüchtet wird.

Dieses Thema im Programm:

tagesschau24 | 20.02.2018 | 09:20 Uhr

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