Stand: 03.06.2019 09:49 Uhr  | Archiv

Handwerker-Rechnung: Was ist zulässig?

Handwerker kniet vor einem Waschbecken und macht sich Notizen. © Fotolia.com Foto: apops
Nicht immer rechnen Handwerker ihre Leistungen richtig ab.

Streikt der Geschirrspüler oder ist ein Abfluss verstopft, rufen viele einen Handwerker zur Hilfe. Die meisten machen einen guten Job und rechnen korrekt ab. Doch einige schwarze Schafe nutzen die Situation aus und verlangen viel Geld für wenig Arbeit. Nicht immer geht es dabei mit rechten Dingen zu. Für Verbraucherschützer sind überhöhte Handwerkerrechnungen ein Dauerthema. Die Verbraucherzentrale Hamburg gibt Tipps, wie Sie Fehler in der Rechnung erkennen.

  • Kostenvoranschlag: Verbraucher sollten sich vom Handwerker einen verbindlichen Kostenvoranschlag machen lassen. Die Rechnung darf davon maximal 15 bis 20 Prozent abweichen. Der Handwerker muss Abweichungen begründen.

  • Anfahrtskosten: Handwerker können für die Anfahrt eine Pauschale verlangen oder kilometergenau abrechnen. Entscheidend ist, was vorher vereinbart wurde. Bei kilometergenauer Abrechnung darf die tatsächlich gefahrene Strecke nicht überschritten werden.

  • Lohnkosten: Den Stundenlohn darf der Handwerker frei ansetzen. Er sollte aber nicht deutlich über dem üblichen Vergleichslohn liegen. Dessen Höhe können Sie zum Beispiel bei der Verbraucherzentrale erfragen. Vergleichen Sie am besten mehrere Angebote.

  • Arbeitszeit: Handwerker dürfen die Arbeitszeit nicht auf halbe oder volle Stunden aufrunden. Viele Betriebe rechnen inzwischen im Sechs-Minuten-Takt ab, also zum Beispiel 10 Euro pro angefangene sechs Minuten.

  • Mehrwertsteuer: Handwerker müssen immer Preise inklusive Mehrwertsteuer (19 Prozent) angeben. Oft nennen Betriebe am Telefon nur die sogenannten Nettopreise, die keine Mehrwertsteuer enthalten. Das ist jedoch im Geschäft mit Verbrauchern unzulässig. Kunden haben dann das Recht, nur den vereinbarten Betrag ohne Mehrwertsteuer zu bezahlen.

  • Ersatzteile: Handwerker dürfen Ersatzteile nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Kunden einbauen. Sie sollten den Kunden darüber informieren und erklären, warum das Ersatzteil nötig ist. Ohne Zustimmung kann der Kunde die Zahlung verweigern.

  • Unterschrift: Nach erledigter Arbeit legen viele Handwerker einen Stundenzettel oder die Rechnung zur Unterschrift vor. Prüfen Sie die Angaben genau. Falls Sie Unstimmigkeiten feststellen - auf keinen Fall unterschreiben! Denn mit Ihrer Unterschrift akzeptieren Sie falsche Angaben. Sie haben dann kaum noch Chancen, eine zu hohe Rechnung anzufechten.

  • Zahlung: Finden Sie auf der Rechnung falsche oder offensichtlich überhöhte Posten, zahlen Sie die Rechnungssumme abzüglich der strittigen Beträge. Informieren Sie den Handwerker schriftlich, warum Sie die Rechnung kürzen.

Muss man den Profi bezahlen, wenn tatsächlich der Praktikant die Leistung erbracht hat?

Wer den Profi bucht, aber den Praktikanten bekommt, muss nur den Praktikantenlohn zahlen. Denn der Handwerker muss eine Leistung mittlerer Art und Güte erbringen, gemessen an einem ausgebildeten Profi. Dazu ist ein Praktikant in der Regel nicht in der Lage.

Muss man Handwerker, die gepfuscht haben, nachbessern lassen?

Das Recht zur Nacherfüllung steht im Gesetz. Aber es gibt Grenzen, etwa wenn dem Kunden eine Nachbesserung nicht zumutbar ist. Das ist der Fall, wenn sich der Handwerker so unmöglich benommen hat, dass der Kunde ihn nicht mehr ins Haus lassen möchte.

Kann man Mängel auch von einem anderen Handwerker beseitigen lassen?   

Wenn Handwerker die Frist zur Nachbesserung verstreichen lassen oder wenn die Nachbesserung fehlschlägt, kann man zur sogenannten Selbstvornahme greifen und einen anderen Handwerksbetrieb beauftragen. Aber man sollte unbedingt vorher Beweise sichern, also Fotos machen und Zeugen hinzuzuziehen.

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Dieses Thema im Programm:

Markt | 03.06.2019 | 21:00 Uhr

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