Reisende warten in langen Schlangen und dicht gedrängt im Terminal eines Flughafens. © dpa-Bildfunk Foto: Frank Rumpenhorst

Fluggastrechte: Was tun bei Annullierung oder Verspätung?

Stand: 06.10.2022 14:10 Uhr

In der Urlaubszeit herrscht Hochbetrieb auf den Flughäfen. Doch oft sind Flüge verspätet oder fallen wie aktuell wegen eines Streiks aus. Welche Rechte haben Verbraucher? Wie erhalten sie Entschädigung?

Ob Streik, technische Probleme oder Überbuchung: Erster Ansprechpartner für Flugreisende ist bei individueller Buchung die Fluggesellschaft, bei Pauschalreisen der Reiseveranstalter. Auf ihren Internetseiten bieten die Airlines in der Regel Informationen über die aktuellen Abflug- und Ankunftszeiten.

Streik: Was sollten Fluggäste tun?

Ist ein Streik der Fluggesellschaft angekündigt, rät die Verbraucherzentrale Hamburg Fluggästen Folgendes:

  • Bei der Airline nachfragen, ob der gebuchte Flug betroffen ist. Ist das der Fall, nach einem alternativen Beförderungsangebot fragen.
  • Auf keinen Fall vorschnell selbst eine Bahnfahrkarte kaufen. Denn es ist nicht sicher, ob die Fluggesellschaft die Kosten dafür erstattet.
  • Teilt die Fluggesellschaft nichts Gegenteiliges mit, rechtzeitig am Flughafen sein, falls der Flug schneller als erwartet startet oder ein Ersatzflug angeboten wird.

Annullierung: Anspruch auf alternative Beförderung oder Erstattung

Eine Schlange wartender Passagiere auf dem Hamburger Flughafen
Bei längeren Wartezeiten müssen Airlines ihre Fluggäste versorgen.

Grundsätzlich gilt: Wird ein Flug annulliert, hat der Kunde Anspruch auf einen späteren Flug oder eine anderweitige Beförderung, etwa mit der Bahn. Alternativ kann der Fluggast vom Vertrag zurücktreten und eine Erstattung des Ticketpreises verlangen. Bei längeren Wartezeiten muss die Airline sogenannte Betreuungsleistungen erbringen. Dazu zählen Essen und Getränke und - falls notwendig - eine Übernachtung und der Transfer zum Hotel. Bei einer Pauschalreise ist der Reiseveranstalter in der Pflicht, Urlauber auf alternativen Wegen ans Ziel zu bringen.

Bei Verspätung Recht auf Entschädigung

Ist ein Flug überbucht, wird kurzfristig annulliert oder verspätet sich um mehr als drei Stunden, steht Passagieren laut EU-Fluggastrechteverordnung außerdem eine Entschädigung zu - je nach Flugdistanz sind das 250 bis 600 Euro. Das gilt für Flüge, die von Flughäfen in der EU starten sowie für Fluggesellschaften, die einen Sitz in der EU haben. Nicht zahlen müssen Airlines bei sogenannten außergewöhnlichen Umständen. Dazu zählen etwa Unwetter oder politische Instabilität.

Fluggäste können bei großer Verspätung auch dann eine Entschädigung fordern, wenn eine Reise aus mehreren Flügen besteht und diese von unterschiedlichen Gesellschaften durchgeführt wurde, so ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH). Danach müsse zwischen den Unternehmen keine besondere rechtliche Beziehung bestehen, solange ein Reisebüro die Flüge kombiniere, dafür einen Gesamtpreis in Rechnung stelle und ein einheitliches Ticket ausgebe.

Wie kommen Kunden an eine Entschädigung oder Erstattung?

Die Stiftung Warentest rät Verbrauchern, sich mit ihrer Forderung zunächst direkt an die Fluggesellschaft zu wenden. Das geht bei vielen Airlines einfach per Online-Formular auf deren Website. Alternativ können Betroffene die Flugärger-App der Verbraucherzentrale nutzen oder einen Musterbrief der Stiftung Warentest.

Dienstleister übernehmen Klage gegen Provision

Verweigert eine Fluggesellschaft die Entschädigungszahlung, muss der Verbraucher den Rechtsweg einschlagen. Wer keine Rechtsschutzversicherung hat, muss zunächst die Kosten übernehmen - ohne Gewissheit, ob die Klage erfolgreich ist. Unternehmen wie Claimflights, Flightright oder Fairplane nehmen Passagieren dieses Risiko ab. Sie bringen den Fall vor Gericht und kassieren bei Erfolg etwa zwischen 20 und 30 Prozent Provision. Verlieren sie das Verfahren, zahlt der Kunde nichts.

Schlichtungsstelle hilft im Streitfall mit Airlines

Außerdem gehören alle deutschen und viele internationale Flugunternehmen der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) an, die im Streitfall nach einer einvernehmlichen außergerichtlichen Lösung sucht. Das Schlichtungsverfahren ist für die Passagiere kostenfrei. Einen kostenlosen Musterbeschwerde-Brief bietet das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland an. Weitere Informationen zum Thema finden sich auch beim Luftfahrt-Bundesamt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 05.10.2022 | 10:00 Uhr

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