Stand: 14.01.2018 12:00 Uhr

Fleur de Sel: Plastik in Meersalz nachgewiesen

von Susan Penack
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In einer Stichprobe von Markt enthielt Fleur de Sel mehr Plastik als herkömmliches Meersalz.

Fleur de Sel gilt bei vielen Verbrauchern als besonders wertvoll und lecker. Es entsteht als hauchdünne Salzschicht an der Wasseroberfläche und wird in der Regel in Handarbeit mit einer Holzschaufel abgeschöpft. Dagegen wird herkömmliches Meersalz vom Boden eines Salzbeckens gewonnen.

Doch offenbar steckt gerade in Fleur de Sel häufig Mikroplastik. In einer Stichprobe hat Markt fünf der meistverkauften Sorten Fleur de Sel aus Supermärkten und Feinkostläden im Labor auf Rückstände von Kunststoffen untersuchen lassen (Preis pro 100 Gramm):

  • Rewe feine Welt für 2,84 Euro
  • Aquasale für 3,19 Euro
  • Fleur de Sel aus der Camargue für 3,19 Euro
  • Fleur de Ibiza für 4,33 Euro in der Tüte und 8,33 Euro im Keramiktopf
  • Le Paludier de Guérande für 6,32 Euro

Zum Vergleich wurde herkömmliches Meersalz von Aldi, Edeka, Aquasale und Alnatura analysiert.

Müll im Wasser

Fleur de Sel: Plastik in Meersalz nachgewiesen

Markt -

Im hochwertigen Meersalz Fleur de Sel steckt offenbar häufig Mikroplastik. In einer Stichprobe von Markt wurde in allen fünf untersuchten Sorten Kunststoff nachgewiesen.

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Mehr Plastik in Fleur de Sel als in klassischem Meersalz

Im Fleur de Sel lag der Gehalt an Mikroplastik zwischen rund 130 und 1800 Mikrogramm pro Kilogramm. In einem Fall war sogar mit bloßem Auge eine Kunststoff-Faser erkennbar. Bei den nachgewiesenen Kunststoffarten handelte es sich vor allem um Polyethylen (PE), Polypropylen (PP) und Polyethylenterephthalat (PET). Diese Kunststoffe sind ein typischer Bestandteil von Verpackungsmüll. Sie werden häufig in Meerwasser nachgewiesen. Das klassische Meersalz enthielt in der Stichprobe deutlich weniger Mikroplastik als das teurere Fleur de Sel.

Kunststoffgehalt in Salz (in Mikrogramm pro Kilogramm)
ProduktKunststoffgehalt
Aquasale Fleur de Sel1796
Fleur de Sel de Camargue582
Fleur de Sel de Guérande469
Fleur de Ibiza424
Fleur de Sel Rewe feine Welt138
Aldi Lemar Meersalz59
Aquasale Meersalz47,7
Lidl Gut & Günstig Meersalz37,5
Alnatura Meersalz14

Unterschiede bei der Salzgewinnung

Im Auftrag von Markt haben Wissenschaftler am Institut für Biologie und Chemie des Meeres an der Universität Oldenburg die Salzproben untersucht. Das Verfahren wurde neu entwickelt. Einen Grund für die unterschiedlichen Plastikgehalte in Fleur de Sel und klassischem Meersalz sehen die Wissenschaftler in der Salzgewinnung.

Toxikologe: "Vehikel für DDT, Dioxin und Schwermetalle"

Einen gesetzlichen Grenzwert für den Gehalt an Mikroplastik gibt es weder auf deutscher noch auf europäischer Ebene. Die in der Stichprobe gefundenen Mengen an Mikroplastik gelten zwar für Menschen als unbedenklich. Dennoch warnen Experten vor langfristigen Folgen.

Nach Angaben von Prof. Dr. Edmund Maser vom Institut für Toxikologie und Pharmakologie der Universität Kiel müsse man davon ausgehen, dass Mikroplastik als ein Vehikel für den Transport von Schadstoffen in den menschlichen Körper funktioniert. Das bedeutet: "Mikroplastik kann organische Substanzen wie DDT, Dioxin, aber auch Schwermetalle anreichern und die Freisetzung dieser Stoffe im Körper beschleunigen", so Maser.

Mikroplastik verschmutzt die Meere

Wissenschaftler führen Mikroplastik in Lebensmitteln auf die Verschmutzung der Meere zurück. Dr. Barbara Scholz-Böttcher vom Institut für Chemie und Biologie des Meeres der Universität Oldenburg sagt dazu: "Plastik im Salz ist eine Konsequenz aus der jahrzehntelangen, leichtfertigen Entsorgung von Kunststoff. Insgesamt hält diese Entwicklung der Gesellschaft den Spiegel vor. Der Plastikmüll landet in einem sehr hochwertigen Produkt jetzt wieder auf dem Essteller."

Jedes Jahr landet tonnenweise Plastikmüll im Meer: Das Umweltbundesamt geht von knapp sechs Millionen Tonnen aus, die Umweltorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) von sieben Millionen - andere Organisationen sprechen von bis zu acht Millionen.

Hersteller: Geringe Mengen Mikroplastik unbedenklich

Die Hersteller der Salze äußerten sich unterschiedlich zu den Recherchen. Die meisten kennen das Problem, weisen aber auf eigene Qualitätskontrollen hin oder halten die gefundenen Mengen an Mikroplastik für gering oder ungefährlich. Bei einer geringen Salzaufnahme von einigen Gramm pro Tag seien die nachgewiesenen Mengen Mikroplastik unbedenklich.

Das schreiben die Hersteller beziehungsweise Händler:

  • Aquasale meint, die gefundenen Mengen an Mikroplastik müssten "in den Kontext einer Salzaufnahme von einigen Gramm pro Tag gesetzt werden".
  • Die Hersteller von Fleur de Sel Camargue und Guérande schreiben gleichlautend, diese spezielle Kategorie von Salz werde "nur für besondere Anlässe verwendet".
  • Sal de Ibiza verweist auf eigene, unauffällige Qualitätskontrollen.
  • Rewe antwortet gar nicht auf unsere Fragen.

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Dieses Thema im Programm:

Markt | 15.01.2018 | 20:15 Uhr

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