Ein Flutopfer in Nordrhein-Westfalen begutachtet den Wasserschaden in ihrem Mietshaus. © Picture-Alliance/ dpa / Markus Klümper

Elementarschaden-Versicherung: Schutz bei Überflutungen

Stand: 23.07.2021 14:23 Uhr

Wasserschäden durch Unwetter zahlt nur die Elementarschaden-Versicherung. In gefährdeten Gebieten ist die Police oft teuer und mit hoher Selbstbeteiligung. Was ist beim Abschluss zu beachten?

Werden bei Unwettern - wie der aktuellen Flutkatastrophe - Gebäude durch Regenwasser, Schmutzwasser aus der Kanalisation oder über die Ufer tretende Flüsse und Bäche überflutet, zahlt die Wohngebäude- oder Hausrat-Versicherung nicht für entstehende Schäden. Wer sich gegen Schäden durch sogenanntes Oberflächenwasser sowie Erdrutsche, Lawinen, Schneedruck oder Erdbeben absichern möchte, muss dafür eine zusätzliche Elementarschaden-Versicherung abschließen.

Klimawandel sorgt künftig für mehr Extremwetterlagen

Weil Extremwetter-Ereignisse durch den Klimawandel zunehmen und heftiger ausfallen könnten als bisher, ist diese Police im Versicherungsportfolio - besonders von Verbrauchern, die in gefährdeten Lagen wohnen - immer wichtiger, so Stiftung Warentest. Laut Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) sind derzeit allerdings nur 46 Prozent der Häuser gegen Hochwasser und Starkregen versichert. Wer keine Police hat, muss im Katastrophenfall auf Nothilfe durch Bund oder Land vertrauen. Doch erste Bundesländer - darunter Bayern - prüfen bei Zahlungen künftig, ob eine Elementarschaden-Versicherung für zerstörte Gebäude möglich gewesen wäre.

Policen in Überflutungsgebieten oft extrem teuer

Versicherer dürfen eine Elementarschaden-Versicherung ablehnen, wenn ihnen das Risiko zu hoch erscheint - etwa wenn ein Haus an einem Fluss steht, der regelmäßig über die Ufer tritt. Je nach Lage und Hochwasserhäufigkeit stufen die Versicherer Gebäude in Gefährdungsklassen von eins (geringes Risiko) bis vier (hohes Risiko) ein. Fällt eine Immobilie in Gefährdungsstufe vier, ist eine Police oft nur gegen Zahlung extrem hoher Versicherungsprämien und hoher Selbstbeteiligung im Schadensfall möglich. Oft ist es schwer, überhaupt einen Vertrag zu bekommen.

Kommt die Pflichtversicherung per Gesetz?

Verbraucherschützer und auch Politiker fordern mit Blick auf die aktuelle Flutkatastrophe deshalb, die sogenannte Allgefahrdeckung gesetzlich zu verankern. Das würde eine Elementarschaden-Versicherung für alle ermöglichen. Auch über eine Pflichtversicherung wird derzeit diskutiert. Die Versicherungswirtschaft lehnt entsprechende Vorstöße mit der Begründung ab, dass damit die Eigenverantwortung zur Vorsorge für Immobilienbesitzer entfalle.

Pflichten für Elementarschutz-Versicherte bei hohem Risiko

Haben Versicherte in gefährdeten Gebieten die Wohngebäude- oder Hausratversicherung um eine Elementarschutz-Versicherung erweitert, sind an die Zahlung im Schadensfall meist technische und bauliche Anforderungen geknüpft, die es zu erfüllen gilt, warnt die Verbraucherzentrale. Das sind unter anderem ...

... bei Ergänzung der Wohngebäude- und Hausratversicherung:

  • funktionstüchtige Rückschlagklappen in überflutungsgefährdeten Räumen
  • Fenster und Türen müssen geschlossen sein

... bei Ergänzung der Wohngebäudeversicherung:

  • Freihalten der Abflussrohre auf dem Grundstück
  • Wasser darf nicht durch bauliche Mängel eindringen

... bei Ergänzung der Hausratversicherung:

  • Lagerung von Hausrat in Kellerräumen mindestens zwölf Zentimeter über dem Fußboden

Werden diese Pflichten verletzt, können Versicherte im Schadensfall auf Kosten sitzen bleiben, weil sich die Versicherung weigert, zu zahlen.

Was tun im Schadensfall?

- Informieren Sie sofort Ihre Versicherung.
- Sprechen Sie mit der Versicherung, bevor Sie Schäden beseitigen.
- Versuchen Sie, den Schaden zu begrenzen, indem Sie etwa Gegenstände aus dem Wasser nehmen.
- Dokumentieren Sie die Schäden, machen Sie Fotos oder Videoaufnahmen.
- Erstellen Sie eine Liste der beschädigten Gegenstände.

Vertragsabschluss: Leistungen und Bedingungen prüfen

Wie bei allen Versicherungen gibt es auch bei der Elementarschaden-Versicherung erhebliche Preisunterschiede bei den Tarifen der Versicherer. Verbraucher sollten sich mehrere individuelle Abgebote einholen und neben dem Preis die Leistungen, Deckungssummen und Selbstbeteiligungen, ausgeschlossene Risiken sowie die Versicherungsbedingungen im Schadensfall genau vergleichen.

Notwendige bauliche Maßnahmen mit Versicherung abklären

Für von Überschwemmungen bedrohte Gebiete sollte man außerdem mit dem Versicherer genau klären, welche technischen und baulichen Standards erfüllt werden müssen, damit es im Schadensfall keine Zahlungsschwierigkeiten gibt. Das können neben den bereits genannten Pflichten für Versicherte Maßnahmen wie wasserdichte Fenster und Türen in Keller und Erdgeschoss, Kellerversiegelungen oder die Verlegung der Heizung in den ersten Stock sein.

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Hallo Niedersachsen | 21.07.2021 | 19:30 Uhr

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