Stand: 03.04.2020 16:38 Uhr

Corona-Krise: Wie hart ist die Arbeit als Erntehelfer?

Im Selbstversuch hat Markt Autor Uwe Leiterer schon auf Zucker und Fleisch und Plastik verzichtet. Jetzt zieht es Uwe aufs Feld: In der Corona-Krise unterstützt er die Landwirtschaft bei der Spargelernte. Über seine Erfahrungen als Erntehelfer berichtet Uwe im Video. Und wir klären Fragen für alle, die selbst mit anpacken wollen.

Erntehelfer decken Spargel auf einem Feld ab. © imago images Foto: Sven Simon
In der Landwirtschaft fehlen Erntehelfer, etwa zum Spargelstechen.

Durch die Corona-Krise fehlen den Landwirten in Deutschland rund 300.000 Arbeitskräfte: Bis zum 3. April war ausländischen Saisonarbeitern die Einreise verboten. Inzwischen dürfen sie zwar per Flugzeug zur Ernte nach Deutschland kommen, doch die 40.000 jeweils für die Monate April und Mai erwarteten Erntehelfer reichen nach Ansicht von Experten nicht aus. Die Landwirte sind zusätzlich auf heimische Aushilfskräfte angewiesen.

VIDEO: Spargelernte: Harte Arbeit auf dem Feld (3 Min)

In welchen Bereichen sind Erntehelfer gefragt?

Wer Bauern helfen will, kann sie bei der Ernte von Spargel oder Erdbeeren unterstützen oder aber Salat und Kartoffeln pflanzen. Auch im Vertrieb und beim Verkauf werden viele helfende Hände gebraucht, da die Fachkräfte aufs Feld müssen, damit es überhaupt etwas zu ernten gibt.

Wer kann Erntehelfer werden?

Im Prinzip kann jeder Erntehelfer werden, der Zeit und Lust hat und sich während der Corona-Krise nützlich machen will. Im Internet spricht die Bundesregierung gezielt Arbeitnehmer an, die im Moment freigestellt sind und nicht ihren Jobs nachgehen können, etwa in Hotels oder der Gastronomie. Auch Studenten werden aufgefordert zu helfen. Grundsätzlich richtet sich der Aufruf an alle, die mehrere Tage oder Wochen auf dem Feld arbeiten können.

Wer kann als Erntehelfer arbeiten?

Feldarbeit wird meist im Stehen oder gebückt ausgeübt. Die Dauerbelastung ist sehr anstrengend, vor allem bei der Spargelernte. Deshalb dürfen Erntehelfer keine körperlichen Gebrechen haben. Wer Probleme mit dem Rücken oder der Muskulatur hat, sollte die gut gemeinte Hilfe zumindest nicht für Feldarbeit anbieten. Landwirte suchen aber auch Helfer für körperlich leichtere Tätigkeiten, zum Beispiel im Verkauf oder beim Sortieren. Und wer einen Führerschein besitzt, kann sich auf eine Tätigkeit als Ausfahrer bewerben.

Wer darf nicht als Erntehelfer arbeiten?

Die Bundesregierung weist darauf hin, dass niemand als Erntehelfer arbeiten darf, der Anzeichen für eine Infektion mit dem Coronavirus zeigt oder in den vergangen 14 Tagen in einem Risikogebiet war.

Wie kann man sich als Erntehelfer bewerben?

Im Internet gibt es eine Vielzahl von Erntehelfer-Portalen, die von Verbänden, Kammern und Ministerien ins Leben gerufen wurden. Die meisten haben eine regionale Ausrichtung. Die Webseiten der Landesregierungen geben darüber Auskunft.

Auf der Plattform "Das Land hilft" des Bundeslandwirtschaftsministeriums haben sich Anfang April bereits rund 45.000 Helfer eingetragen. Interessierte können sich dort informieren, ihre Hilfe gezielt in bestimmten Regionen anbieten oder sich bei Landwirten bewerben.

Wie hoch ist der Verdienst als Erntehelfer?

Einen einheitlichen Stundenlohn für Hilfskräfte in der Landwirtschaft gibt es nicht. Wie viel ein Erntehelfer verdient, ist von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich. Die untere Grenze ist der Mindestlohn von 9,35 Euro pro Stunde. In vielen Betrieben gibt es allerdings Prämien für gutes und sauberes Arbeiten.

Kann man als Kurzarbeiter zusätzlich bei der Ernte helfen?

Wer aktuell in Kurzarbeit ist, darf das Geld als Erntehelfer dazuverdienen - allerdings nur so viel, bis das ursprüngliche volle Gehalt erreicht ist.

Wie melden sich Erntehelfer bei der Sozialversicherung an?

Für die meisten Erntehelfer ist die Anmeldung als kurzfristige Beschäftigung die beste Wahl. Denn Saisonarbeitskräfte dürfen laut Bundesministerium für Landwirtschaft bis zum 31. Oktober 2020 eine kurzfristige Beschäftigung für bis zu 115 Tage sozialversicherungsfrei ausüben. Bisher war das für bis zu 70 Tage möglich.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

Markt | 06.04.2020 | 20:15 Uhr

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