Stand: 13.10.2017 11:15 Uhr  | Archiv

Bier: Verwässertes Reinheitsgebot

Wasser, Hopfen, Hefe, Malz - viele Verbraucher glauben, dass das die einzigen Zutaten für deutsches Bier sind. Schließlich gibt es ja das Reinheitsgebot. Doch das ist um viele Ausnahmeregelungen erweitert worden. Markt erklärt, welche Hilfsmittel beim Bierbrauen erlaubt sind, obwohl auf dem Etikett steht: "Gebraut nach dem deutschen Reinheitsgebot".

Kunststoffgranulat macht das Bier länger haltbar

Fast alle Großbrauereien fügen dem Bier Plastik hinzu: Das Kunststoffgranulat Polyvinylpolypyrrolidon (PVPP) soll dafür sorgen, dass das Bier monatelang schön klar bleibt und bis zu anderthalb Jahre lang verkauft werden kann. Bier, das nicht mit PVPP stabilisiert wird, trübt dagegen nach etwa drei Monaten ein. Gesundheitsschädlich ist PVPP nach derzeitigem Wissensstand nicht. Da der Stoff bis auf technisch unvermeidbare Rückstände wieder aus dem Bier entfernt wird, muss er nicht auf der Flasche deklariert werden.

Der Deutsche Brauer-Bund betont, der Kunststoff werde zuverlässig aus dem Bier entfernt, sodass der Verbraucher ihn nicht aufnehme. Kritiker wie Bier-Sommelier Matthias Kopp vermuten aber, dass Reste von PVPP im Bier zurückbleiben.

Hilfsmittel für Geschmack und Farbe

Hopfen gibt dem Bier seinen bitteren Geschmack. Die meisten Brauereien verwenden für ihre Produktion Hopfenpellets. Das sind Hopfendolden, die geschreddert und gepresst wurden. Für das flüssige Hopfenextrakt werde hauptsächlich Hopfen genommen, der bei der Pellet-Produktion übrig bleibe, erklärt Bier-Sommelier Kopp. Geschmacklich gibt es keinen Unterschied - unter natürlichen Zutaten stellen sich viele Verbraucher allerdings etwas anderes vor.

Im Supermarkt findet man häufig auch dunkle Biere. Die wirken auf viele sehr traditionell, aber es gibt auch industrielle Tricks, um Biere einzufärben. So fügen einige Brauereien dem Bier Farbebier - also Röstmalzbier - hinzu. Das ist ein Bier-Konzentrat und besteht, so wie das herkömmliche Bier, aus Wasser, Hopfen, Malz und Hefe, muss also ebenfalls als Zutat nicht extra auf dem Etikett stehen.

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Dieses Thema im Programm:

Markt | 16.10.2017 | 20:15 Uhr

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