Alte Backwaren - was aus Brot und Brötchen vom Vortag wird

Stand: 12.11.2021 11:13 Uhr

Backwaren gehören zu den Lebensmitteln, die mit am häufigsten weggeworfen werden. Den überwiegenden Teil entsorgen Privathaushalte, aber auch Bäckereien produzieren im Überschuss - und Brot und Co enden so als Tierfutter.

von Annette Niemeyer

Rund 15 Prozent des Lebensmittelabfalls in Privathaushalten sind laut Bundesanstalt für Ernährung und Landwirtschaft Brot und Backwaren. Aber auch in vielen Bäckereien bleiben Tag für Tag große Mengen von Backwaren übrig. Diese sogenannten Retouren werden in der Bäckerei entweder wiederverwertet, der bei weitem größte Anteil der Produkte von gestern endet allerdings als Schweinefutter. Davon ausgenommen sind Artikel mit tierischen Fetten, wie Sahneteilchen oder Snacks mit Wurst. Diese dürfen laut Gesetz nicht an Tiere verfüttert werden und landen in Biogasanlagen.

Rund 600.000 Tonnen Backwaren-Retouren im Jahr

Die NDR Sendung Markt hat 70 Bäckereien in Norddeutschland gefragt, wie viel sie überproduzieren. Bei den 15, die an der Umfrage teilnahmen, lag die sogenannte Retourenquote zwischen neun und 20 Prozent. Bei einem niedersächsischen Bäcker mit rund 60 Filialen bedeutet das: Jeden Tag sind fast 13.000 Brötchen über, außerdem mehr als 700 Brote - und Tausende von Kuchen und Snacks. Laut Umweltschutzorganisation WWF beträgt die Menge an Retouren durch Bäckereien deutschlandweit etwa 600.000 Tonnen pro Jahr.

Überproduktion durch Vertragszwang und Kundenwunsch

Für die Bäckereien ist die Produktion von Überschuss ein Kostenfaktor, schließlich müssen Rohstoffe und Strom oder Heizöl für die Öfen bezahlt werden. Doch haben viele Bäcker die Erfahrung gemacht, dass sie Umsatz verlieren, wenn sie die Regale in den Filialen abends leer werden lassen. Kunden kaufen eher frische Ware. Frische wird durch volle Regale suggeriert. Haben die Bäckereien außerdem Verkaufsstellen in Supermärkten, drängen die Marktbetreiber oft dazu, bis Ladenschluss eine hohe Warenpräsenz zu garantieren.

Ressourcenverschwendung durch zu viel Brot und Brötchen

Manche Bäckereien kooperieren mit den Tafeln oder verkaufen die Ware vom Vortag zu günstigen Preisen. Schließlich nutzen einige Bäcker ihre Brote und Brötchen auch wieder zum Herstellen neuer Teige. Das ist mehr als nur Recycling: Durch das Altbrot kommt viel Aroma in den Teig und die Brote bleiben länger frisch.

Auch wenn sich die Bäcker bemühen, Retouren weiter zu verwerten: Umweltschützer sehen die Überproduktion kritisch. Schließlich wird viel Energie aufgewendet, um aus dem Getreidekorn ein Brötchen oder Brot zu backen. Wird die Ware dann nicht konsumiert, sind die Ressourcen zur Herstellung verschwendet. Auch die Wiederverwertung, zum Beispiel als Tierfutter, kostet zusätzliche Energie: Denn sehr häufig werden die Backwaren noch einmal erhitzt und getrocknet, ehe sie zu Futter weiterverarbeitet werden können.

Was können Verbraucher tun?

Der wichtigste Beitrag zu mehr Ressourcenschonung ist: Selbst so wenig wie möglich wegwerfen. Brot lässt sich zum Beispiel problemlos einfrieren.

Außerdem gibt es Organisationen, die sich für die Rettung von Lebensmitteln einsetzen:

  • Too Good To Go bringt Unternehmen wie Bäckereien, Restaurants oder Hotels, bei denen Lebensmittel übrig sind, mit hungrigen Menschen zusammen. Die App zeigt an, wo in der Gegend Lebensmittel darauf warten, gerettet zu werden und gegen einen deutlich reduzierten Preis abgeholt werden können.
  • Manche Bäckereien kooperieren mit den Lebensmittelrettern von Foodsharing. Die Initiative unterhält sogenannte "Fairteiler"-Stationen, bei denen übrig gebliebene Lebensmittel kostenlos abgeholt werden können.

Auch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung hat einige Tipps, wie gekauftes Brot zu Hause länger aufbewahrt und sinnvoll verbraucht werden kann. So können altes Brot und Brötchen zu Semmelbröseln verarbeitet oder in Suppen weiterverwendet werden. Ein abgelaufenes Mindesthaltbarkeitsdatum muss ebenfalls nicht zwangsläufig dazu führen, ältere Backwaren einfach zu entsorgen, Der Rat der Bundesanstalt: "Backwaren, die gut aussehen, riechen und schmecken, sind meist auch noch gut."

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Dieses Thema im Programm:

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