Stand: 06.07.2016 14:38 Uhr  | Archiv

Was tun mit Pflanzen bei Starkregen und Sturm?

von Helge Masch

Gewitter und immer wieder Starkregen: Im Norden war der Start in den Sommer eher feucht. Mit dem vielen Wasser in kurzer Zeit kommen nicht alle Pflanzen problemlos klar. Vor allem viele Blüten vertragen den Regen nicht gut. Oft kann der Boden die Wassermassen nicht schnell genug aufnehmen. Daher sollte man den Wasserabzug prüfen und sicherstellen, dass die Bedingungen für die Pflanzen optimal sind.

Maßnahmen gegen verdichteten Gartenboden

Eine dreizackige Gartenkralle mit einem langen Stiel wird zur Gartenarbeit benutzt. © fotolia.com Foto: lantapix
Nach starkem Regen sollte der Boden, wenn er wieder trocken ist, mit einem Kultivator gelockert werden.

Prasselnde Regentropfen verdichten den Boden und sorgen dafür, dass das Wasser nicht mehr versickert, Pfützen entstehen. An Hängen wird der humose Oberboden oft weggespült. Um das zu verhindern, sollte man den Gartenboden vor dem nächsten Regen - aber möglichst erst, wenn der Boden von Wind und Sonne etwas abgetrocknet ist - mit einer Schuffel (Stieger) oder einem Kultivator (Kralle, Grubber) lockern. So trocknet er schneller ab und der für die Wurzeln wichtige Luftaustausch kann wieder stattfinden. Wer vorsorgen möchte, kann vor dem nächsten Starkregen Sand in den Boden einarbeiten. Dieser verhindert eine oberflächliche Verdichtung.

Staunässe durch verdichteten Boden

Verdichteter Boden entsteht häufig durch Bautätigkeit im Garten, wenn mit schwerem Gerät Material für einen Umbau herangeschafft wird. Nach Beendigung der Arbeiten wird häufig nur Kompost aufgeschüttet und neu gepflanzt. Die verdichtete Schicht verbleibt darunter. Bei starkem Regen verhindert diese dann das Eindringen des Wassers in die Tiefe. Das stehende Wasser lässt die Wurzeln verfaulen. In der Folge vertrocknen die Pflanzen.

Aufwendige Lösung: Schächte sorgen für Wasserabzug

Eine Lösung ist häufig aufwendig. Die verdichtete Erdschicht muss durchbrochen werden. Dafür 40 Mal 40 Zentimeter große Löcher in den Beeten graben, in denen oft das Wasser steht. Die Tiefe richtet sich nach dem verdichteten Horizont. Der Schacht wird dann mit grobem Sand oder Kies aufgefüllt und sorgt so wieder für einen Wasserabzug. Die Anzahl der Schächte richtet sich nach der Stärke des Problems.

Wenn die Stiele abknicken

Bei einigen Pflanzen sind die Stängel nicht ausreichend elastisch und brechen bei Regen und Hagel ab. Abgeknickte Stängel oder Zweige sollten mit einer scharfen Gartenschere oder Säge entfernt werden, um weitere Schäden durch Ausreißen zu verhindern. Auch bei bereits angebrochenen Pflanzenteilen sollten die Bruchstellen nachgeschnitten werden - besonders bei Bäumen und Sträuchern, aber auch bei Stauden.

Pflanzen, die mit sehr viel stickstoffhaltigem Dünger versorgt wurden, wachsen sehr stark und brechen dadurch leicht ab. Tipp: Die Düngergabe im nächsten Jahr reduzieren beziehungsweise genauer dosieren. Einige Pflanzen wie Rittersporn neigen auch bei normaler Düngung dazu, schnell abzubrechen. Für sie gibt es im Handel Pflanzenstützen aus Kunststoff, Bambus oder Eisen.

Standsicherheit von Bäumen überprüfen

Bei Bäumen ist eine Prüfung der Standsicherheit nach Sturm und Starkregen wichtig. Es kommt vor, dass die Wurzeln der Bäume im durchweichten Boden keinen Halt mehr finden und der Baum kippt. Dies kann auch noch Stunden nach dem Unwetter geschehen.

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Wenn möglich, sollte man vor dem Unwetter einige Vorsichtsmaßnahmen treffen und kleine Gefäße und solche, die leicht umkippen, unterstellen. Ist dies nicht möglich, die Töpfe hinlegen und insbesondere runde Töpfe gegen Wegrollen sichern. Bei großen und schweren Gefäßen die Untersetzer entfernen oder umdrehen, damit das Wasser ablaufen kann. Um den Wasserabfluss aus dem Gefäß zu erleichtern, Kübel auf flache Leisten stellen.

Zur Belüftung Löcher in den Rasen stechen

Für Rasen gibt es im Handel spezielle Lüfter, die nach Starkregen eingesetzt werden können. Auf kleinen Flächen reicht es, wenn man sich diese - vereinfacht gesagt - Nagelbretter unter die Schuhe schnallt und über den Rasen läuft. Die Nägel stechen Löcher in den Rasen und lassen die Wurzeln wieder atmen. Für große Flächen gibt es auch Walzen mit Nägeln. Wer kein weiteres Gerät kaufen möchte, kann auch mit einer Grabegabel oder Forke Löcher in den Rasen piksen. Der Fachbegriff für diese Tätigkeit ist aerifizieren.

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