Stand: 09.11.2016 13:14 Uhr

Tropische Pflanzen auf der Fensterbank ziehen

von Helge Masch

Auch im Herbst und Winter ist Pflanzzeit. Viele tropische Samen, Knollen und Stecklinge warten nur darauf, zum Leben erweckt zu werden. Es sind nur wenige Hilfsmittel nötig, um in der Wohnung einen tropischen Garten wachsen zu lassen.

Avocado, Ananas und Co: Exotische Pflanzen züchten

Tropengewächshaus aus PET-Flasche basteln

Pro Pflanzenart benötigt man ein Set aus einem Blumentopf mit Untersetzer oder Übertopf, torffreie Blumenerde und eine lichtdurchlässige PET-Flasche. Der Durchmesser des Blumentopfes sollte nur wenig größer sein als der der PET-Flasche. Den Boden der Flasche abschneiden und die Flasche in den Blumentopf stellen - fertig ist das kleine Tropengewächshaus. Es sollte direkt auf einem Heizkörper oder auf einem Boden mit Fußbodenheizung aufgestellt werden. Auf einer kalten Fensterbank schützt ein Korkuntersetzer vor Kälte.

Die Aussaat von Melone, Papaya und Co

In vielen Früchten befinden sich Samen, die ausgesät werden können. Sogar Andenbeeren und Kürbisgewächse wie Melonen, Kürbis und Kiwano kann man zum Keimen bringen. Achtung: Die Saat tropischer Pflanzen beginnt, anders als bei heimischen Früchten, sofort mit der Keimung. Das Fruchtfleisch muss zuvor immer gründlich entfernt werden, um Fäulnis zu verhindern. Am besten geht das mit warmem Wasser.

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Aus den getrockneten Samen der Kaktusfeige lässt sich leicht eine Pflanze ziehen.

Die vielen Samen der Drachenfrucht treiben besonders gut aus und auch die Kaktusfeige zeigt passable Ergebnisse. Besonders beliebt sind Zitrusfrüchte, Chili, Dattelpalme und Papaya. Die Samen keimen zuverlässig und die Pflanzen lassen sich über viele Jahre im Zimmer - im Sommer auch im Freien (ausgenommen Papaya) - halten. Aus den Samen der Maracuja, Granadilla und Kiwi entwickeln sich sehr kleinwüchsige Kletterpflanzen.

Avocado- und Mangokerne pflanzen

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Für eine Avocadopflanze einfach den Kern in Erde pflanzen oder in Wasser keimen lassen.

Die großen Samen der Avocado können entweder im Wasserglas keimen oder direkt in die Blumenerde gepflanzt werden. Dazu das Saatkorn mit der breiten Seite in das Substrat drücken, etwa ein Drittel bis die Hälfte sollte noch herausgucken. Schwieriger ist die Aussaat von Mangokernen. In der freien Natur werden die Kerne von Tieren dazu vorverdaut. Um einen unverdauten Mangokern zur Keimung zu bringen, muss der Kern vorsichtig geöffnet werden, etwa mit einer Wasserpumpenzange - ohne den Embryo zu beschädigen. Dieser wird entnommen und in das Substrat gedrückt. Er besitzt eine kleine "Nase", die nach dem Einpflanzen noch herausschauen sollte. Regelmäßiges Gießen und ein Standort mit 22 bis 25 Grad sind notwendig.

Ein Aussaat-Versuch mit allen anderen Pflanzen macht viel Spaß und funktioniert wie folgt: Die tropischen Saatkörner werden vom Fruchtfleisch befreit und auf ein torffreies Substrat gestreut. Mit einem Sieb wird Substrat in der Stärke des Saatkornes übergesiebt. Aus einer PET-Flasche wird - wie oben beschrieben - ein kleines Gewächshaus gebastelt und über die Aussaat gestellt. Dieser "Gewächshaustopf" wird an einem hellen und warmen Ort aufgestellt. Zwei bis acht Wochen dauert die Keimung.

Pflanzen aus Stecklingen ziehen

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Zum Vermehren einer Ananas wird aus der Frucht ein Steckling hergestellt.

Bei der Ananas stecken die braunen Samen in jeder Wabe. Die Ernte ist mühsam und die Keimung nicht immer erfolgversprechend. Einfacher ist es, den Schopf der Ananas-Frucht als Steckling zu verwenden. Beim Kaufen sollte man darauf achten, dass die Blätter am Schopf noch alle vorhanden und fest verwachsen sind. Lassen sich die Blätter leicht lösen, ist die Frucht lecker reif, aber der Schopf wächst nicht an.

Den Schopf von der Frucht und dann die unteren Blätter entfernen, sodass etwa fünf Millimeter vom Stängel sichtbar werden. Den Schopf in ein mit Wasser gefülltes Glas stellen. Die Schnittstelle sollte auf dem Wasser stehen und verdunstetes Wasser nachgefüllt werden. Innerhalb von vier bis sechs Wochen bilden sich Wurzeln, dann kann der Ananasschopf in torffreie Blumenerde gesetzt werden.

Ingwer und Topinambur zum Keimen bringen

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Ingwerknollen eignen sich gut zum Auskeimen. Dazu die Knolle liegend bis zur Hälfte in torffreie Blumenerde drücken, angießen und den Topf an einem hellen und warmen Ort aufstellen. Aus der Süßkartoffelknolle lassen sich ebenfalls leicht dekorative Pflanzen ziehen. Die Knolle mit der Spitze nach unten in ein hohes Glas stellen und zu einem Drittel mit Wasser füllen. Nach etwa fünf Wochen zeigen sich Triebe mit Wurzeln, die abgetrennt und eingetopft werden können. Auch das Einpflanzen einer ganzen Knolle direkt in torffreie Blumenerde ist möglich.

Ein weiteres gut wachsendes Gemüse ist Topinambur. Eine Vorkultur ist ab April möglich, aber eigentlich nicht notwendig. Die Knollen können einfach im Mai in frische, gut gedüngte Gartenerde eingepflanzt werden. Diese Pflanzen breiten sich allerdings leicht sehr großflächig aus. Auch Frost gebietet der Pflanze keinen Einhalt. Eine Wurzelsperre, bestehend aus einem aufgeschnittenen Kübel, ist deshalb empfehlenswert.

Weiterkultur der tropischen Pflanzen

Bei der Weiterkultur der Pflanzen muss das Heimatklima der Pflanze beachtet werden. Kiwi-Pflanzen lassen sich gut ganzjährig - an Rankgestellen oder Hauswänden - im Freien kultivieren. Auch die einjährigen Andenbeeren, Chilis und Paprika tragen in warmen Sommern viele Früchte, wenn sie auf der Terrasse, dem Balkon oder im Garten wachsen. Die Knollen von Süßkartoffel und Topinambur, Melone, Kürbis und Kiwano entwickeln sich im Freien prima. Drachenfrucht, Mango, Avocado, Ananas und Papaya brauchen Zimmertemperatur und viel Licht.

Alle Töpfe oder Kübel mit Zitruspflanzen, "Weihnachts-Kiefern", Maracuja und Dattelpalmen können den Sommer im Freien verbringen. Sobald die Temperaturen nachts anhaltend unter zehn Grad sinken, müssen diese Pflanzen wieder nach drinnen, in einen beheizten und hellen Raum.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Garten | 08.11.2016 | 20:00 Uhr

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