Stand: 10.06.2017 07:17 Uhr  | Archiv

Nitratbelastung könnte Trinkwasser verteuern

von Claudia Plaß
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Für sauberes Trinkwasser muss der Verbraucher demnächst wohl tiefer in die Tasche greifen.

Auf Verbraucher in Niedersachsen, aber auch in vielen anderen Regionen Deutschlands, könnte bald eine höhere Trinkwasserrechnung zukommen. Eine vierköpfige Familie müsste nach einer neuen Studie des Umweltbundesamtes bis zu 134 Euro mehr im Jahr zahlen. Das entspricht einer Steigerung um bis zu 45 Prozent. Grund für die Zusatzkosten sei die hohe Nitratbelastung des Grundwassers, verursacht durch die industrielle Landwirtschaft.  

Mehr Anstrengungen für sauberes Trinkwasser werden nötig

Einige Wasserversorger würden jetzt schon viel Geld investieren, um für sauberes Trinkwasser zu sorgen, sagte Jörg Rechenberg, Fachgebietsleiter in der Abteilung Wasser und Boden beim Umweltbundesamt. Beispielsweise würden Brunnen in weniger belastete Gebiete verlagert oder Prämien an Landwirte gezahlt, die ihre Pflanzen gewässerschonend anbauen. All das sei bereits Teil des Trinkwasserpreises für Verbraucher. Bislang würde Wasser allerdings nicht extra aufbereitet, um das Nitrat zu entfernen. "Das würde die hohen Zusatzkosten bedeuten", meinte Rechenberg. Und zwar dann, wenn die jetzigen Anstrengungen nicht ausreichten. "Die Signale aus der Wasserwirtschaft sind schon, dass sie sich Sorgen machen."

Wasseraufbereitung könnte bundesweit 800 Millionen Euro kosten

Die Gesamtkosten für die Wasseraufbereitung können laut Umweltbundesamt auf nahezu 800 Millionen Euro im Jahr steigen. Besonders in Gebieten mit landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen sei die Nitratbelastung des Grundwassers hoch: in Regionen mit vielen Tieren auf engem Raum, aber auch im Obst- und Gemüse-Anbau. Dort werde zu viel Gülle, Mist und Mineraldünger auf die Felder gebracht. Dabei gelangt Stickstoff in Form von Nitrat ins Grundwasser. "Wenn nicht gegengesteuert wird, dann muss der Trinkwasserkunde dafür bezahlen, dass in der Landwirtschaftspolitik zu wenig passiert", sagte Rechenberg. Das wollten er und seine Kollegen mit der Studie deutlich machen.

Strengeres Düngerecht soll Nitratbelastung reduzieren helfen

In mehr als 27 Prozent der Grundwasservorkommen werde der geltende EU-Grenzwert überschritten. Um gegenzusteuern, haben sich Bund und Länder im Frühjahr auf ein strengeres Düngerecht geeinigt. Landwirte müssen unter anderem genau nachweisen, wie viel Gülle und Mist sie auf ihre Felder aufbringen. Das Bundeslandwirtschaftsministerium wollte die Studie des Umweltbundesamts nicht kommentieren. Man kenne sie nicht, hieß es. In einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber NDR Info heißt es wörtlich: "Mit dem Düngegesetz und der Novelle der Düngeverordnung wurde ein Paket geschnürt, das der Landwirtschaft ein ökonomisch tragfähiges und zugleich Ressourcen schonendes Wirtschaften ermöglicht. Die in der Düngeverordnung vorgesehenen Maßnahmen werden einen wesentlichen Beitrag zur Reduzierung der Nitratbelastung des Grundwassers leisten."

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Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer will die Überdüngung stoppen.
Nordwesten von Niedersachsen ist besonders stark belastet

Zu den besonders belasteten Gebieten gehört der Nordwesten Niedersachsens. Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) sagte, die neue Düngeverordnung sei ein Schritt in die richtige Richtung. In seinem Bundesland würden Wasserversorger schon jetzt Alarmzustände melden: "Die Zahlen bestätigen unsere Anstrengungen, dass wir nicht nur aus Gründen des Umweltschutzes, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen zum Schutz der Verbraucher die massive Überdüngung stoppen müssen", erklärte Meyer. Um zu vermeiden, dass Verbraucher künftig für die teure Wasseraufbereitung viel Geld bezahlen müssten, fordert das Umweltbundesamt, die neuen Regeln für die Landwirtschaft konsequent umzusetzen und streng zu kontrollieren.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 10.06.2017 | 09:40 Uhr

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