Schleswig-Holstein sagt Impftermine mit AstraZeneca-Impfstoff ab

Stand: 16.03.2021 12:25 Uhr

Die Corona-Impfungen mit dem Impfstoff des Konzerns AstraZeneca werden in ganz Deutschland vorsorglich ausgesetzt. Somit sind alle AstraZeneca-Impfungen in Schleswig-Holstein ab sofort gestoppt.

Die Bundesregierung folge damit einer aktuellen Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts, sagte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums. Über weitere Schritte wird das Gesundheitsministerium informieren, sobald weitere Informationen vorliegen, hieß es. Gebuchte Impftermine mit mRNA-Impfstoffen (Biontech und Moderna) sind nicht betroffen.

Wie geht es weiter?

Zunächst werden in Schleswig-Holstein sowohl die Erst- als auch die Zweitimpfungen mit dem AstraZeneca-Impfstoff für die kommenden vier Tage, also bis einschließlich Freitag, 19. März, abgesagt. Alle Betroffenen sollten noch am Montag per E-Mail darüber informiert werden. Alle Impfzentren wurden vom Land in Kenntnis gesetzt. Dort beschränkt sich die Arbeit laut Kassenärztlicher Vereinigung jetzt auf den Nachmittag, da vormittags immer AstraZeneca verimpft worden sei. Laut Robert-Koch-Institut wurden in Schleswig-Holstein bisher insgesamt rund 62.000 Dosen AstraZeneca verimpft.

Krankenhausgesellschaft: Klinikmitarbeiter "hängen nun in der Luft"

Nach Angaben der Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein (KGSH) sind bislang zwischen 12.000 und 15.000 Menschen in den Kliniken im Land mit Biontech oder Moderna geimpft worden. Eine etwa gleich große Menge sei mit AstraZeneca geimpft worden. Sie warten laut KGSH auf ihre Zweitimpfung und "hängen nun in der Luft".

Spahn: "Reine Vorsichtsmaßnahme"

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte die vorläufige Aussetzung von AstraZeneca-Impfungen als "reine Vorsichtsmaßnahme" bezeichnet. Vorausgegangen waren neue Meldungen von Thrombosen der Hirnvenen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung. "Es ist sehr selten aufgetreten", sagt Spahn. Bislang gebe es sieben berichtete Fälle, die im Zusammenhang mit einer Venenthrombose stehen könnten, bei mittlerweile über 1,6 Millionen Impfungen in Deutschland. "Uns allen ist die Tragweite dieser Entscheidung sehr bewusst", fügte Spahn hinzu. AstraZeneca hat die Vorwürfe zurückgewiesen und erklärt, kein erhöhtes Risiko von Blutgerinnseln in Zusammenhang mit dem Mittel zu sehen.

Jan Rupp, der Klinikdirekter für Infektiologie am UKSH-Standort in Lübeck, hält den vorübergehenden Impfstopp für sinnvoll, um zu schauen, "wie sind die Fälle zustande gekommen, um die Akzeptanz hoch zu halten, weil wir diesen Impfstoff brauchen".

Garg: "Sicherheit geht vor"

Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP), erklärte dazu: "Wir halten uns in Schleswig-Holstein - wie schon in der vergangenen Woche angekündigt - strikt daran, was die zuständigen europäischen und die nationalen Behörden empfehlen, und zwar bei allen Impfstoffen." Nach der Mitteilung des Bundes werde nun die Europäische Arzneimittelbehörde EMA entscheiden, welche Auswirkungen die aktuellen Erkenntnisse auf die Zulassung des Impfstoffes habe. "Dies müssen wir nun abwarten, Sicherheit geht vor", so Garg.

Grüne fordern Impfgipfel

Die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, Marret Bohn nannte die Entscheidung "nachvollziehbar", gleichzeitig bedeute dies einen herben Rückschlag für die Impfquote, so die Politikerin. Bohn forderte die Bundesregierung auf, schnellstmöglich einen Impfgipfel einzuberufen und mit den Ländern darüber zu beraten, wie die Produktion des Biontec-Impfstoffes erhöht werden könne.

Der gesundheitspolitische Sprecher der FDP, Dennys Bornhöft ist der Meinung, dass Imageschaden und Vertrauensverlust immens seien, selbst wenn der AstraZeneca-Impfstoff zeitnah wieder freigegeben werde.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 15.03.2021 | 17:00 Uhr

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