Lübeck befürchtet Shopping-Ansturm von Hamburgern

Stand: 05.03.2021 17:10 Uhr

Von kommender Woche an ist Shoppen in Schleswig-Holstein wieder möglich. Lübecks Bürgermeister ist skeptisch. Er befürchtet, dass viele Hamburger und Menschen aus Nachbarkreisen in die Stadt kommen.

Lübeck hat - ohne Frage - eine attraktive Innenstadt. Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) sieht die Gefahr, dass viele Hamburger ab Montag in der Stadt einkaufen wollen, denn in Hamburg werden die Geschäfte ja nicht öffnen. "Hier kann schnell eine Sogwirkung entstehen, die große Gefahren auch der erneuten Ansteckung und einer neuen Welle auslöst", sagte der Bürgermeister NDR Schleswig-Holstein. Man habe sich lange angestrengt, die hohen Coronazahlen in Lübeck zu senken. Mit der Öffnung des Einzelhandels könnte es auch wieder in die andere Richtung gehen.

Lübecker Region als Ausflugsziel?

Zwei Fähren fahren an einander vorbei in Travemünde bei strahlender Sonne. © Ulrike Barz Foto: Ulrike Barz
Ausflug an die Küste kombiniert mit Shopping in Lübeck? Das könnte viele Besucher anziehen.

Auch die Küstenorte entlang der Lübecker Bucht sind als Ausflugsziel beliebt. Dies dann mit einem Einkaufsbummel in Lübeck zu kombinieren, könnte für viele reizvoll sein - so die Befürchtung. Sprecher der benachbarten Kreise Herzogtum Lauenburg und Ostholstein appellierten an die Bürger, veranwortungsvoll mit der Situation umzugehen. Und auch Hamburgs erster Bürgermeister Peter Tschentscher hat seine Hamburger vorsichtshalber dazu aufgerufen, von Shoppingausflügen ins Umland abzusehen.

Lange in Flensburg: Bitte kein Einkaufstourismus

In Flensburg forderte Oberbürgermeisterin Simone Lange (SPD) die Flensburger auf, nicht zum shoppen ins Umland zu fahren. Es dürfe kein Einkaufstourismus entstehen, so Lange. Deutschlands nördlichste Stadt ist von dem Öffnungsschritt im Einzelhandel am kommenden Montag wegen hoher Infektionszahlen ausgenommen.

Handelsverband Nord: Problematisch mit HH und SH

Mareike Petersen vom Handelsverband Nord blickt mit Sorge auf das Nachbarland Hamburg. "In den Beschlüssen des Bundes steht, dass eine Absprache stattfinden muss." Hamburg hat sich aber klar geäußert, am Montag nicht öffnen zu wollen. Dort ist man auch aus unternehmerischer Sicht nicht froh darüber, dass der nördliche Nachbar seine Geschäfte öffnet. Von einer möglichen Wettbewerbsverzerrung ist die Rede.

Zahl der Kunden in Geschäften wird beschränkt

Die schleswig-holsteinische Landesregierung hatte am Donnerstag angekündigt, dass der Einzelhandel wieder loslegen darf. Es gilt allerdings eine Begrenzung der Kunden. Bei Ladenflächen bis zu 800 Quadratmetern darf sich ein Kunde auf zehn Quadratmetern aufhalten, in größeren Geschäften ist je ein weiterer Kunde pro 20 Quadratmeter erlaubt. Grundvoraussetzung bleibt immer, dass die Corona-Zahlen nicht zu sehr steigen.

Günther: Inzidenzen immer wöchentlich im Blick

Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hatte im Landtag deutlich gemacht, dass einmal wöchentlich die Inzidenzwerte hinsichtlich des Einzelhandels ausgewertet werden. Steigt der Wert über 50, werden die Geschäfte Günther zufolge nicht sofort wieder geschlossen. Es müsse aber eine Nachverfolgung der Kontakte geschehen. Details sollen in der Landesverordnung stehen, die allerdings erst am Sonnabend veröffentlicht wird.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 05.03.2021 | 09:00 Uhr

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