Gottesdienst-Absagen in SH: Ist Lübeck nur der Anfang?

Stand: 16.12.2020 12:59 Uhr

In den evangelischen Kirchen der Lübecker Innenstadt wird es bis zum 10. Januar keine Präsenzgottesdienste mehr geben, auch an den Weihnachstagen. Ist das der Beginn einer Reihe von Gottesdienst-Absagen im Land?

Schleswig-Holstein ist bundesweit das einzige Land, das seine Corona-Maßnahmen auch für Gottesdienste verschärft hat. Gottesdienste in Kirchenräumen dürfen bis zum 10. Januar nur noch mit maximal 50 Teilnehmern gefeiert werden. Angesichts des gerade in Lübeck sehr dynamischen Verlaufs der Corona-Pandemie - die Hansestadt hat mit einem Wert von 170,9 die höchste Sieben-Tage-Inzidenz im Land - habe der Gemeinderat in Abstimmung mit den anderen Innenstadtgemeinden beschlossen, bis zum 10. Januar auf Präsenzgottesdienste zu verzichten, heißt es auf der Internetseite des Doms.

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Gemeinderäte: Solidarisches Handeln

Der Beschluss sei schweren Herzens gefasst worden, teilte ein Sprecher der Lübecker Kirchgemeinderäte mit. Man wisse um die seelsorgerische Bedeutung der Gottesdienste, verstehe den Verzicht auf Präsenzgottesdienste aber als ein solidarisches Handeln innerhalb der gesamtgesellschaftlichen Anstrengung, Menschenleben zu schützen. In anderen Jahren sitzen an Heiligabend allein im Lübecker Dom etwa 6.000 Menschen. Die Domgemeinde hat Online-Andachten angekündigt. Telefonisch sei man ebenfalls für Gespräche erreichbar, auch an den Weihnachtstagen.

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Absagen auf Föhr und in Krummesse

Auch auf Föhr haben die evangelischen Inselgemeinden die Gottesdienste für die Dauer des harten Lockdowns abgesagt. Krummesse (Kreis Herzogtum Lauenburg) südlich von Lübeck sagte zumindest die Gottesdienste über Weihnachten bereits ab. Schon am Dienstag hatte der Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg verkündet, dass geplante Outdoor-Gottesdienste und sogenannte Trecker-Weihnachten wohl nicht umsetzbar seien. Auch an der frischen Luft dürfen mit Inkrafttreten der neuen Corona-Verordnung nur noch 100 Menschen an Gottesdiensten teilnehmen.

Gläubige müssen ausgeladen werden

Kirchengemeinden, die ihre Veranstaltungen weiter stattfinden lassen wollen, stehen nun unter Umständen vor der Aufgabe, viele online bereits registrierte Gläubige wieder ausladen zu müssen. Schon diese Entscheidung habe man nicht treffen wollen, hieß es dazu seitens der Domgemeinde in Lübeck. Nach Informationen von NDR Schleswig-Holstein sind in anderen Kirchengemeinden aber erste Absage-Mails im Umlauf. So werden in der Sankt Nikolai Gemeinde in Flensburg Menschen, die sich über das Buchungssystem angemeldet haben, gezielt angefragt, ob sie weiter planen zu kommen.

Bischof Magaard: Menschen irgendwie erreichen

Das Ziel der Kirchen sei es dennoch, möglichst viele Menschen zu erreichen, betonte Gothart Magaard, Bischof im Sprengel Schleswig und Holstein. "Ob über Präsenzgottesdienste, über Internet, über Grußbotschaften schriftlicher Art. Es ist wichtig, dass wir die Menschen, gerade die Einsamen, auch erreichen", sagte Magaard.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 16.12.2020 | 12:00 Uhr

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