Fridays for Future - durch Corona ausgebremst

Stand: 28.05.2021 06:55 Uhr

Die Corona-Beschränkungen machen Fridays for Future zu schaffen - Proteste sind kaum möglich. Die Folge: Viele Ortsgruppen lösen sich auf. Die Bewegung kämpft um ihre Basis. Kreative Lösungen sind gefragt.

von Sophia Stritzel

"Schulstreik für das Klima" - dem kleinen weißen Plakat ist anzusehen, dass es bereits auf vielen Demonstrationen hochgehalten wurde. Die aufgeklebten Erdkugeln lösen sich bereits ab. Zwei Jahre lang war es mit dabei, wenn Schüler wie Luna Rothenburg in Bad Segeberg für das Klima auf die Straße gegangen sind. Jetzt hat es ausgedient. Seit Herbst 2020 ruhen alle Aktionen der Fridays for Future-Gruppe.

Luna Rothenburg blickt in die Kamera. © NDR
Luna Rothenburg will nach der Corona-Pandemie wieder Fridays-for-Future-Aktionen planen.

"Der Hauptgrund ist auf jeden Fall Corona. Wir haben viel mehr Aufwand bei der Planung von Demonstrationen und gleichzeitig machen nur wenige Leute mit. Das ist deprimierend", erklärt die 18 Jahre alte Schülerin. Außerdem seien viele aus der Gruppe mitten in den Abitur-Prüfungen und werden Bad Segeberg danach verlassen. Es brauche eine neue Generation. Doch die in einer Zeit von Abstand und Einschränkungen zu finden, sei unmöglich. Erst wenn die Pandemie vorbei ist, will Luna Rothenburg die Ortsgruppe wieder aufleben lassen.

Ein landesweites Problem

Fridays for Future hat in Schleswig Holstein 30 Ortsgruppen - verteilt über das ganze Land. Ein Drittel davon ist momentan nicht aktiv. Stillstand herrscht beispielsweise in Ahrensburg (Kreis Stormarn), Büchen (Kreis Herzogtum Lauenburg), Norderstedt (Kreis Segeberg) oder Husum (Kreis Nordfriesland). Für die Bewegung sei das ein Problem - vor allem, weil sie immer mehr aus den kleinen Städten verschwinde, sagt Sophia Marie Pott von Fridays for Future Schleswig-Holstein. "Dort ist der Klimaschutz nicht so präsent wie in den großen Städten. Und wenn dann auch noch Fridays for Future wegbricht, keine Streiks mehr organisiert werden, dann ist das Thema komplett von der Agenda verschwunden." Deshalb habe man sich ursprünglich bewusst dezentral aufgestellt, um alle anzusprechen und eben nicht nur eine bestimmte Gruppe - wie Großstädter oder Akademiker.

Aufschwung durch die Bundestagswahl?

Die aktuelle Situation sei schwierig, aber nicht hoffnungslos. Bei der Bundestagswahl in knapp vier Monaten rechnet Sophia Marie Pott mit einem Aufblühen der Bewegung: "Auch bei den Inaktiven ist der Wille da, zur Bundestagswahl was zu machen, weil wir uns alle als gesamte Bewegung bewusst sind, wie wichtig diese Wahl wird und wie wegweisend für die nächsten Jahre." Geplant sei zum Beispiel ein Aktionstag Mitte September mit parallelen Demonstrationen von allen Ortsgruppen Schleswig-Holsteins.

"Wir fügen uns in etwas Größeres ein"

"Meint ihr, da kriegen wir genug Leute zusammen, die das mitmachen?" fragt Lea Reimann, den Blick auf ihren Computer geheftet. Die Fridays for Future-Gruppe in Rendsburg hat sich zu ihrem wöchentlichen Treffen zusammengefunden und plant die nächste Demonstration. Wegen der Corona-Pandemie findet der Austausch digital statt. Die sieben Mitglieder kämpfen zurzeit mit den gleichen Problemen wie die meisten Ortsgruppen: Es fehlt an Nachwuchs, Protest ist nur eingeschränkt möglich und aufwendig zu organisieren.

Weitere Informationen
Eine Aktivistin hält bei einer Fridays for Future Demonstration ein Schild mit der Aufschrift "There's no Planet B" hoch. © picture alliance/Geisler Fotopress Foto: Matthias Wehnert

Freude bei Umweltminister und Verbänden nach Klima-Urteil

Eine Pellwormer Familie war mit ihrer Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht erfolgreich: Das Klimaschutzgesetz muss nachgebessert werden. mehr

Als Einzelkämpfer hätten sie vielleicht auch schon aufgegeben, aber in Rendsburg haben sie sich Verbündete gesucht und im Frühjahr das Klimaschutz-Netzwerk "Rendsburg 2030" gegründet. Mit dabei: Gewerkschaften, Vereine und Ladenbesitzer. "Wir fügen uns in etwas Größeres ein, was vielleicht viel wichtiger ist als wir. So sind wir nicht mehr nur in unserer eigenen Bubble und können so viel mehr Leute erreichen, nicht nur junge Menschen", sagt Software-Entwicklern Lea Reimann. Momentan suchten sie nach weiteren Netzwerkpartnern, dann sollen die Pläne für ein sozial-ökologisches Rendsburg konkretisiert werden.

Offline und Online präsent sein

Außerdem setzt Fridays for Future in Rendsburg wie fast alle aktiven Ortsgruppen auf die Sozialen Netzwerke - besonders in Zeiten der Pandemie. Über Facebook und Instagram informieren sie regelmäßig über anstehende Proteste, formulieren ihre Forderungen, zum Beispiel die einer autofreien Innenstadt bis 2030. Und sie wollen dauerhaft sichtbar sein, planen eine Kreativ-Werkstatt. Ein Ort, wo Möbel aus Paletten gebaut und das Stricken gelernt werden kann. "Ich glaube, kreative Leute anzusprechen, kann eine Sogwirkung haben. So erreicht man Menschen, die dann vielleicht auch auf unsere nächste Demo kommen."

Das Beispiel aus Rendsburg zeigt: Fridays for Future hat eine Zukunft, auch wenn es momentan besonders viel Einsatz und Kreativität braucht, um die Bewegung am Leben zu halten.

Weitere Informationen
Eine Aktivistin hält bei einer Fridays for Future Demonstration ein Schild mit der Aufschrift "There's no Planet B" hoch. © picture alliance/Geisler Fotopress Foto: Matthias Wehnert

"Fridays for Future": Protest gegen Bankenpolitik

Die Commerzbank und andere Institute sollen die Finanzierung fossiler Energieträger stoppen, so die Forderung. mehr

Fridays for Future-Demonstranten bei einer Demo in Kiel. © NDR

Mit Rädern und Plakaten für eine bessere Klimapolitik

Auch in Corona-Zeiten wird für mehr Klimaschutz demonstriert - wenn auch in anderer Form. Die größte Aktion war eine Fahrraddemo in Lübeck. mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 28.05.2021 | 19:30 Uhr

Nachrichten aus Schleswig-Holstein

Auf einem Richtungsschild steht "Volkshochschule". © picture alliance / SVEN SIMON | Frank Hoermann / SVEN SIMON

Corona: Volkshochschulen fehlt das Geld

Weil sich Volkshochschulen zu einem großen Teil aus Teilnehmergebühren finanzieren, haben sie durch die Corona-Pandemie stark gelitten. mehr

Videos