Stand: 10.08.2020 18:45 Uhr

Freude und "mulmiges Gefühl" zum Schulstart in SH

Schülerinnen einer sechsten Klasse stehen vor Beginn des Unterrichts am ersten Schultag nach den Sommerferien an der Max-Planck-Schule in Kiel zusammen. © dpa-Bildfunk Foto: Gregor Fischer
So sah er aus, der erste Schultag nach den Sommerferien an der Max-Planck-Schule in Kiel.

Am Montagnachmittag ist für viele Lehrer und Schüler der etwa 800 Schulen in Schleswig-Holstein der erste Schultag nach den diesjährigen Sommerferien zu Ende gegangen. Etwa 360.000 Schüler waren erstmals nach den Ferien wieder in der Schule - unter Corona-Bedingungen. Was das heißt, zeigte sich beispielsweise an der Grund- und Gemeinschaftsschule Stecknitz in Krummesse bei Lübeck. Dort trafen sich die Schüler in getrennten Gruppen vor der Schule. Damit jeder wusste, wo er hin muss, gab es wegweisende Zeichen und Buchstaben auf dem Boden. Schilder machten klar, wo sich die sogenannten Kohorten, also die festen Lerngruppen, aufstellen mussten.

Maske ist freiwillig

Eine Kohorte besteht an der Schule in Krummesse aus etwa 80 Grundschülern. Auf dem Weg zum gemeinsamen Unterricht trugen alle Lehrer und fast alle Grundschüler freiwillig eine Maske und hielten auch die Abstände ein, wie NDR Schleswig-Holstein berichtet. Im Unterricht trugen etwa noch die Hälfte der vom NDR begleiteten Schüler eine Maske, so wie es das Bildungsministerium empfiehlt. Von der dringenden Empfehlung, in den ersten zwei Wochen eine Mund-Nasen-Bedeckung in der Schule zu tragen, sind die Jahrgangsstufen eins bis sechs ausgenommen.

Nachdem in Rantrum bei Husum eine Grundschule wegen einer infizierten Lehrerin bereits vor dem Schulstart zunächst geschlossen werden musste, kam es am Montag in einer Grundschule in Reinfeld (Kreis Stormarn) zu einem Corona-Verdachtsfall. Er konnte noch am selben Tag ausgeräumt werden.

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Kritik von SPD und GEW

Zu der Maskenempfehlung des Bildungsministeriums gibt es viel Kritik: "Die erste Schulschließung kam schon vor dem heutigen Schulstart, das zeigt: Eine Maskenpflicht zumindest für die sensiblen ersten zwei Wochen ist notwendig", sagte die SPD-Landesvorsitzende Serpil Midyatli. Bildungsministerin Karin Prien (CDU) verfolge im Ländervergleich "einen einsamen Sonderweg". Mit der Masken-Empfehlung werde die Verantwortung für den Infektionsschutz auf die Schulleitungen abgewälzt. Die Risiken für das Vorgehen der Ministerin trügen Kinder, Eltern und Lehrkräfte.

"Während Prien bei Masken sorglos handelt, bleibt sie im Umgang mit Lehrkräften aus Risikogruppen bei ihrem Herzlos-Kurs", lautete ein weiterer Kritikpunkt Midyatlis. Damit kritisierte die SPD-Landesvorsitzende, dass laut Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bisher nur 32 der 1.600 Lehrer, die Corona-Risiko-Atteste vorgelegt haben, vom direkten Unterricht mit Schülern befreit sein sollen. Gegen einen Gerichtsbeschluss, der einer klagenden Lehrerin vorläufig Recht gab, legte das Ministerium nach eigenen Angaben Rechtsmittel ein.

Keine ungetrübte Freude

Die Stimmung unter Schülern und Lehrern war zum Schulstart vielerorts gut. Viele freuten sich darüber, dass sie sich nach den Sommerferien und der Corona-Auszeit wiedersahen. "Wir sind alle glücklich darüber", sagte etwa der Leiter der Max-Planck-Schule in Kiel, Jens-Peter Meißner. Die Schulen seien gut vorbereitet worden. Doch er äußerte auch Sorge: "Weil wir nicht wissen, was jenseits der Schulmauern und Schulhöfe passiert - also in den Familien oder wenn sich junge Leute treffen." Auch viele Schüler sehen das ähnlich. "Die Vorfreude auf das neue Schuljahr hält sich in Grenzen, da viele Fragezeichen im Raum stehen", sagte Pia Vollmann von der Landesschülervertretung der Gymnasien: "Wie wird der Unterricht ablaufen? Wird das soziale Zusammensein unter den Abstandsregelungen leiden? Wie wird das Abitur ablaufen?"

Schülerin Neele Jette Vollmann sprach von einem "mulmigen Gefühl. Das Infektionsrisiko ist groß. Wenn nun die Schule aufgrund von einem Krankheitsfall schließen muss, bleibt die Benotung offen im Raum stehen." Die Schülervertretung der Gymnasien bemängelte auch, dass es in den Schulen zu wenig Kunststofftrennscheiben gebe.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 10.08.2020 | 14:00 Uhr

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