Stand: 30.03.2020 19:45 Uhr

Coronavirus: UKSH testet Wirkstoff gegen Covid-19

Mehr als 1.000 Menschen haben sich inzwischen nach Angaben der Landesregierung in Schleswig-Holstein mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Die Krankheitsverläufe sind ganz unterschiedlich - teilweise aber sehr schwer. 128 Menschen sind oder waren wegen durch diesen Virus ausgelösten Erkrankung Covid-19 inzwischen im Krankenhaus (30.3.). Das Problem: Es gibt bislang kein zugelassenes Medikament, das wirksam gegen das Virus eingesetzt werden kann.

Vermehrung der Viren wird gestoppt

Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Kiel wurde jetzt als eine von 50 Kliniken weltweit ausgewählt, um einen Wirkstoff zu testen, der möglicherweise helfen könnte. Remdesivir - so heißt der Wirkstoff, der verhindern soll, dass sich die Coronaviren im menschlichen Körper vermehren. Es sei schon etwas Besonderes, sagen die Mediziner am UKSH. Denn ohne die Zulassungsstudie in Zusammenarbeit mit dem Hersteller aus Amerika gebe es keine Möglichkeit, an den Wirkstoff zu kommen.

Mediziner: "Hoffnungen sind groß"

Professor Stefan Schreiber, Direktor der Klinik für Innere Medizin am UKSH erklärt: "Remdesivir ist eigentlich eine alte Substanz. Sie wurde mal für den Ebolavirus entwickelt. Mit dieser Substanz haben wir wahrscheinlich die einzige Substanz momentan, die ganz gezielt auf das Virus und seine Vermehrung wirkt. Deshalb sind die Hoffnungen auch so groß." Remdesivir soll in diesen Tagen geliefert werden. Sobald es da ist, wollen die Mediziner mit der Vergabe per Infusion starten.

Schnell klinische Verbesserungen erwartet

Der Virologe Prof. Christian Drosten © picture alliance/Christophe Gateau/dpa Foto: Christophe Gateau

AUDIO: (22) Noch kein Durchbruch bei Medikamenten (40 Min)

Anders als sonst üblich, gibt es keine Placebo-Vergleichsgruppe. Alle Patienten, die an der Studie teilnehmen, bekommen auch tatsächlich den Wirkstoff. Zum einen soll der Effekt bei mittelschweren Verläufen untersucht werden, und auch bei schweren Verläufen, also bei den Patienten, die auf der Intensivstation liegen und ihre Einwilligung gegeben haben. Dr. Rainer Noth, Facharzt für Pneumologie (Lungenheilkunde) am UKSH, wird die Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf in zwei Untergruppen einteilen. "Die erste Patientengruppe bekommt das Medikament fünf Tage, die zweite Gruppe zehn Tage. Wir beobachten die Patienten natürlich genau. Wir gehen davon aus, das man eventuell schon rasch klinische Verbesserungen sehen könnte." Er kann es kaum erwarten, mit der Studie zu starten. "Das motiviert alle im gesamtem Team und wir freuen uns jetzt natürlich, dass wir überhaupt eine Möglichkeit haben, therapeutisch voran zu kommen."

Zulassung möglicherweise im Herbst

Mehr als 1.000 Patienten sollen an der Studie des US-Herstellers in Deutschland teilnehmen. Neben Kiel sind noch drei weitere Kliniken in Hamburg, München und Düsseldorf beteiligt. Ergebnisse erwarten die Mediziner in drei Monaten - eine Zulassung vielleicht schon im Herbst.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Magazin | 30.03.2020 | 19:30 Uhr

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