Stand: 09.06.2020 17:41 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Corona: Test-Strategie in Schleswig-Holstein

Die Landesregierung hat in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie eine Test-Strategie für Schleswig-Holstein beschlossen. Getestet werden soll unter anderem an Schulen, in Kitas und in Pflegeheimen. Außerdem ist eine Querschnittsstudie für den Tourismussektor geplant - am Beispiel der Lübecker Bucht. Das gaben Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) und Bildungsministerin Karin Prien (CDU) am Dienstag im Rahmen einer Pressekonferenz bekannt. Für die Test-Strategie wird das Land fünf Millionen Euro bereitstellen. Trotz einer momentan geringen Zahl von Neuinfektionen im nördlichsten Bundesland - das Virus sei weiter da, sagte Garg. Und es gebe viele Menschen, die Angst vor Lockerungen hätten, so der Gesundheitsminister. Er appelliere an alle Schleswig-Holsteiner, wachsam und rücksichtsvoll zu sein: "Wir reden über ein Leben mit dem Virus."

Land will Sorgen von Lehrern Rechnung tragen

Zur Strategie des Landes bei der Bekämpfung des Virus gehört nun auch die Ausweitung der Tests. Neben routinemäßigen Testungen bei Symptomen und bei Kontakt mit Infizierten sollen laut Kabinett gezielte, stichprobenartige Untersuchungen an Schulen und Kitas durchgeführt werden - ergänzend zum bereits eingeleiteten Übergang in den Regelbetrieb. Damit wolle man auch den besonderen Sorgen Rechnung tragen, die viele Lehrkräfte haben, sagte Prien. Die Rolle von Kindern als Überträgern des Virus ist noch nicht geklärt. Die Stichprobenuntersuchungen an Schulen und Kitas sollen zunächst in Kiel, Lübeck und im Kreis Segeberg durchgeführt werden.

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14:21

Garg: "Wir reden über ein Leben mit dem Virus"

In Schleswig-Holstein gibt es nur noch wenige bestätigte Coronavirus-Infektionen. Doch das Virus sei nicht verschwunden, sagte Gesundheitsminister Heiner Garg bei der Vorstellung einer Test-Strategie. Video (14:21 min)

Bei Coronafall kommen Teams in Schulen

Darüber hinaus sollen landesweit spezielle Teams nach den Sommerferien zum Einsatz kommen, wenn es in einer Schule einen Coronafall gibt. Dabei sollen schnell alle Kontaktpersonen getestet werden - und nicht nur diejenigen mit Symptomen. Die Teams aus Infektionsspezialisten des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) sollen helfen, Ausbruchsgeschehen nachzuvollziehen und zur Eindämmung beizutragen. Schulschließungen sollen laut Prien im besten Fall verhindert werden.

Schleswig-Flensburg: Schule in Satrup unter Quarantäne

Der Kreis Schleswig-Flensburg hat die dänische Schule in Satrup beziehungsweise deren Lehrer, Schüler und zugehörige Familien bis auf weiteres unter Quarantäne gestellt. Drei weitere Schulen in dem Kreis wurden vorsorglich für den 10. und 11. Juni geschlossen. Zuvor waren eine Mutter und eines ihrer Kinder positiv auf das Virus getestet worden.

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09:05

Prien: "Bestes Mittel sind Wissenschaft und Forschung"

Bei der Eindämmung des Coronavirus setzt Schleswig-Holstein unter anderem auf stichprobenartige Untersuchungen in Kitas und Schulen. Bildungsministerin Karin Prien zu den Hintergründen. Video (09:05 min)

Pflegeheime: Pilotprojekte in zwei Kreisen

Auch in Pflegeeinrichtungen soll es weitere Stichprobenuntersuchungen geben. Im Herzogtum Lauenburg und in Dithmarschen liefen bereits zwei Pilotprojekte, so Garg. Dort wird das Personal einmal wöchentlich untersucht. "Wir wollen das Dunkelfeld aufhellen", sagte Garg. Die Erkenntnisse würden sowohl dem Robert Koch-Institut als auch dem Bund zur Verfügung gestellt.

Tourismus: Massentest in Lübecker Bucht

Um herauszufinden, ob der Tourismus einen besonderen Effekt auf die Corona-Verbreitung hat, soll es einen freiwilligen Massentest mit 1.200 Mitarbeitern aus dem Gastgewerbe in der Lübecker Bucht geben. "Das geht vom Strandkorbverleiher über die Gaststätte bis zum Hotel oder Freizeitpark", erklärte Prien.

Der Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) unterstützt das Projekt. Man werde die Betriebe bitten, ihren Mitarbeitern die Teilnahme dringend ans Herz zu legen, sagte der Präsident des DEHOGA in Schleswig-Holstein, Axel Strehl.

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05:10

Massentest: Gibt es ein unterschwelliges Geschehen?

Von einem Massentest an der Lübecker Bucht erhoffen sich Wissenschaftler des UKSH Rückschlüsse auf die Verbreitung des Coronavirus durch den Tourismus. Prof. Dr. Jan Rupp leitet die Klinische Infektiologie. Video (05:10 min)

Gibt es ein unterschwelliges Infektionsgeschehen?

Die Tests im Tourismusgewerbe sollen im Juli das erste Mal gemacht und dann vier Wochen später wiederholt werden. So solle herausgefunden werden, wie der Tourismus das Infektionsgeschehen beeinflusst "Das ist wichtig, weil der Tourismus für Schleswig-Holstein eine sehr hohe Bedeutung hat", sagte Prien.

Laut dem Leiter der Sektion für Molekulare und Klinische Infektiologie am UKSH-Campus in Lübeck, Prof. Dr. Jan Rupp, geht es bei den Massentests vor allem darum herauszufinden, ob es ein unterschwelliges Infektionsgeschehen gibt - ohne Symptome bei den Betroffenen also.

Infektiologe: SH soll kein Treiber von Infektionen werden

Der Tourismus in Skiorten wie dem österreichischen Ischgl sei im Februar und März auch für den Norden einer der Haupttreiber des Infektionsgeschehens gewesen, sagte Rupp. Primär Skifahrer hätten die Infektion in den Norden gebracht. "Natürlich erhoffen wir uns, dass das nicht in diesem Jahr im Sommer andersherum sein wird und alle, die wieder in den Süden fahren werden, sagen: 'Na ja, ich war halt in Schleswig-Holstein im Urlaub gewesen und habe da meine Covid-Erkrankung gekriegt.'"

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 09.06.2020 | 18:00 Uhr

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