Stand: 25.06.2020 07:37 Uhr

Corona: Quarantäne-Regeln für Reisende in Kraft

Schleswig-Holstein verschärft seine Regeln für Reisende innerhalb Deutschlands. Seit dem 25. Juni gilt: Urlauber aus deutschen Corona-Hotspots müssen nach Einreise in Schleswig-Holstein für zwei Wochen in Quarantäne - es sei denn, sie können einen negativen Corona-Test vorlegen. Er darf laut Beschluss der Landesregierung nicht älter als 48 Stunden sein und muss durch ein ärztliches Zeugnis nachweisbar sein. Die Jamaika-Koalition hatte beschlossen, die Quarantäne-Verordnung entsprechend anzupassen.

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Der Strand in St. Peter-Ording mit vielen weißen Strandkörben. © Wenke Stahlbock Foto: Wenke Stahlbock

Was gilt? Landesregierung präzisiert Quarantäne-Regeln

Der neue Erlass zur Quarantäne-Regelung in Schleswig-Holstein ist in Kraft - und sorgt für Verunsicherung. Die Landesregierung hat die Regeln für Besucher aus Corona-Hotspots nun präzisiert. mehr

Als Corona-Hotspot gilt ein Gebiet, in dem es mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen gegeben hat. Maßgeblich sind die Landkreis-Einstufungen des Robert Koch-Instituts (RKI).

Regierung reagiert auf Corona-Massenausbruch bei Tönnies

Die Landesregierung reagiert mit der Verschärfung auf den Massenausbruch beim Fleischanbieter Tönnies in Nordrhein-Westfalen - dort gelten seit dieser Woche für die Kreise Gütersloh und Warendorf wieder strenge Kontaktbeschränkungen. "Je konsequenter wir bei einzelnen Ausbrüchen sind, desto besser können wir in Deutschland insgesamt mit der Pandemie umgehen", sagte Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP). "Zur Konsequenz gehört auch der Schutz vor dem Eintrag von Infektionen aus Risikogebieten, unabhängig davon, ob diese im In- oder Ausland liegen."

Quarantäne in Hotels und Ferienwohnungen "grundsätzlich möglich"

Betroffene müssen nach der neuen Regel unverzüglich nach der Einreise in ihre Wohnung bzw. ihr Haus oder in eine andere geeignete Unterkunft, um sich dort 14 Tage lang zu isolieren. Sie dürften zum Beispiel nicht selbst einkaufen gehen, wie ein Sprecher des Sozialministeriums präzisierte. Sie dürfen nur Besuch von Personen empfangen, die ihrem Hausstand angehören. In dem Beschluss der Landesregierung heißt es, eine Quarantäne in einer Ferienwohnung oder einem Hotelzimmer - zum Beispiel bis zum Vorliegen eines Testergebnisses - sei grundsätzlich möglich, "sofern es die Gegebenheiten vor Ort erlauben".

Nicht geeignet für eine Quarantäne sind laut Landesregierung Campingplätze, Jugendherbergen und alle sonstigen Unterkünfte, in denen Gäste sanitäre Gemeinschaftseinrichtungen nutzen.

Landesregierung setzt auf Eigenverantwortung der Reisenden

Dass die neue Quarantäne-Regel auch wirklich eingehalten wird, dafür sind die Reisenden selbst verantwortlich, teilte die Landesregierung NDR Schleswig-Holstein auf Nachfrage mit. Hotelbetreiber und Vermieter von Ferienwohnungen trügen demnach keine Verantwortung. Laut Hotel- und Gaststättenverband wünschen sich Hotelbetreiber im Land klare Handlungsanweisungen vom Land - auch aus Angst, andere Gäste zu gefährden. Fraglich sei zum Beispiel, wer für die Kosten aufkomme, wenn Stornogebühren entstehen oder Gäste länger bleiben müssen. Eine klare Antwort hat das Sozialministerium noch nicht - es berät aktuell über die Details.

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Eine Frau steht nachdenklich schauend an einem Fenster. © panthermedia Foto: leonovo

Die Landes-Quarantäne-Verordnung für SH

Hier können Sie die angepasste Quarantäne-Verordnung des Landes Schleswig-Holstein nachlesen. Sie tritt am 25. Juni 2020 in Kraft. extern

Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Bayern gehen einen anderen Weg: Die Länder haben ein striktes Beherbergungsverbot für Touristen aus der Region Gütersloh verhängt. Es gilt nicht, wenn ein aktueller negativer Corona-Test vorliegt. In Schleswig-Holstein habe man sich gegen ein Beherbergungsverbot entschieden, weil Juristen des Landes zu der Einschätzung gelangt seien, dass die Quarantäne-Regelung das geeignetere Mittel für den Umgang mit der Situation sei, sagte ein Sprecher des Sozialministeriums.

Wer nicht von der neuen Regelung in SH betroffen ist

Abweichungen von der oben genannten Risikogebiets-Definition des RKI kann das schleswig-holsteinische Gesundheitsministerium vornehmen. Dies könnte nach Angaben der Landesregierung beispielsweise der Fall sein, wenn sich ein Corona-Ausbruch regional klar begrenzen lässt, etwa auf eine Pflegeeinrichtung. Grundsätzlich nicht von der Quarantäne-Regelung betroffen sind Personen, die ...

  • ... nur zur Durchreise nach Schleswig-Holstein einreisen; diese haben das Gebiet des Landes auf direktem Weg zu verlassen;
  • ... beruflich bedingt grenzüberschreitend für den Transport von Personen, Waren und Gütern auf der Straße, der Schiene, per Schiff oder per Flugzeug zuständig sind;
  • ... sich im Rahmen ihrer Tätigkeit als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Luft-, Schiffs-, Bahn-, oder Busverkehrsunternehmen oder als Besatzung von Flugzeugen, Schiffen, Bahnen und Bussen in einem Risikogebiet aufgehalten haben;
  • ... täglich oder für bis zu 48 Stunden zwingend notwendig und unaufschiebbar beruflich oder medizinisch veranlasst nach Schleswig-Holstein einreisen;
  • ... sich weniger als 48 Stunden in einem Risikogebiet aufgehalten haben.

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Großveranstaltungen mit mehr als 250 Teilnehmern weiter verboten

Die Landesregierung plant außerdem ab Montag weitere Lockerungen der Corona-Beschränkungen: Familienfeiern oder Empfänge mit bis zu 50 Menschen, bei denen der Abstand teilweise eingehalten werden kann, sind draußen und drinnen wieder erlaubt. Allerdings muss der Gastgeber die Kontaktdaten der Gäste erfassen und vier Wochen lang aufbewahren. Auf Messen, Floh- und Landmärkten gilt dann die maximale Besucherzahl von 250 Personen im Freien und 100 Personen in Räumen.

Öffnungszeiten von 5 bis 23 Uhr entfallen

Außerdem soll die Sperrstunde in der Gastronomie - also die Beschränkungen der Öffnungszeiten von 5 bis 23 Uhr - wegfallen. Auch Buffets sollen wieder gestattet werden. "Alle nun anstehenden Schritte können wir nur gehen, weil die Menschen in Schleswig-Holstein so diszipliniert sind", sagte Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP). "Ich hoffe, dass die neuen Freiheiten weiterhin so verantwortungsvoll genutzt werden." Die Abstands- und Hygieneregeln seien immer noch nötig.

Weitere Lockerungen in den kommenden Wochen geplant

Großveranstaltungen mit mehr als 250 Teilnehmern bleiben allerdings weiterhin untersagt. Sportdarbietungen bleiben auf die Außenbereiche beschränkt. Die ergänzte Verordnung für alle diese Lockerungsregelungen soll am Freitag im Kabinett beschlossen werden und zum Montag nächster Woche in Kraft treten. Sollte die Zahl der Neuinfektionen in Schleswig-Holstein auf dem aktuell niedrigen Niveau bleiben, könnten am 20. Juli weitere Lockerungen in Kraft treten. Weitere Schritte sollen am 10. und 31. August folgen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 24.06.2020 | 20:00 Uhr

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