Stand: 10.05.2019 12:06 Uhr

Zugunglück bei Rendsburg: Vorwürfe und Dementis

Nach dem schweren Zugunglück am frühen Mittwochmorgen in Alt Duvenstedt im Kreis Rendsburg-Eckernförde mit 13 Verletzten gibt es Streit zwischen dem Netzbetreiber Tennet und dem Gemeindebürgermeister. Dabei geht es um eine vermeintliche Vereinbarung, dass Tennet den Bahnübergang nicht für Schwertransporte nutzen soll. Hintergrund: Bei Alt Duvenstedt baut Tennet an der Südtrassenstromleitung. Der Netzbetreiber sagt, solch eine Absprache mit der Gemeinde habe es nie gegeben. Alt Duvenstedts Bürgermeister Peter Orda (SPD) erklärte, man habe sich mit Tennet und einer Baufirma darauf geeinigt, diesen Bahnübergang für Schwertransporte - nach einem zurückliegenden Vorfall - nicht mehr zu nutzen. "Wer jetzt eine anders lautende Transportgenehmigung erteilt hat, entzieht sich meiner Kenntnis", sagte Orda. Er habe Strafantrag gegen Unbekannt wegen Gefährdung des Eisenbahnverkehrs gestellt.

Tennet bestreitet Absprache

Laut Tennet gab es zu keiner Zeit eine Absprache zwischen dem Netzbetreiber und der Gemeinde Alt Duvenstedt im Zusammenhang mit Schwertransporten über den genannten Bahnübergang. Ein solches Vorgehen wäre rechtswidrig gewesen, da die Transportrouten von den Behörden festgelegt würden, so der Pressesprecher des Unternehmens. Zudem führe Tennet solche Transporte nie selbst durch - sondern ein von ihren Dienstleistern beauftragtes Spezialtransportunternehmen, das auch für eine genehmigte Route verantwortlich sei.

Orda: Das Gespräch gab es am 28. August

Allerdings räumt Tennet ein, dass es ihnen bekannt war, dass "es ein Ansinnen des Bürgermeisters von Alt Duvenstedt gab, den besagten Bahnübergang nicht zu nutzen". Orda sagte NDR 1 Welle Nord am Freitag, er könne sich noch ganz genau daran erinnern, wann er Tennet und die Spedition gewarnt habe. Demnach fand das Gespräch am 28. August 2018 statt. Gesprochen wurde laut Orda über einen Vorfall aus dem Jahr 2017. Damals hatte ein Holztransporter am Bahnübergang die Oberleitungen abgerissen.

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Genehmigung an Staatsanwaltschaft übergeben

Genehmigungen für Schwertransporte erteilt der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr. Die Genehmigung wurde inzwischen an die Staatsanwaltschaft übergeben. Der Landesbetrieb gibt auch die Route vor, die der Spediteur fahren muss. Das Transportunternehmen muss dann selbst prüfen, ob die Straße geeignet ist. Möglicherweise hat die Firma den Bahnübergang falsch eingeschätzt, obwohl sie bei dem Gespräch im August auch dabei gewesen sein soll .

Gutachten soll in einigen Wochen vorliegen

An der Unfallstelle untersuchen Gutachter derweil, warum der Lkw überhaupt liegengeblieben ist. Ermittler von Bundes- und Landespolizei werten außerdem die Daten des Bahnübergangs und des Regionalzuges aus. Die offizielle Ursache für das Unglück soll ein Gutachten der Staatsanwaltschaft ergeben, das in einigen Wochen vorliegen soll.

Bahn verfehlt 70-Tonnen-Fahrzeug nur knapp

Der Zug hatte Führerhaus und Auflieger des Sattelschleppers, auf dem sich ein 70 Tonnen schweres Kettenfahrzeug befand, bei dem Unfall regelrecht durchtrennt. Wäre die Bahn frontal auf den Auflieger getroffen, wäre die Wucht des Aufpralls wohl noch deutlich größer gewesen. Die Bahn war mit 22 Passagieren besetzt.

Zugunglück in Alt Duvenstedt: Der Tag danach


10.05.2019 08:21 Uhr

In einer älteren Version dieses Artikels stand, dass Genehmigungen für Schwertransporte von der Landespolizei erteilt werden. Diese gegenüber NDR Schleswig-Holstein getroffene Auskunft ist falsch. Richtig ist, dass diese Genehmigungen vom im Wirtschaftsministerium angesiedelten Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr kommen.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 10.05.2019 | 12:00 Uhr

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