Stand: 25.06.2020 15:55 Uhr

Zahl der Ermittlungsverfahren steigt deutlich

Die Staatsanwaltschaften in Schleswig-Holstein haben im vergangenen Jahr fast 11.000 Ermittlungsverfahren mehr eingeleitet als 2018. Das teilte Generalstaatsanwalt Wolfgang Zepter in seinem Jahresbericht mit. Mit knapp 296.000 Verfahren waren es die zweitmeisten in den letzten zehn Jahren - nur 2016 wurden noch mehr Verfahren eingeleitet. Die Arbeitsbelastung der Staatsanwaltschaften in Kiel, Lübeck, Flensburg und Itzehoe ist laut Zepter erheblich gestiegen. Nicht zuletzt, weil auch die Umfang und der Schwierigkeitsgrad der Ermittlungen zugenommen habe. Das Personal sei aber auch deutlich aufgestockt worden. Die Anklagen blieben mit etwa 26.000 etwa so hoch wie 2018.

Immer seltener Einzeltäter am Werk

Auffällig sei, dass hinter vielen Delikten zunehmend international agierende Tätergruppen stünden. Gerade in der Wirtschaftskriminalität und unerlaubten Handel mit Betäubungsmitteln sind immer seltener Einzeltäter am Werk, so die Generalstaatanwaltschaft. Aber auch hinter Wohnungseinbrüchen und Betrugstaten gegen Senioren (etwa falsche Polizisten oder Enkeltrick-Betrüger) stünden immer häufiger organisierte Strukturen. Im Bereich Wirtschaftskriminalität ist die Zahl der Verfahren um mehr als 1.000 zurückgegangen, aber sie lag immer noch deutlich höher als in den Jahren 2010 bis 2017. Die Bearbeitung dieser Verfahren sei nur mit einem hohen Personaleinsatz bei Polizei und Staatsanwaltschaft zu stemmen.

Verfahren wegen Mord und Totschlag auf Rekord-Niveau

Im Bereich Gewaltkriminalität nahmen die Verfahren um rund 900 Verfahren zu. Die Ermittlungen wegen Mord und Totschlag stiegen um gut 50 auf 245. Ein weiterer Schwerpunkt liegt im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie, der sogenannten Cybercrime. Kaum überraschend war für Generalstaatsanwalt Zepter, dass auch in diesem Bereich die Verfahren zunahmen, schreitet doch auch die Digitalisierung in allen Lebensbereichen voran. "Dieser Herausforderung stellen sich die Staatsanwaltschaften des Landes durch entsprechend fortschreitende Spezialisierung und Digitalisierung", sagte Zepter. Um gezielt auf die Cybercrime-Gefahren reagieren zu können, bestehen seit Jahren entsprechende Sonderdezernate.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 25.06.2020 | 12:00 Uhr

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