Stand: 09.08.2020 06:00 Uhr

Wildunfälle in SH: App soll rechtzeitig warnen

Eine Karte von Schleswig-Holstein, die Wildunfallschwerpunkte anzeigt.  Foto: LJV SH
In Schleswig-Holstein gibt es viele Unfall-Schwerpunkte.

Etwa 16.000 Wildunfälle gibt es pro Jahr in Schleswig-Holstein. Zu den Unfall-Hotspots gehören nach Angaben des Landesjagdverbandes zum Beispiel die B199 zwischen Flensburg und Wees, die B206 zwischen der A7 und Hasenmoor oder die B75 zwischen Sehmsdorf und Meddewade. Schilder oder Reflektoren würden nicht immer helfen, solche Unfälle zu vermeiden, sagt der Geschäftsführer des Landesjagdverbandes, Marcus Börner. "Diese Schilder haben leider den großen Nachteil, dass sie vom Autofahrer zwar wahrgenommen werden, aber dann eigentlich gar nicht viel passiert." Nur selten gingen Autofahrer tatsächlich vom Gas.

Mehr als 500 Unfallschwerpunkte gespeichert

Drei Smartphones zeigen die App Wuidi. © wuidi
Die Wuidi-App soll Autofahrern helfen.

Seit Anfang August gibt es für Autofahrer in Schleswig-Holstein nun auch technische Unterstützung. In der Wildwarner-App Wuidi sind Daten zu Wildunfällen der vergangenen Jahre gespeichert. Diese hat das Wildtier-Kataster Schleswig-Holstein, ein Projekt der Landesjagdverbandes und der Universität Kiel, gesammelt. Mehr als 500 Gefahrenstellen auf den Straßen im Land sind aktuell erfasst.

GPS-Signal nötig - Internetverbindung nicht

Die Wuidi-App gibt es kostenlos für die Betriebssysteme Android und iOS. Der Wildwarner braucht ein gültiges GPS-Signal und ist damit automatisch aktiv. Während der Fahrt muss nichts weiter getan werden, erklärt Marcus Börner: "Die Anwendung läuft einfach im Hintergrundmodus des Handys, sodass niemand das Telefon in die Hand nehmen muss."

Fahrer wird akustisch gewarnt

Fährt man auf einen der Straßenabschnitte, wo es in den vergangenen Jahren besonders viele Wildunfälle gegeben hat, ertönt ein Warnsignal. "Der Fahrer weiß nun, dass er doppelt so gut aufpassen und vielleicht die Geschwindigkeit nach unten korrigieren sollte", so der Geschäftsführer des Landesjagdverbandes. Persönliche Daten werden nach Angaben der App-Betreiber nicht gespeichert. Auf der Homepage der Initiative heißt es dazu: "Die App zeichnet nicht deine Fahrtstrecke auf oder misst dein Fahrverhalten."

Anleitung für den Fall der Fälle

Sollte es doch zu einem Zusammenstoß mit einem Tier kommen, sind in der App auch Verhaltensregeln für diesen Fall gespeichert. "Der Nutzer erhält eine Schritt-für-Schritt-Anleitung", heißt es vom Landesjagdverband. Außerdem könne er auf Basis der GPS-Lokalisierung die Kontaktdaten des zuständigen Ansprechpartners oder der Polizeidienststelle abrufen.

Feedback bislang meist positiv

Die App wurde vor knapp vier Jahren in Bayern entwickelt. Sie ist inzwischen in Deutschland, Österreich und der Schweiz verfügbar. Im Google Play Store wurde die Anwendung bisher mehr als 10.000 Mal heruntergeladen. Die Bewertung ist überwiegend positiv. Einzelne Nutzer bemängelten in den Kommentaren allerdings beispielsweise den hohen Akkuverbrauch oder wiederholt auftretende Meldungen zum Datenschutz, die immer wieder bestätigt werden müssten. Diese Probleme haben die Entwickler nach eigenen Angaben in neueren Versionen der App aber bereits behoben.

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Ein Verkehrsschild, das Wildwechsel auf den nächsten drei Kilometern anzeigt. © dpa-Bildfunk Foto: Bernd Wüstneck

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 09.08.2020 | 13:00 Uhr

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