Stand: 07.02.2019 20:09 Uhr

Wieder Angriff auf Schafherde: Muttertiere in Gefahr

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Tierarzt Niss Stien untersucht das verletzte trächtige Mutterschaf. Es muss eingeschläfert werden.

Im Kreis Dithmarschen hat die Zahl der Angriffe auf Schafsherden in den vergangenen Wochen stark zugenommen. Mehr als 20 Fälle sind seit Mitte Januar bekannt. Nach Informationen von NDR Schleswig-Holstein haben Gentests bei sieben Rissen inzwischen bestätigt, dass sie von einem Wolf stammen. Experten im Auftrag des Landes stuften auch Fotos und Videos eines Einzeltieres als eindeutigen Wolfs-Nachweis ein. Am Mittwoch gab es zum zweiten Mal innerhalb von drei Wochen einen Rissvorfall in einer Herde in Bargenstedt bei Meldorf. Am 18. Januar hatte dort nachweislich ein Wolf Schafe angegriffen.

Experten vermuten jungen Wolf

Ob es auch diesmal wirklich ein Wolf war, müssen nun Gen-Analysen zeigen. Wie schon bei dem Angriff Mitte Januar wurde erneut ein tragendes Mutterschaf so schwer verletzt, dass es eingeschläfert werden musste. Laut den Wolfsbetreuern des Landes deutet die Art der Verletzungen auch bei anderen Angriffen im Kreis Dithmarschen auf einen jungen, unerfahrenen Wolf hin. Erfahrene Wölfe würden gezielt durch einen Kehlenbiss töten. Dieser Wolf scheint sich noch auszuprobieren, so die Meinung der Experten.

Zaun war nicht wolfssicher

Der Hobbyschäfer hatte sich nach dem Vorfall vor drei Wochen für das Herdenschutzpaket des Landes entschieden und einen Litzenzaun aufgestellt. Doch die beiden Rissgutachter, die sich den Zaun noch am Mittwochabend ansahen, stellten nach Angaben des Schäfers an einer Stelle fest, dass der Abstand zwischen Zaun und Boden zu groß war. Der Zaun, sagen die Gutachter, sei also nicht wolfssicher gewesen.

Muttertiere verlieren Lämmer

Für den Gardinger Tierarzt Niss Stien ist ein Angriff durch einen Hund fast ausgeschlossen, weil Hunde normalerweise nicht solche schweren Verletzungen verursachten. Stien sieht vier bis sechs Wochen vor der Haupt-Lammzeit Probleme für die Schäfer, weil auch die Muttertiere, die überleben, durch Stress oder ihre Verletzungen "verlammen" können, also ihre Lämmer tot zur Welt bringen. Niss Stien sagte NDR Schleswig-Holstein: "Das bleibt jetzt zu dokumentieren, wie viele Lämmer nachher geboren werden, wie viele Schafe verlammen", das werde sich noch zeigen, so der Tierarzt: "Es gibt aber auch schon Berichte, dass Schafe massiv verlammt haben."

Weniger Lämmer durch Wolfsangriffe?

Niss Stien vermutet, dass es deshalb in diesem Jahr deutlich weniger Lämmer in Dithmarschen geben wird. Bis feststeht, ob ein Wolf in Bargenstedt das Schaf gerissen hat und wenn ja, welches Tier genau, dürfte es noch rund vier bis sechs Wochen dauern. So lange brauchen die Wissenschaftler am Frankfurter Senckenberg-Institut für die Gen-Analyse.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 07.02.2019 | 12:00 Uhr

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