Stand: 13.05.2019 19:14 Uhr  - Schleswig-Holstein Magazin

Kleiner Betrieb gegen große EU-Subventionspraxis

von Robert Holm

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"Für den Aufwand, den ich betreibe, verdiene ich einfach nicht genug", sagt Jürgen Greiner. Er führt einen Betrieb mit 150 Galloway-Rindern.

Sie sind nach wie vor der größte Posten im Haushalt der EU: die Agrarsubventionen. Allein im Jahr 2017 waren es rund 58 Milliarden Euro. Auch Schleswig-Holstein profitiert davon. Der Landesbetrieb für Küstenschutz finanziert so seine Arbeit, auch Umweltschutzverbände und Stiftungen. Vor allem sind es aber die Landwirte, die auf die Zahlungen aus Brüssel angewiesen sind. In vielen Betrieben machen sie rund 40 Prozent des Einkommens aus. Insgesamt bekommt ein Betrieb in Deutschland durchschnittlich 280 Euro pro Hektar. Dabei profitieren besonders die Landwirte, die große und viele Flächen besitzen. Ein wesentlicher Teil der Zahlungen wird pauschal pro Hektar vergeben, als sogenannte Basisprämie - deswegen kommt bei Landwirt Jürgen Greiner aus der Nähe von Bad Bramstedt (Kreis Segeberg) auch wenig von den Subventionen an.

Landwirt: "Naturschutz müsste besser entlohnt werden"

Greiners Betrieb in Hagen ist mit 150 Galloway-Rindern vergleichsweise klein. Für diese Herden-Größe hat er sich bewusst entschieden. Greiner versucht möglichst umweltschonend zu wirtschaften, vermeidet zu pflügen und zu düngen. Seine Galloways stehen das ganze Jahr über auf der Weide. "Dieser Naturschutz müsste besser entlohnt werden", sagt Greiner, "für den Aufwand, den ich betreibe, verdiene ich einfach nicht genug." Seine Kritik: "Die EU-Subventionspolitik fördert die Ausbeutung der Natur, es geht hauptsächlich um Profit." Subventionen für ökologische Maßnahmen wie das Anlegen von Blühstreifen oder das Pflanzen von Zwischenfrüchten, um den Boden vor Erosion zu schützen, haben einen wesentlich kleineren Anteil als die Hektar-Zahlungen.

NABU kritisiert eine Vergabepraxis "per Gießkanne"

Die Schäden, die die Natur davontrüge, die bezahle keiner, findet Greiner. Das sehen Umweltschutzverbände wie der NABU ähnlich. Die bisherige Vergabepraxis per "Gießkanne" fördere "die umweltschädliche Intensivierung, während viel zu wenig Mittel für die gezielte Honorierung von Naturschutzleistungen der Landwirte bereit stehen", kritisiert der Verband.

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Strengere Vorgaben geplant - Bauernverband besorgt

Tatsächlich will die EU den Bauern künftig strengere Vorgaben beim Umweltschutz machen. Pläne dazu werden in Brüssel knapp zwei Wochen vor der Europawahl diskutiert. Gleichzeitig wird es als Folge des Brexits insgesamt wohl weniger Geld für die Landwirte geben. Der Bauernverband ist besorgt und fürchtet, dass die Direktzahlungen - statt einer Einkommenssicherung - immer mehr zu einem umweltpolitischen Druckmittel werden könnten.

Umweltschützern hingegen gehen die Pläne der EU nicht weit genug. Sie fordern die Abschaffung der flächenbezogenen Prämien. Öffentliches Geld solle nur noch gegen Leistungen für die Umwelt gezahlt werden, laut NABU zum Beispiel für "die Sicherung und Förderung von Boden, Wasser, Klima, Biodiversität und Landschaft".

Das käme auch Landwirt Greiner mit seiner Galloway-Zucht in Hagen zugute. Seines Erachtens müssten die EU-Subventionen mehr Anreize setzen, für die Natur zu arbeiten. Das hieße aber auch: Die Produkte würden wahrscheinlich teurer.

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