Stand: 11.11.2018 10:53 Uhr

Wie Profis das Skat-Spiel retten wollen

Von Robert Tschuschke

Daniel Schäfer schaut konzentriert auf sein Blatt. Mit drei weiteren Spielern sitzt der 40-Jährige von der SIG Elmenhorst an einem der 54 Spieltische. Mehr als 200 Skat-Freunde aus ganz Deutschland sind für den deutschen Städtepokal über das Wochenende zum Titelverteidiger nach Elmenhorst im Kreis Herzogtum Lauenburg gekommen. Daniel Schäfer ist einer der jüngsten in der Mehrzweckhalle, die ganz eindeutig von Männern mit grauen oder gar keinen Haaren dominiert wird. Es riecht nach Würstchen, Senf, Kuchen und Kaffee - und es ist sehr warm. Nach nur wenigen Sekunden wirft Daniel Schäfers Gegenüber die Karten auf den Tisch. Bundesligaspieler Schäfer hat keine Chance. Neue Runde, neues Spiel. Die Karten werden gemischt und neu ausgegeben.

Moderner Skat: Mit Tablets, Internet-Videos und Apps

Skat läuft auch schon mal im Fernsehen

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Spielt in der Bundesliga-Mannschaft der SIG Elmenhorst Skat: Daniel Schäfer.

Sechs Stunden reine Spielzeit stehen für alle Skat-Spieler am Sonnabend auf dem Programm. Das zehrt an der Konzentration. In knapp zwei Stunden spielt Daniel Schäfer 48 Spiele. Der gebürtige Hamburger kommt einmal die Woche mit seinen Teamkameraden zusammen. Skat spielt er seit seinem 16. Lebensjahr und das so gut, dass er zur Bundesliga-Mannschaft SIG Elmenhorst wechselte, um unter anderem mit besseren Sparringspartnern trainieren zu können. "Es gibt durchaus Clubs, die gute Spieler sogar gegen kleines Geld abwerben", erzählt Daniel Schäfer. "Außerdem ist Skat durchaus professionell in Vereinen, im Internet und sogar im Privat-Fernsehen vertreten."

Skat-Lernspiele, Trainingsapps, Erklär-Videos

Daniel Schäfer hat bereits zweimal das Skat-Masters, das im Fernsehen übertragen wird, gewonnen. Er ist, wie alle beim deutschen Städtepokal, sehr ehrgeizig. Und: Der 40-Jährige mit kurzärmeligem Hemd und Brille versucht, das immaterielle UNESCO-Kulturerbe Skat am Leben zu erhalten. Als Softwareentwickler einer großen Reederei kennt er sich mit Computer-Programmen und Apps bestens aus. Schäfer hat ein Skat-Lernspiel namens Skat-Insel entwickelt und bei der bekanntesten Skat-App auf dem Markt einen Strategie-Trainer mit 61 Übungspartien programmiert. Außerdem hat er einen eigenen YouTube-Kanal mit Interviews und Berichten zum Thema Skat.

"Vom Kneipen-Sport zum Leistungssport"

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Bei Skatturnieren sind die Spieler über mehrere Stunden sehr konzentriert - und sind trotzdem gut gelaunt.

"Man merkt schon, Skat hat sich verlagert. Es gibt schon viele junge Spieler, aber die gehen meistens ins Netz und spielen dort", erzählt Daniel Schäfer. Am Nachbartisch wirft jemand aus Nordrhein-Westfalen ein: "Wir hatten neulich ein Skat-Turnier im Fußballverein mit fast 50 Teilnehmern. Seitdem sind zwei 25-Jährige in unserer Skat-Runde." Trotzdem: Viele der Skat-Freunde aus allen Bundesländern meinen, dass es Skat in Zukunft mehr und mehr schwer haben wird. Die Zeiten, in denen Skat bei Bier, Schnaps und Zigarette in der Kneipe gespielt wurde, sind vorbei. "Man sieht das ja auch hier: Niemand raucht in der Halle, Alkohol spielt keine Rolle - ansonsten könnte man auch die sechs Stunden reine Spielzeit gar nicht überstehen. Es ist schon eine Art Leistungsdenksport", sagt Verbandsspielleiter Hubert Wachendorf.

Mit Technik in die Zukunft des Skats

Zum ersten Mal werden beim deutschen Städtepokal Tablets eingesetzt. Die selbst programmierte App von Sascha und Mathias Dechert aus der Nähe von Darmstadt teilt die Tische automatisch ein, führt elektronisch die Listen und erstellt Ranglisten in Echtzeit im Internet. "Die Ranglisten erhöhen auf jeden Fall die Spannung. Da kann man am Computer richtig mitfiebern", erzählt der 37-jährige Sascha Dechert, der während seines Studiums zum Skat kam. Der wohl jüngste Spieler ist der 15-jährige Marcel Porath. Er ist mit seinem Vater aus Baden-Württemberg angereist. "Skat macht Spaß, weil man sich durchsetzen muss", sagt Marcel.

Auf neuen Spielern wird schon mal herumgehackt

Daniel Schäfer geht noch weiter: "Skat ist brutal! Das ist immer schon eine ganz bestimmte Stimmung. Klar gibt man sich die Hand oder man umarmt sich auch, aber gerade bei neuen Spielern kann es passieren, dass auf denen herumgehackt wird. Man muss definitiv auch einstecken können." Nach vier Stunden Spielzeit liegt Daniel Schäfers Team vom SIG Elmenhorst vorn. Trotzdem ist nicht einmal Halbzeit am Städtepokal-Wochenende. "Ich hätte bisher auf jeden Fall besser abschneiden können. Aber das ist das Salz in der Suppe. Es klappt nicht immer alles und deshalb ist Skat einfach ein geiles Spiel!"

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Aktiv | 11.11.2018 | 14:05 Uhr

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