Stand: 05.09.2019 17:30 Uhr

Werden Riffe zum Problem für Fehmarnbelttunnel?

Sie sind besonders artenreich und nach deutschen und europäischen Richtlinien streng geschützt: Riffe im Meer. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) will nun am Grund der Ostsee mehrere Quadratkilometer große Riffstrukturen nachgewiesen haben - und zwar dort, wo der Fehmarnbelttunnel gebaut werden soll, eines der größten Infrastrukturprojekte Europas. "Der ökologische Schaden im Fall eines Tunnelbaus muss neu bewertet werden", forderte der Leiter Meeresschutz beim NABU, Kim Detloff, am Donnerstag in Hamburg. In der der Planfeststellung zugrunde liegenden Umweltverträglichkeitsstudie sei angegeben, dass der Meeresgrund auf dem betroffenen Abschnitt zwischen Deutschland und Dänemark aus Schlick und Sand bestehe. Dabei habe man die Genehmigungsbehörden frühzeitig auf das mögliche Vorhandensein von Riffen aufmerksam gemacht, so der NABU.

Dänischer Projektträger zweifelt nicht an Planfeststellung

Der NABU hatte im vergangenen Mai Klage gegen den Ende 2018 erlassenen Planfeststellungsbeschluss vor dem Bundesverwaltungsgericht eingereicht. Auch aus anderen Richtungen kommen Klagen und Proteste. Inzwischen scheint eine Fertigstellung des Tunnels frühestens 2028 möglich. Knapp 18 Kilometer lange Röhren für Autos und Züge am Meeresgrund sollen die Inseln Fehmarn und Lolland verbinden, und damit auch die Wirtschaftsräume Skandinavien und Mitteleuropa.

Bild vergrößern
Die NABU-Aufnahmen zeigen bewachsene Findlinge und Geröllfelder vor Puttgarden.

Der dänische Projektträger Femern A/S hält an diesem Plan fest. "Die Ausführungen des NABU sind uns aus ihrer Klagebegründung bekannt und nicht geeignet, die Planfeststellung anzuzweifeln", teilte das Unternehmen mit. Aus Rücksicht auf das laufende Verfahren wolle man dazu nicht weiter Stellung nehmen.

Drei Jahre alter Hintergrundbericht listet "Riffflächen" auf

Tatsächlich ist in einem für Femern A/S erstellten Hintergrundbericht, laut Unternehmen eine auf den 3. Juni 2016 datierte Anlage der Planfeststellungsunterlagen, von "Riffflächen" und möglichen "Kompensationsmaßnahmen" die Rede. Die Genehmigungsbehörden wussten demnach von den Riffen - bewerteten das Vorhandensein im Hinblick auf die Planfeststellung für den Tunnel aber offenbar anders als der NABU.

Die Naturschützer bezeichnen die Riffe als "Oasen der Meere". Das Tunnelprojekt habe nun ein weiteres großes Problem, sagte Meeresschutz-Leiter Detloff. Die NABU-Aufnahmen zeigen bewachsene Findlinge und Geröllfelder vor Puttgarden. Es sind Schwämme, Moostierchen, Tange, Muscheln und Krebse zu sehen.

Beginnt der Bau, will der NABU einen Baustopp beantragen

Der NABU hatte seine Klage vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig neben den Auswirkungen auf Flora und Fauna auch mit einem fehlenden Bedarf und überholten Verkehrsprognosen für den geplanten Eisenbahn- und Straßentunnel begründet. Ein Baustopp wurde bislang nicht bei Gericht beantragt.

Bild vergrößern
Die Naturschützer bezeichnen die Riffe als "Oasen der Meere".

Sollte jedoch mit den Bauarbeiten begonnen werden, würde dies nachgeholt, sagte der Fehmarnbeltexperte der Naturschützer, Malte Siegert. Zunächst solle das Gericht in Leipzig jedoch klären, ob ein Tunnelbau gegen deutsches und europäisches Recht in Sachen Naturschutz verstoße, so der NABU.

Dänemark zahlt den Tunnel, Deutschland die Hinterlandanbindung

Die Baukosten für den Tunnel betragen voraussichtlich 7,4 Milliarden Euro. Die Dänen tragen allein die Kosten für die Verbindung zwischen Puttgarden auf Fehmarn und Rødbyhavn in Dänemark. Deutschland muss für die Hinterlandanbindung auf der eigenen Seite zahlen. Der dänische Betreiber geht laut NABU von 12.000 Nutzern täglich aus. Zum Vergleich: Der Elbtunnel wird von 160.000 Menschen pro Tag genutzt.

Weitere Informationen

FBQ: Die Dänen bauen, die Deutschen streiten

02.08.2019 19:30 Uhr

Auf dänischer Seite haben die Bauarbeiten für den Fehmarnbelttunnel zwischen Puttgarden und Rödby bereits begonnen. Am Donnerstag traf sich Verkehrsminister Buchholz mit seinem dänischen Amtskollegen. mehr

Acht Klagen gegen Fehmarnbelttunnel

13.05.2019 15:00 Uhr

Zwei Kommunen, zwei Vereine, eine Privatperson und drei Reedereien haben gegen die feste Fehmarnbeltquerung geklagt. Wann die Klagen mündlich verhandelt werden, steht aber noch nicht fest. mehr

NABU-Gutachten: Kein Bedarf für Fehmarnbelttunnel

11.07.2019 17:00 Uhr

Ein Gutachten von Naturschützern liefert den Gegnern des umstrittenen Fehmarnbelttunnels neue Munition. Der Tunnelbau lohnt sich nach Einschätzung von Hamburger Experten nicht. mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 05.09.2019 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

01:45
Schleswig-Holstein Magazin
02:29
Schleswig-Holstein Magazin