Stand: 02.07.2019 17:46 Uhr

Wattführung bei Springtide

von Jörn Schaar

Im Watt vor Nordermeldorf (Kreis Dithmarschen) bietet Nationalparkwattführer Michael Wieben zweimal im Monat eine besondere Watterlebnistour an: Bei Springtide lassen er und seine Gäste sich kurzzeitig vom Wasser einschließen. Springtide entsteht bei Voll- und Neumond. Dabei fällt das Hochwasser höher aus als sonst.

Ein Wattführer läuft mit Schaufel durchs Watt.

Der Flut entgegen: Wattführung bei Springtide

Schleswig-Holstein Magazin -

Die meisten Wattwanderungen beginnen bei Niedrigwasser. Michael Wieben hingegen führt seine Gruppen bei Springtide durch die Nordsee - und bietet damit ein besonderes Erlebnis.

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Wattenmeer sieht harmloser aus, als es ist

"Das Wattenmeer sieht harmloser aus, als es ist", erklärt Wieben zu Beginn der Tour. "Zwei Stunden vor Niedrigwasser ist der ideale Zeitpunkt, um ins Watt zu gehen und bei auflaufendem Wasser darf kein Priel zwischen euch und dem Land sein." Dann stapft er los - mit einen Rucksack inklusive Notfallausrüstung auf dem Rücken und eine Forke in der Hand. Damit kann er im Wattboden nach Tieren graben. Aber um die geht es heute nicht nur: "Das Gezeitengeschehen im Watt, die Dynamik, mit der sich alles jeden Tag verändert, das fasziniert mich", sagt Wieben. Den Gezeitenkalender bezeichnet er als seine Bibel. "Den habe ich immer auf Tasche", lacht er.

Eine große Gruppe Touristen wandert bei schönem Wetter durchs Watt. © picture-alliance / HB-Verlag Foto: Hartmut Schwarzbach

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Vom gefährlichsten Toilettengang der Welt

Mit der knapp 30-köpfigen Gruppe läuft Wieben etappenweise dem auflaufenden Wasser entgegen. Er bleibt immer wieder stehen und beantwortet Fragen: Wie ist das Watt entstanden? Warum gibt es Ebbe und Flut? Was ist eigentlich eine Springtide und wie entsteht sie? Zwischendurch kommen auch immer wieder Fragen zur Biologie - wenn zum Beispiel eine Strandkrabbe zwischen den Füßen der Gruppe hindurch läuft oder Kinder fasziniert die Haufen der Wattwürmer begutachten.

"Na kommt, wir graben einen aus", lacht Wieben und macht sich auf die Suche nach "Willi Wattwurm". Nach ein paar Minuten graben hat er ihn endlich gefunden. "Der futtert den ganzen Tag Sand und Wasser und da filtert er seine Nahrung raus", erklärt der 48-Jährige - bevor er "Willi" wieder auf dem Wattboden absetzt. "Und wenn er mal aufs Klo muss, dann geht er rückwärts durch seine Röhre zur Oberfläche. Und das ist der gefährlichste Toilettengang der Welt, weil bei Ebbe die Möwen warten und bei Flut die Schollen."

Bis zum Flutsaum und wieder zurück

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Nach einigen hundert Metern ist der Flutsaum erreicht. In Schrittgeschwindigkeit läuft das Wasser auf den Deich zu. "Man kann diese Tour auch bei jeder anderen Flut gehen, aber bei Springtide ist sie eindrucksvoller", sagt Wieben. "Wir haben mehr Wasser - und das muss in der gleichen Zeit wie bei jeder anderen Flut die gleiche Fläche bedecken. Deshalb fließt es schneller."

In dem knöchelhohen, warmen Wasser geht die Gruppe langsam wieder zurück und nach etwa der Hälfte der Strecke sehen die Teilnehmer: Der flache Priel, der eben noch wie eine Pfütze ausgesehen hat, ist inzwischen ganz schön voll. "Optisch sieht das jetzt nach viel aus, aber das sind nur so fünf bis zwölf Zentimeter Wasser", erklärt Wattführer Michael Wieben. "Aber hier seht ihr was ich meine: Die Priele laufen zuerst voll und dann läuft das Wasser über die ganze Wattfläche. Deswegen darf kein Priel zwischen euch und dem Land sein. Bei größeren Prielen geben selbst erfahrene Schwimmer auf." Wieben führt die Gruppe noch etwas weiter nach Norden an den Rand der Badestelle.

Zwei Flutströme vereinigen sich

Hier fließt das Wasser aus zwei Richtungen auf die Wattwanderer zu. Ein beeindruckendes Bild für die Urlauber aus Süddeutschland, die eifrig Fotos davon machen. "Jede Gruppe ist anders und das hängt auch viel vom Wetter ab", schmunzelt Wieben. "Wenn jetzt starker Westwind wäre, dann hätten wir auch noch Wellen und dann bleiben die viel mehr zusammen." Heute ist viel Zeit für Fotos. Nach ein paar Minuten dreht er sich aber um und ruft: "Ich gehe weiter, wer kommt mit?" Dann watet er durch das Wasser zurück zur Treppe der Badestelle. Dort zitiert er noch das Gedicht "Trutz, blanke Hans" von Peter von Liliencron, in dem es um Ebbe und Flut um die Gewalt des Meeres geht.

Seit diesem Jahr Nationalpark-Wattführer

Hauptberuflich ist Wieben Schiffslotse. Erst seit drei Jahren führt er nebenbei Gruppen durchs Watt und kommt dabei auf etwa 20 Führungen in der Saison. Ein Freund der Familie hat ihn vorher zum Wattführer ausgebildet. Hinzu kamen Fortbildungen bei der Nationalparkverwaltung und bei externen Anbietern, bevor er selbst Gruppen führen durfte. "Das geht nicht, wenn die Familie nicht mitspielt, denn wir sind schon sehr oft im Watt", sagt er und guckt versonnen auf das inzwischen fast kniehohe Wasser hinaus. Man merkt deutlich: Wenn Michael Wieben im Watt war, dann geht es ihm gut.

Springtide im Watt

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 04.07.2019 | 19:30 Uhr

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