Stand: 24.02.2020 05:00 Uhr

Azubi-Serie: Die praktische Zwischenprüfung steht an

Fünf Autoren begleiten fünf Auszubildende in fünf Branchen: In einer langfristig angelegten Serie berichtet NDR Schleswig-Holstein über junge Menschen, die ins Berufsleben starten. Mitten im zweiten Jahr ziehen die Auszubildenden im vierten Teil der Serie Bilanz.

von Silvia Karbautzki

Sarah Kragge ist mitten in der Vorbereitung für die praktische Prüfung. Mitte März muss die 20-Jährige in der Berufsschule in Ludwigsburg in Baden-Württemberg zeigen, wie gut sie neue Klappenverbindungen für eine Klarinette bauen kann. Sarah Kragge greift in der Pinneberger Werkstatt ihres Ausbildungsbetriebs in eine Schublade unter ihrem Schreibtisch.

Sarah steht an der Kasse und kassiert. © NDR Foto: Silvia Karbautzki

AUDIO: Azubi-Serie: Sarah Kragge ist mitten im zweiten Jahr (3 Min)

Sie legt kleine silbernen Bauteile vor sich hin und erklärt an einem Fragment einer Klarinette ganz souverän: "Es gibt hier einen Drücker und eine Schlussklappe. In der Schlussklappe gibt es ein Polster, dass das Tonloch abdeckt. Wenn man diesen Drücker drückt, soll die Schlussklappe voll zugehen, damit das Tonloch dicht ist." Wenn hier nicht genau gearbeitet wird, kommt an der falschen Stelle des Instrumentes Luft durch. In der Prüfungsbewertung würde es dann Abzüge geben.

Gute Aussichten auf gute Ergebnisse

Sarah Kragge ist ehrgeizig. Sie übt immer wieder, diese Klappenverbindung ihres Lieblingsinstruments so passgenau wie möglich zu machen. Ihr Ziel ist es, im Frühjahr eine gute Note für ihre Leistungen zu bekommen. Auch wenn es nur eine Zwischenprüfung ist, die keinen Einfluss auf die Endnote hat. "Für Sarah und mich als Ausbilder ist es eine gute Orientierung, wo Sarah gerade in der Ausbildung steht und wo noch Aufarbeitungsbedarf besteht", sagt Sarahs Kragges Chef "ToKo" Torsten Köhler. Er ist sicher, dass sie in Ludwigsburg erneut überzeugen wird: Sarah Kragge hatte im jüngsten Schulungsblock von November bis Dezember vergangenen Jahres nur Zweien und Einsen im Zeugnis. Wenn es nach ihrem Ausbilder geht, hat sie gute Chancen, am Ende ihrer Ausbildung Landesbeste zu werden.

Viel besser als noch zu Schulzeiten

"Früher war ich nicht so gut in der Schule, hatte immer so einen Vierer-Schnitt, das hat mich ganz schön runtergezogen," verrät die 20-Jährige und sagt mit etwas Stolz in der Stimme, dass sie es echt toll findet, dass sie jetzt viel besser sei. Die Berufsschule und die Ausbildung hätten sie viel selbstbewusster gemacht. "Ich bin offener geworden, rede ein bisschen mehr und kann besser auf Menschen zugehen." Das zeigt sie in den letzten Monaten immer mehr, wie ihr Chef "ToKo" bestätigt. Sarah sei noch selbständiger geworden.

Klarinette und Saxophon passen schon gut

Zwei Arten von Instrumenten kann sie mittlerweile komplett von A bis Z generalüberholen: die Klarinette und das Saxophon. Generalüberholung von A bis Z heißt: Kunden beraten, Aufträge annehmen, Instrumente reparieren und überprüfen, Rechnungen schreiben und kassieren. Ihr Chef hat großes Vertrauen in die Arbeit von Sarah Kragge: "Was ich noch nacharbeiten muss, ist minimal. Das ist jetzt nur noch ein kleiner Sprung, bis sie das alles zu 100 Prozent allein macht, sagt er.

Lernen und Lehren

Einmal in der Woche hat Sarah Kragge eine besondere Verabredung mit ihrer neuen Kollegin Verena. Die 22-Jährige ist Gesellin und seit September 2019 Teil des Werkstatt-Teams. Jeden Mittwochnachmittag treffen sich die beiden für einige Stunden im Verkaufsstudio des Geschäftes. Verena spielt sehr gut Saxophon, Sarah Kragge ist sehr gut auf der Klarinette - und so bringen sich beide ihr Lieblingsinstrument gegenseitig bei.

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Die fünf Auszubildenen Mohammad Berri, Sarah Kragge, Kevin Meier, Evje Wieck und Niklas Hohmann. © NDR Foto: Hauke von Hallern/Kai Salander/Robert Tschuschke/Cassandra Arden/Lisa Pandelaki

"Meine Ausbildung in SH": Die ersten Monate

In einer langfristig angelegten Serie begleiten wir fünf Auszubildende, die völlig unterschiedliche Vorstellungen von ihrer beruflichen Zukunft haben. Hier ziehen sie eine erste Bilanz. mehr

"Es ist wichtig, dass wir alle Instrumente, die wir reparieren, auch anspielen können und erkennen, ob unsere Arbeit gut war", erklärt Verena ihr gemeinsames Üben auf den Instrumenten. Diese Nachmittage fühlen sich aber für die beiden nicht wie Arbeitszeit an. Es wird viel gelacht und wenn ein Ton mal etwas schief klingt, wird einfach so lange geübt, bis es gut klingt.

Tausend kleine Sachen

Eine Sache hat Sarah Kragge während ihrer Ausbildung in den vergangenen Monaten nicht ganz so viel Spaß gemacht. Im Januar stand Inventur in der Werkstatt und im Verkaufsraum an. Zigtausend kleine Teile mussten gezählt werden: Blätter von Saxophonen, Polster von Klarinetten, Mini-Ersatzteile für verschiedene Instrumente, zum Beispiel Schrauben mit einer Größe von 1,5 Millimetern.

Auch wenn das für Sarah Kragge sehr anstrengend war, steht für sie fest, dass sie in der Berufswahl alles richtig gemacht hat: "Für mich ist es weiterhin genau die richtige Entscheidung, dass ich die Ausbildung als Holzblas-Instrumentenmacherin mache. Ich würde es immer wieder tun."

Serie "Meine Ausbildung in SH"
Azubi Sarah Kragge (r) hält einen Hammer in der Hand und beobachtet Torsten Köhler (l), der ein Saxophon baut. © NDR Foto: Robert Tschuschke

Azubi-Serie: Mehr Aufgaben, Routine und Hornhaut

Die 19-jährige Sarah freut sich, wenn alte Klarinetten, Saxophone und Querflöten wieder wie neu klingen. In Pinneberg übernimmt die Auszubildende immer mehr Aufgaben und Verantwortung. mehr

Die Auszubildende Sarah Kragge mit einer Auswahl verschiedener Blasinstrumente. © NDR Foto: Robert Tschuschke

Mit Geduld und Geschick zum Holzblasinstrument

Sarah Kragge ist 18 Jahre alt, hat gerade frisch ihr Abitur gemacht. Sie spielt selbst Klarinette, will ihr handwerkliches Geschick unter Beweis stellen und Holzblasinstrumenten-Macherin werden. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 24.02.2020 | 20:20 Uhr

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