Stand: 10.09.2020 05:00 Uhr

Voller Einsatz für die Wasserfledermaus

von Elin Halvorsen

Seine Leidenschaft für Fledermäuse ist im Norden einmalig. Florian Gloza-Rausch ist nicht nur Geschäftsführer des Noctalis-Fledermauszentrums in Bad Segeberg, er ist vor allem eines: neugierig. Bei seiner zweiten großen Passion, dem Schwimmen, kam ihm daher die Idee, die Wasserfledermaus bei ihrem Jagdverhalten genauer zu beobachten. Er begann zu recherchieren, fand aber nur Fotos und keine Filmaufnahmen. So beschloss er kurzerhand, sein Hobby mit der Forschung zu verknüpfen.

Ein ganzer Sommer Vorbereitung für ein Experiment

Zweimal die Woche absolviert er deshalb seit Mai Schwimmtrainings im Großen Segeberger See und im Klüthsee, um mit den Wasserfledermäusen mithalten zu können. Mindestens 40 Minuten will er langsam durch das Wasser schwimmen und die Fledermäuse bei ihrem Beutezug begleiten. "Ich hoffe, dass ich bis auf einen Meter an sie herankommen werde, damit ich ein gutes Bild bekomme. Die fliegen so schnell, so schnell kann keiner schwimmen", lacht der Forscher. Es sei eine tolle Erfahrung, in der abendlichen Dämmerung durch die Seen zu schwimmen. "Das ist schon eine besondere Atmosphäre, wenn einem der See ganz allein gehört", sagt er. Doch man dürfe sich auch nicht überschätzen: "Wenn ich ganz alleine draußen war, hatte ich immer eine Rettungsboje dabei", so Florian Gloza-Rausch.

Die perfekte Zeit für Filmaufnahmen

Florian Gloza-Rausch steht mit Kamera auf dem Kopf vor einem See  Foto: Elin Halvorsen
Florian-Gloza Rausch will das Jagdverhalten der Wasserfledermaus besser kennenlernen. Ausgestattet mit Kopfgurt, zwei Kameras und einer Infrarotlichlampe geht es ins Wasser.

Jetzt zu dieser Jahreszeit sind rund 1.500 Wasser- und Teichfledermäuse nachts auf Jagd. Dabei werden etwa 50 Tiere gleichzeitig am Großen Segeberger See ihre Route abfliegen, so der Fledermausexperte. Blitzschnell jagen sie in der Dämmerung über die Wasseroberfläche und schnappen sich mit ihren besonders großen Füßen Wasserinsekten wie Zuckmücken und Eintagsfliegen. "Damit ich das Jagdverhalten genau im Lichtkegel meiner Stirnlampe zu sehen bekomme, werde ich auch ein paar Würmer auf der Wasseroberfläche verteilen", sagt er. Ganz selten schaffen es die Fledermäuse sogar, sich einen kleinen Fisch zu schnappen - das sei jedoch ein seltener Fang.

Die Arme zum Schwimmen, die Kamera auf dem Kopf

Es hat mehrere Monate gedauert bis das jetzige Aufnahmesystem fertig ausgetüftelt war. Begonnen hatte Florian Gloza-Rausch mit einem Fahrradhelm bepackt mit Actionkameras. Das bewies sich als recht unpraktikabel beim Schwimmen. So wurde es nach monatelanger Bastelei ein Kopfgurt mit zwei Kameras und einer Infrarotlichtlampe. "Ich habe immer wieder rum experimentiert, Ideen verworfen und neu angefangen, bis diese Art Stirnband mit Minikameras entstanden ist", sagt Florian Gloza-Rausch. Heute soll es soweit sein: Die ersten Aufnahmen der Wasserfledermaus bei der Jagd, direkt aus der Wasserperspektive aufgenommen. Wenn ihm das gelingt, will der Forscher die Filmaufnahmen auch Publikum im Fledermauszentrum vorführen. "Bestenfalls sind die Aufnahmen so gut, dass wir für unsere Gäste daraus kurze 3D-Filme bauen können, so dass sie die Wasserfledermaus ganz nah bei der Jagd erleben", sagt er.

Kein romantischer Seeausflug

Einen Neoprenanzug hat der Forscher nicht. Dafür sei einfach keine Zeit gewesen, den noch zu organisieren. Viel zu tun hat der Fledermausmann immer. So stapft er also nur in Badehose in das Wasser, es hat 18 Grad. Windig ist es heute dazu, doch den Wind spüre er glücklicherweise unter Wasser ja nicht. Überhaupt hat man das Gefühl, dass er sich wenig Gedanken um sich macht, er ist mit dem Kopf schon voll und ganz bei seinem Vorhaben. "Fledermäuse sind ein bisschen wie Schwalben, sie nehmen mich gar nicht als Bedrohung wahr", sagt er, obwohl er mit seinem Equipment auf dem Kopf aussieht wie ein Seeungeheuer, als er in das kühle schwarze Wasser gleitet.

Dann beginnt die Jagd

Florian Gloza-Rausch hält einen Bildschirm in der Hand.  Foto: Elin Halvorsen
Direkt nach dem Schwimmen sichtet Florian Gloza-Rausch die Aufnahmen.

Das leise Surren der Wasserfledermäuse beginnt ab halb neun. Da ist Florian Gloza-Rausch schon einige Minuten im See. Er dreht seine Bahnen, kennt die Flugroute seiner Lieblingstiere genau. Zwischendurch bleibt er an einer Stelle stehen, das Wasser geht ihm bis unter die Brust. Aus einer Tüte holt er Mehlwürmer und verstreut sie vor sich. Es klappt, die Mehlwürmer sind eine köstliche Abwechslung für die Fledermäuse - der Forscher ist begeistert.

Nach einer halben Stunde kommt er etwas durchgefroren, aber strahlend aus dem Wasser gestapft. Schnell schlüpft er in eine Jacke. Noch wichtiger ist es ihm aber auf der Kamera zu gucken: "Ich bin sicher, dass ich welche vor der Linse hatte, aber ob das jetzt auch zu sehen ist, ich muss nachgucken." Und dann tauchen die ersten Bilder auf: Fledermäuse - erst eine, dann ganz viele - huschen über den Monitor. Ob die Bildqualität ausreicht, um die Fledermäuse bei ihrem Jagdverhalten zu erkennen, werde er sehen. Der Leiter des Noctalis ist aber sichtlich zufrieden mit seinen Aufnahmen. "Dafür hat sich der ganze Aufwand auf jeden Fall gelohnt!", freut er sich.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 09.09.2020 | 19:30 Uhr

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