Viel Arbeit für inklusiven Reiterhof nach Corona-Lockdown

Stand: 30.06.2021 05:00 Uhr

Etwa 200 Kinder und Jugendliche reiten auf dem Dalarna-Reiterhof in Kattendorf. Wegen der Corona-Pandemie konnten sie das lange nicht - die Therapeuten spüren die Auswirkungen.

Die jungen Reiterinnen und Reiter auf dem Hof in Kattendorf (Kreis Segeberg) haben zum Teil körperliche oder seelische Beeinträchtigungen. Die Pferde helfen ihnen, sich ihren Ängsten zu stellen. Sie bekommen Unterricht in inklusiven Gruppen oder einzeln. Der zwölfjährige Leon zum Beispiel ist mit Asperger-Autismus diagnostiziert. Sein Therapiepferd Lalou darf er erst seit einigen Wochen wieder besuchen. Ihm habe das Reiten gefehlt, erzählt er - und das Streicheln von Lalou.

"Die Gefahreneinschätzung war weg"

Maj Anna Kluth ist Reitlehrerin und -therapeutin auf dem Reiterhof. Sie bemerkt die Schwierigkeiten, die Leon nach der Zeit ohne Lalou hat: "Alle Abläufe: Was mache ich in welcher Reihenfolge? Wie reagiere ich auf das Pferd? Wie reagiere ich, wenn sich ein Pferd erschreckt? Gerade diese Gefahreneinschätzung war weg und alles, was in Richtung Reaktionsgeschwindigkeit ging. Für Leon war die lange Pause besonders schwierig." Seine Therapie hatte erst kurz vor dem Lockdown begonnen, so Kluth. Jetzt müsse er manche Bewegungen wieder ganz neu lernen

Mischung aus Hobby und Herausforderungen

Leon findet laut seiner Therapeutin nur schwer Zugang zu anderen Menschen. Pferde helfen dem Jungen, aus sich herauszukommen. Eine weitere Zwangspause wäre für ihn nur schwer zu verkraften, sagt Kluth. "Da hoffe ich einfach, dass das so weitergeht, dass wir da wieder Normalität finden können. Weil gerade auch die Bindung zu den Pferden so wichtig ist, die Mischung Freizeit und Hobby und vielleicht auch kleine Herausforderungen zu meistern." Bei seiner Reitstunde konnte er dieses Mal viele Bewegungsabläufe verfestigen, sagt seine Therapeutin. Und sogar neue dazulernen.

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