Stand: 13.03.2018 16:47 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Umweltverschmutzung in der Schlei weitet sich aus

Städtische Arbeiter reinigen einen Uferstreifen an der Schlei von Plastikmüll. © dpa Foto: Carsten Rehder
Arbeiter sind dabei, die Uferbereiche der Schlei nach Plastikteilen abzusuchen. Schon jetzt steht fest: Große Teile des Ostseearms sind betroffen.

Das Ausmaß der Umweltverschmutzung in der Schlei nimmt immer größere Dimensionen an. "Bis Arnis sind Plastikteile gefunden worden", sagte der Leiter des Fachbereichs Umwelt beim Kreis Schleswig-Flensburg, Thorsten Roos, am Dienstag. Die Schlei ist ein Meeresarm der Ostsee. Sie erstreckt sich über 42 Kilometer von Schleimünde bis Schleswig im Landesinneren. Da bis Arnis Plastikteilchen nachgewiesen wurden, heißt das auch: etwa drei Viertel des Meeresarms sind betroffen. Die Plastikteile stammen aus dem Klärwerk in Schleswig. Dort wurden vermutlich über zwei Jahre geschredderte Speise- und Plastikreste dem Faulschlamm zugemischt, um Energie zu gewinnen. Das Landeskriminalamt (LKA) und die Staatsanwaltschaft Flensburg ermitteln gegen Verantwortliche der Schleswiger Stadtwerke - diese wiederum machen ein Recyclingunternehmen verantwortlich.

Letzte Routinekontrolle war Ende 2016

Thorsten Roos, der für Umwelt zuständige Fachbereichsleiter, zeigt bei einer Pressekonferenz im Kreishaus das Ausmaß der Verschmutzung der Schlei. © dpa Foto: Carsten Rehder
Thorsten Roos machte im Schleswiger Kreishaus das Ausmaß der Verschmutzung deutlich.

Hinter den Kulissen wird nach Informationen von NDR 1 Welle Nord diskutiert, ob die Kreisumweltbehörde ihrer Aufsichtspflicht ausreichend nachgekommen ist. Das Landes-Umweltministerium schreibt, erteilte Zulassungen seien regelmäßig zu überprüfen. Der Kreis Schleswig-Flensburg kontrollierte nach eigenen Angaben allerdings nicht gezielt, ob die Speisereste für den Faulturm tatsächlich - wie gefordert - rückstandsfrei waren. Dazu gab es laut Roos keinen Anlass. Die letzte Routinekontrolle der Kläranlage liege eineinhalb Jahre zurück. Das entspreche dem vorgegeben Rhythmus, so der Fachbereichsleiter.

Lieferchargen unterschiedlich belastet?

Kleine Plastikteilchen und Treibsel, also angeschwämmtes Material, zeigt ein städtischer Arbeiter auf einem Uferstreifen an der Schlei. © dpa Foto: Carsten Rehder
In dem Treibsel am Schleiufer finden sich an unzähligen Stellen Folienreste und Plastikteile.

Anfang 2016 war laut Roos ein Fall von Verunreinigungen von Kunststoffstückchen gemeldet worden. Danach habe es bis Anfang dieses Jahres keine weiteren besonderen Auffälligkeiten gegeben. "Es ist nicht ausgeschlossen, vielleicht sogar eher wahrscheinlich, dass die Lieferchargen unterschiedlich belastet waren", sagte Roos NDR 1 Welle Nord. So erklärt sich der Behördenmitarbeiter zum Beispiel, warum es im Sommer keine Anrufe von Badenden gab, die bei Winningmay in der Schlei geschwommen sind. Die dortige Badestelle liegt in der Nähe der Wassereinleitung des Klärwerks. "Die Stelle ist stark frequentiert. Keinem ist dort eine Belastung mit Plastik aufgefallen", sagte Roos.

Überall Folienreste und Hartplastikteile

Ein offensichtlich aus der Lebenmittelindustrie stammendes Plastikteilchen liegt bei einer Pressekonferenz im Kreishaus auf einem Tisch. © dpa Foto: Carsten Rehder
Arbeiter finden am Ufer der Schlei immer wieder solche Plastikteilchen.

Im aktuellen Fall sind laut Roos vor allem die naturbelassenen Uferbereiche in entsprechender Strömungslage betroffen, weniger die Strände. Bei Winningmay liegt beispielsweise das Vogelbrutgebiet Reesholm Schlei. Mitarbeiter der Kreisumweltbehörde haben inzwischen damit begonnen, ausgewählte Uferabschnitte systematisch zu untersuchen und zu erfassen. "Wir wollen wissen, wo wir zunächst die massiven Reinigungsarbeiten durchführen lassen", sagte Roos. Die ersten Ergebnisse zeigen: Fast auf der gesamten Länge der Schlei finden sich zerhackte Folienreste und Hartplastik aus Lebensmittelverpackungen.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 13.03.2018 | 12:00 Uhr

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