Stand: 05.06.2019 12:32 Uhr

Trotz Warngeräten: Schweinswalsterben hält an

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Rund 1.600 PALs sollen Tümmler in der Ostsee schützen.

Der Schweinswal ist der einzige Wal, der in Deutschland heimisch ist. Allerdings ist er immer seltener vor der Ostseeküste zu sehen. Denn er ist bedroht, etwa durch die Stellnetze der Fischer. In ihnen können sich die Tiere verheddern und ersticken. Seit einem Jahr setzen mehr als 80 Fischer in Schleswig-Holstein deshalb Warngeräte zum Schutz von Schweinswalen ein, sogenannte PALs (Porpoise ALert, dt. Tümmler-Alarm). Entwickelt hat sie der Meeresbiologe Prof. Boris Culik aus Heikendorf (Kreis Plön). Das sind kleine Sender, die etwa alle 200 Meter an den Netzen befestigt sind. Sie kommunizieren auf der gleichen Welle wie Schweinswale und sollen die Tiere dazu bringen, den Netzen auszuweichen. Doch die Wirkung der PALs ist umstritten.

Mehr tote Schweinswale trotz Warngeräten?

Die kleinen Geräte geben ein Geräusch ab, das die Tiere auf ein Hindernis aufmerksam machen soll. Till Holsten und Gernot Gänssle vom Ostsee-Infocenter Eckernförde überprüfen die kleinen Sender. "Der PAL soll bewirken, dass die Tiere ihr eigenes Biosonar aktivieren. So sollen sie die Stellnetze wahrnehmen. Denn manchmal hat ein Wal, etwa wenn er gerade auf Zug ist, sein Biosonar nicht aktiviert", erklärt Holsten.

Seit einem Jahr verteilen Holsten und Gänssle die Geräte an Fischer. Mittlerweile sind etwa 1.600 PALS zwischen Flensburger Förde und Lübecker Bucht im Einsatz. Die Kosten trägt das Umweltministerium. Allerdings sind trotz der neuen Warnsysteme im vergangenen Jahr nach Angaben des Umweltministeriums 134 tote Schweinswale gefunden worden - mehr als im Jahr davor, als es 115 Totfunde gab. Wie viele davon in Stellnetzen verendeten, weiß man allerdings nicht. Die Untersuchungen laufen. "Mit den Totfunden ist es schwer, weil wir nicht wissen: Wie viele Wale sind insgesamt unterwegs? Das spielt eine Rolle, um sagen zu können, ob die PALs etwas bringen oder nicht",  sagt Holsten.  

NABU kritisiert PAL-System

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) kritisiert: "Es wurde ein Ton eines Wals aufgenommen, von dem man annimmt, dass er Aufmerksamkeit erregt. Was der Ton aber tatsächlich aussagt, das weiß man eigentlich nicht", sagt Dagmar Struss von der NABU-Landesstelle Schweinswalschutz NDR Schleswig-Holstein. "Es fehlt einfach das Monitoring und die Erfahrung. Jetzt wird der ganze Schweinswalschutz hier an der Küste auf dieser Geschichte aufgebaut, die eigentlich gar nicht wirklich erprobt ist."

Das Thünen-Institut hatte zusammen mit dem PAL-Entwickler Boris Culik in einer dreijährigen Studie in der westlichen Ostsee nachgewiesen, dass durch den Einsatz der PAL-Geräte der Schweinswalbeifang um 70 Prozent verringert werden kann. Drei Fischer haben bei diesem Versuch mitgemacht. Von 18 Walen, die sich im Stellnetz verfangen haben, waren es 15 in Netzen ohne PALs und drei Wale in sogenannten Kontrollnetzen mit PAL-Geräten. Es gibt allerdings auch einen weiteren Versuch mit PAL-Geräten vor Island im April vergangenen Jahres. Dabei wurden 23 Wale in Stellnetzen gefangen. Hier war die Zahl der Tiere, die in Netzen mit und ohne PALs verendet sind, ausgeglichen.

Das Umweltministerium bereitet aktuell eine Untersuchung vor, die klären soll, welche Botschaft aus den PALs tatsächlich bei den Walen ankommt. Start ist allerdings erst in zwei Jahren, weil schon die Vorbereitungen so aufwendig seien. Bis dahin will das Ministerium weitere Fischer mit PALs ausrüsten.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 04.06.2019 | 19:30 Uhr

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