Stand: 17.04.2020 11:55 Uhr

Trotz Corona: Kurzarbeit in Krankenhäusern in SH

Es ist eine paradoxe Situation: Krankenhäuser im ganzen Land suchen freiwillige Helfer in der Corona-Pandemie, rufen ehemalige Pfleger auf, wieder ihren alten Beruf zu ergreifen - und gleichzeitig haben fünf Kliniken in Schleswig-Holstein für einen Teil ihrer Beschäftigten Kurzarbeit angemeldet. Die Krankenhausgesellschaft berichtet von vielen leeren oder fast leeren Stationen. "Wir können davon ausgehen, dass die Kliniken im Moment nur gut zur Hälfte belegt sind. Das ist deutlich unterhalb der Durchschnittsauslastung, die etwas bei 80 Prozent bezogen auf alle Planbetten liegt", sagt der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein, Patrick Reimund.

Flächendeckend hätten die Krankenhäuser in der Region nicht viel zu tun, so Reimund. Das liege daran, dass die Kliniken deutschlandweit alle nicht dringend notwendigen Behandlungen verschieben mussten, um so für Corona-Patienten Betten frei zu haben. Und die Zahl dieser Patienten im Land ist zurzeit nicht so hoch wie ursprünglich befürchtet.

Kiel, Neustadt, Bad Bramstedt und Westerland betroffen

Betroffen sind laut Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein die Lubinus-Klinik mit ihren zwei Standorten in Kiel, die beiden Schön-Klinik-Häuser in Neustadt und Bad Bramstedt sowie die Asklepios-Klinik in Westerland. Bei Lubinus seien es rund zehn Prozent der Mitarbeiter, so Vorstand Manfred Vollmer. Darunter seien viele Mitarbeiter aus der Verwaltung, aber auch Pflegepersonal und sogar einige Ärzte.

"Wir versuchen alles zu tun, um eine finanzielle Schieflage zu vermeiden. Wenn allerdings ein oder zwei Monate die Umsätze in der Art und Weise einbrechen, dann hat das natürlich sehr deutliche Auswirkungen", erklärt Vollmer. Er geht davon aus, dass die Ausgleichszahlungen, die geleistet werden, nicht ganz ausreichen werden, um die Defizite auszugleichen.

Corona-Vorbereitung: Überstunden abbummeln

In fast allen Krankenhäusern in Schleswig-Holstein, wie am UKSH in Kiel sowie bei den Imland-Kliniken in Rendsburg und Eckernförde, in Schleswig-Holstein sollen die Mitarbeiter außerdem Überstunden abbummeln. "Möglicherweise wurde beim Herunterfahren von Behandlungen, die nichts mit Corona zu tun haben, etwas über das Ziel hinausgeschossen", meint der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Patrick Reimund. Manfred Vollmer hält die in den Krankenhäusern ergriffenen Maßnahmen grundsätzlich für gut und nicht für übertrieben. Man wisse nicht, welche Corona-Welle noch auf uns zukomme, so der Lubinus-Klinikchef.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 17.04.2020 | 08:00 Uhr

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