Stand: 06.06.2019 16:15 Uhr

Tennet präsentiert Pläne für SuedLink-Trasse

Die geplante Stromtrasse SuedLink gilt als Hauptschlagader der Energiewende. Sie soll Windstrom aus dem Norden in den Süden bringen. Netzbetreiber Tennet rechnet mit Kosten von etwa zehn Milliarden Euro für die 700 Kilometer lange Strecke. Doch wo wird das umstrittene Erdkabel entlangführen? Tennet stellt derzeit bei zahlreichen Veranstaltungen vor, welcher Korridor sich aus Sicht des Unternehmens am besten dafür eignet. "In allen tangierten Landkreisen werden wir die Öffentlichkeit bereits jetzt an der Suche nach einem konkreten Leitungsverlauf beteiligen und erste Hinweise entgegennehmen", sagt eine Tennet-Sprecherin. Der erste sogenannte Infomarkt in Schleswig-Holstein war am Donnerstag in Wilster (Kreis Steinburg). Bei dem Termin konnten Anwohner und andere Interessierte mit den Planern ins Gespräch kommen.

Zwei riesige Konverterstationen in der Marsch

Eine Infografik von einer Konvertstation. © Tennet
In Wilster und Brunsbüttel sollen Konverter entstehen. Die Hallen sind etwa 20 Meter hoch.

In Wilster befindet sich einer der beiden Startpunkte für SuedLink. Der andere ist im nahe gelegenen Brunsbüttel (Kreis Dithmarschen). Um den Wechselstrom in Gleichstrom zu wandeln, sind in beiden Städten sogenannte Konverter notwendig. Das Gelände einer Konverterstation ist nach Angaben von Tennet etwa acht Hektar groß. Darauf stehen 20 Meter hohen Hallen mit der Leistungselektronik.

Tunnel unter der Elbe bei Brokdorf geplant

Tennet hatte in den vergangenen Monaten in Schleswig-Holstein drei Korridore für die Trasse untersucht. Der Netzbetreiber schlägt vor, dass sich die Erdkabel aus Wilster und Brunsbüttel in der Marsch nördlich von Brokdorf treffen und dann in einem Korridor vorbei am dortigen Atomkraftwerk verlaufen. Etwa zwischen dem Leuchtturm Hollerwettern und dem Stör-Sperrwerk sollen die Kabel dann in einem Tunnel unter der Elbe verlegt werden. Die Elbquerung ist nach Angaben von Tennet der komplizierteste Bauabschnitt der gesamten Trasse. "Aufgrund der Breite des Flusses ist ein Tunnel in Tübbingbauweise vorgesehen. Bei diesem Verfahren wird die Tunnelwand aus einzelnen vorgefertigten Segmenten hergestellt", heißt es von Tennet. Der Naturschutzbund (NABU) bewertet das ebenfalls als "besonders große Herausforderung". "Geplant ist eine Unterbohrung, auch in den Marschregionen und bei empfindlichen Moorböden", sagt Tina Mieritz, Referentin für Energiepolitik und Klimaschutz.

NABU befürwortet Trassenverlauf

In Schleswig-Holstein hatte der Netzbetreiber auch zwei andere mögliche Trassen geprüft. Die beiden Alternativrouten mit einer Elbquerung bei Uetersen oder bei Hetlingen (Kreis Pinneberg) haben nach Angaben von Tennet aber mehr Auswirkungen auf Mensch, Umwelt und Natur. Der NABU begrüßt die von Tennet vorgeschlagene Trasse. "Die weiter südöstlich gelegene Querungs-Option der Elbe im Bereich der Haseldorfer Marsch mit zahlreichen Brut- und Rastvögel-Vorkommen wird vom NABU nicht bevorzugt, obwohl die Elbe dort schmaler ist als beim Vorschlagskorridor bei Brokdorf", sagt Tina Mieritz.

Derzeit prüft die Bundesnetzagentur den Vorschlag von Tennet. Die Behörde bestimmt einen verbindlichen Korridor. Danach beginnt das Planfeststellungsverfahren, in dem der exakte Trassenverlauf ermittelt wird.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 06.06.2019 | 18:00 Uhr

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