Stand: 07.05.2019 19:47 Uhr

Studie: Kreuzfahrtschiff-Schadstoffe nicht messbar

Wie sehr verschmutzen Kreuzfahrtschiffe die Luft in Kiel? Diese Frage sollte ein Gutachten im Auftrag des Kieler Seehafens klären. Das Ergebnis: Was die Schiffe ausstoßen, ist laut Gutachten im Tagesdurchschnitt nicht messbar. Für die Studie wurden ein knappes Jahr lang die Luft-Werte an zwei Messstationen ermittelt. Die eine Station stand neben dem Kreuzfahrtterminal am Ostseekai, die andere direkt neben dem Ostuferhafen. Gemessen wurden zwei Feinstaubkörnungen und Stickstoffdioxid. "Natürlich emittieren die Schiffe. Aber im Vergleich zur Hintergrundbelastung - durch den Straßenverkehr und durch die Heizungsanlagen der Häuser - sind die Schiffe trotzdem nicht wahrnehmbar", sagte der Geschäftsführer des Seehafens, Dirk Claus.

NABU: Für kurze Zeiträume sehr wohl hohe Konzentration

Das stimme nicht ganz, erwiderte Sönke Diesener. Er ist beim NABU Experte für Umweltschutz in Häfen. Er meinte, es komme auf zwei Dinge an: die Art des Feinstaubs, die gemessen wird, und den Zeitraum. Ein Tagesdurchschnitt liefere andere Ergebnisse als eine minütliche Auswertung: "Gerade bei Kreuzfahrtschiffen - wenn die ankommen oder manövrieren, dann sind für kurze Zeiträume auch sehr gesundheitsgefährliche Konzentrationen festzustellen." Dennoch sei positiv, so Diesener, dass zumindest die andauernde Belastung in Kiel für die Anwohner nicht so hoch sei.

Schweröl ist billigster Kraftstoff in der Schifffahrt

Der billigste Kraftstoff in der Schifffahrt ist Schweröl. Damit fahren viele Schiffe auf hoher See. Spätestens im Hafen müssen sie aber, wenn sie dort festmachen, weniger schadstoffbelasteten Treibstoff verbrennen, etwa Schiffsdiesel. So verlangt es die entsprechende EU-Verordnung.

Bei der Verbrennung sowohl von Schweröl als auch Schiffsdiesel entstehen Schwefel- und Stickoxide. Sie entweichen mit dem Rauch in die Luft. Auf Nord- und Ostsee gelten für den Schwefel im Treibstoff Grenzwerte. Doch sie erlauben teils ein Hundertfaches dessen, was in Pkw-Kraftstoffen zulässig ist.

Es gibt Abgasnachbehandlungsanlagen auf Schiffen

Mit sogenannten Scrubbern, Abgasnachbehandlungsanlagen, lässt sich Schwefel auswaschen. Wird auf einem Schiff ein solcher Scrubber eingesetzt, darf es auch weiterhin mit Schweröl höheren Schwefelgehaltes fahren.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 07.05.2019 | 13:00 Uhr

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