Stand: 12.12.2017 10:26 Uhr

Streit um Abschuss von Wildschweinen

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Jäger sollen mehr Schwarzwild schießen - doch wer soll die Untersuchung der Tiere zahlen?

Wer weiß das schon, wenn man selbst kein Jäger ist: Ein Wildschwein zu erlegen kostet. Klar, dass das bei den Jägern zu Unmut führt. Dabei gibt es ohnehin zu viele Wildschweine im Land, und jetzt kommt auch noch die Gefahr der sich ausbreitenden Afrikanischen Schweinepest dazu. Wenn es also heißt, die Jäger müssten mehr Wildschweine schießen, hält der Landesjagdverband entgegen, dass die Jäger nicht mehr auf den Kosten dafür sitzen bleiben dürften.

Bis zu 25 Euro pro Tier

Wird ein Wildschwein erlegt, muss ein Veterinär eine sogenannte Trichinenuntersuchung an dem Tier durchführen. Der Tierarzt untersucht, ob das Fleisch des Wildschweines bedenkenlos gegessen werden kann. Die Kosten dafür können laut Landesjagdverband Schleswig-Holstein bei bis zu 25 Euro pro Tier liegen. Bei rund 18.000 erlegten Wildschweinen im vergangenen Jahr kommt so fast eine halbe Million Euro zusammen. "Wir fordern jetzt vor dem Hintergrund der Afrikanischen Schweinepest, dass diese Kosten künftig durch das Land beziehungsweise durch die Kreise getragen werden", sagt Marcus Börner vom Landesjagdverband. Die hochansteckende Virusinfektion ist für den Menschen zwar ungefährlich, kann aber von Wildschweinen auf Hausschweine übergehen und verläuft für die Tiere tödlich. So könnten innerhalb kurzer Zeit ganze Bestände vernichtet werden.

Arbeitskreis versucht zu vermitteln

Doch wer ist zuständig für die Kostenübernahme der Trichinenuntersuchung? Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte Mitte September die Jäger im Land ermuntert, mehr Schwarzwild zu erlegen, um der gefährlichen Seuche die Chance zu nehmen, sich auszubreiten. Damals brachte der Minister auch eine finanzielle Entlastung ins Gespräch.

Für die Untersuchung von Lebensmitteln allerdings ist das Verbraucherschutzministerium zuständig. Auf die Frage, ob die Kosten übernommen werden, heißt es, dass an einer Lösung gearbeitet werde. Außerdem steht in einer schriftlichen Stellungnahme: "Die Untersuchungsgebühren stehen den Kommunen zu. Land und Kommunen stehen gemeinsam in der Verantwortung, zu prüfen, welchen Beitrag alle beteiligten Akteure leisten können, um die schwerwiegenden Folgen einer Verschleppung der Afrikanischen Schweinepest zu verhüten."

Kreise wollen nicht auf Kosten sitzenbleiben

Letzten Endes sind es also die Kreise, die für die Kosten bei der Trichinenuntersuchung verantwortlich sind, da sie auch die Veterinäre bestellen. Sönke Schulz, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Landkreistages, sagte, die Kreise seien zu Gesprächen bereit, wollen aber nicht auf den Rechnungen sitzen bleiben. Eine Aufteilung der Kosten sei sinnvoll. Außerdem müsste es bei der Afrikanischen Schweinepest eine bessere Abstimmung mit allen Beteiligten geben.

Afrikanische Schweinepest weiter auf dem Vormarsch

Während im Hintergrund über Kostenübernahme, Zuständigkeiten und Abstimmungen gestritten wird, breitet sich die Afrikanische Schweinepest immer weiter in Richtung Westen aus. Erst vor Kurzem hat das Virus einen Sprung von 150 Kilometer gemacht und ist nun auf Höhe der polnischen Hauptstadt Warschau. Sollte die Seuche in Deutschland ausbrechen, wären die Folgen katastrophal für die Wirtschaft, so Experten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 12.12.2017 | 08:00 Uhr

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