Stand: 04.03.2020 12:08 Uhr  - Schleswig-Holstein Magazin

Stillgelegte Bahnstrecken: Die Fährbahnhöfe von Großenbrode

In der Vergangenheit sind viele Bahnstrecken, die einst wichtige Verbindungsadern für Schleswig-Holstein waren, stillgelegt worden. Seit 1950 sind mindestens 600 Kilometer Gleis und mehr als 200 Bahnhöfe und Halte verschwunden. In unserer kleinen Bahnstrecken-Serie nehmen wir Sie mit auf eine Reise entlang der Trassen und erzählen die Geschichten, die wir dort finden.

Großenbrode: Eisenbahnfähre als Tor nach Europa

Wer nach Großenbrode wollte, der musste aufmerksam sein, denn dort gab es zwei Bahnhöfe. Am Bahnhof Großenbrode-Fähre wurden von 1903 an Züge verladen - mit dem Schiff ging es dann über den Sund nach Fehmarn. Weiter südlich lag der andere Bahnhof: Großenbrode-Kai. Auch dort ging es für den Güter- und Personenverkehr rauf aufs Schiff - nach Gedser in Dänemark. 1951 wurde Großenbrode das Tor nach Europa. Es ging mit Kurswagen zum Beispiel nach Paris, Rom, Istanbul oder Kopenhagen. Die Eröffnung der Fehmarnsundbrücke am 30. April 1963 war dann das Ende der beiden Eisenbahnfähren in Großenbrode.

Großenbrode: Zwei Bahnhöfe mit Fähranschluss

Schleswig-Holstein Magazin -

In Großenbrode hat es früher zwei Bahnhöfe gegeben: Von Großenbrode-Fähre und -Kai ging es auf die Eisenbahnfähre. Ab 1951 ging es zum Beispiel nach Paris, Istanbul oder Kopenhagen.

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Lebensader für die Landbevölkerung

Von Schleswig aus führte eine von drei Strecken auch nach Norden - nämlich nach Satrup. Von 1904 an pendelte die Schleswiger Kreisbahn zwischen diesen beiden Dörfern hin und her. Die Eisenbahn war Lebensader für die Landbevölkerung, für Mühlen und Fleischfabriken. In Satrup traf die Schleswiger auf die Flensburger Kreisbahn. Die allerdings war eine Schmalspurbahn. Im Jahr 1975 war Schluss. Die beiden Bahnhöfe stehen noch. Einer ist bewohnt, im anderen ist ein Restaurant.

Lübeck bis Bad Segeberg: Neun Stopps auf 28 Kilometern

Die Lübeck-Segeberger Eisenbahn (LSE) führte von 1916 bis 1967 unter anderem an einer damals bekannten Bahnhofsgaststätte zwischen Geschendorf und Steinbek vorbei. Gerüchteweise sorgte das für den einen oder anderen unplanmäßigen Halt der Bahn. Insgesamt gab es neun Stopps, die Bahn fuhr nur 40 Kilometer pro Stunde. Das war auf Dauer zu langsam. Mit Bus und Auto ging es einfach schneller. Geblieben sind Teile der Schienen und alte Bahnhofsgebäude. Heute sind auf der Trasse Radfahrer und Fußgänger unterwegs.

Neumünster bis Ascheberg: Mit der Draisine auf den Gleisen

Der erste Zug auf der Strecke zwischen Neumünster und Ascheberg (Kreis Plön) fuhr 1866. Im Laufe der Zeit fuhren täglich zwei Eilzüge durch Wankendorf. Güterverkehr transportierte gefördertes Erdöl zur Raffinerie in Heide: mit der Dampflok. Und Schüler und Berufstätige pendelten auf der Linie Neumünster - Ascheberg. 1995 war dann Schluss. Doch auf der Schienenstrecke ist es nicht ruhig. Die Draisinenfreunde Mittelholstein befahren noch heute ungefähr acht Kilometer der Strecke.

Reisen entlang stillgelegter Gleise
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Lübeck - Bad Segeberg

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Neumünster - Ascheberg

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Die Wanderer

Schleswig-Holstein Magazin

Alte Brücken der Kleinbahn Kirchbarkau-Preetz-Lütjenburg

Die Kleinbahn Kirchbarkau-Preetz-Lütjenburg (KPL) fuhr von 1910 bis 1938. Reinhard Kirsch und Hasko von Bassi kennen die Strecke ganz genau. Seit 40 Jahren laufen die beiden Schleswig-Holsteiner alte Gleislinien im Land ab. Manchmal stoßen sie auf ihren Touren auf Überraschungen - zum Beispiel auf alte Eisenbahnbrücken.

Schafflund: Wiederbeleben oder nicht?

Die Bahnstrecke zwischen Niebüll und Flensburg ist seit knapp 40 Jahren stillgelegt. Die Norddeutsche Eisenbahngesellschaft möchte die Strecke gerne wieder betreiben - dazu fehlt ihr allerdings ein letztes wichtiges Stück Trasse in Flensburg, das sie noch kaufen muss. Schafflund und Wallsbüll liegen an der Strecke. Dort sind die Meinungen sehr geteilt, ob hier bald wieder Züge fahren sollen.

Sülfeld: Vom Bahnhof zum Wohngebiet

66 Jahre lang ist die Bahn durch Sülfeld gefahren: die Elmshorn-Barmstedt-Oldesloer Eisenbahn AG - kurz EBOE. Die Strecke wurde für den Güterverkehr genutzt, auch die Waren für Sülfeld selbst wurden so transportiert. Aber auch Schüler nutzen die Bahn, um nach Bad Oldesloe zu gelangen. Nachdem das Land die Strecke für zu marode erklärte, wurde die Strecke stillgelegt. Wo einst die Bahngleise lang führten, gehen heute Wanderer spazieren. Und wo Kohle, Holz und Rüben verladen wurden, leben heute Familien.

Kellinghusen: Bis 1975 Personenzüge im Stundentakt

Seit 1975 ist die Bahnstrecke durch Kellinghusen stillgelegt. Sie führte ursprünglich von Wrist nach Itzehoe. Auf dem Bahndamm haben sich Geschäfte gebildet. Vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass zumindest ein Teil der Strecke reaktiviert werden soll. Das hat die Landesregierung entschieden.

Beimoor: Ein Bahnhof, der nie eröffnet wurde

Heute fährt im Kreis Stormarn eine U-Bahn bis nach Großhansdorf. Aber es gab vor mehr als hundert Jahren schon mal ehrgeizigere Pläne. Für einen anderen Endbahnhof: Beimoor sollte der heißen. Der wurde auch komplett fertig gebaut mit Bahnsteig, Gleisen, Bahnhofsgebäude und allem, was dazu gehört. Nur ist er nie eröffnet worden.

Bahngleise Bad Segeberg: Eine Kleinbahn bis 1961

Manche erinnern sich noch an sie - die Kleinbahn, die 50 Kilometer von Kiel nach Bad Segeberg an Dörfern und Seen langführte. Im Jahr 1961 wurde der Betrieb eingestellt: Damals, als der Wohlstand aufkam, konnten sich die Menschen ein Auto leisten. Da, wo die Gleise der Kleinbahn einst lagen, ist heute ein Wanderweg. Reporterin Eva Diederich begibt sich auf eine kleine Zeitreise.

Weitere Informationen

Diese Museumsbahnen fahren im Norden

Sie dampfen, schnaufen und quietschen: Historische Eisenbahnen begeistern Erwachsene und Kinder gleichermaßen. Ein Überblick über beliebte Museumsbahnen-Strecken im Norden. mehr

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Eva Diederich

Schleswig-Holstein 18:00

Eva Diederich moderiert die Sendung Schleswig-Holstein 18:00 und berichtet als Reporterin für den NDR. In ihrer Freizeit schlägt ihr Herz für Musik, Sport und Motorradfahren. mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 04.03.2020 | 19:30 Uhr

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