Stand: 03.09.2020 16:00 Uhr

Steffens: "Es ist schon fünf nach zwölf"

Festivalleiter Dirk Steffens steht im Fernsehstudion des Schleswig-Holstein Magazins vor blauem Hintergrund. © NDR
Festivalleiter Dirk Steffens ist selbst Naturfilmer und warnt schon lange vor den Folgen des von den Menschen verursachten Klimawandels.

In Eckernförde startet am 07. September 2020 das 14. Green Screen Naturfilmfestival. Unter dem Schwerpunktthema Naturdokumentation gibt es in diesem Jahr über sechs Wochen lang diverse Filme zu sehen. Im Jahr 2019 war der Schwerpunkt Klimawandel. Dirk Steffens, der Leiter des Festivals und selbst leidenschaftlicher Naturfilmer, schilderte vor dem Festival letztes Jahr im Interview, wie dramatisch er als Naturfilmer das Fortschreiten des Klimawandel beobachtet und was er für wichtige Maßnahmen hält.

Herr Steffens, wenn wir uns den Klimawandel angucken, wo stehen wir da aktuell? Ist es fünf vor zwölf oder schon fünf nach zwölf?

Dirk Steffens: Ganz klar fünf nach zwölf. Es ist sogar so dramatisch, wenn wir alle, die ganze Welt, die ganze Menschheit, heute aufhören würden, CO2 auszustoßen, würde es schon nicht mehr reichen, um die Katastrophe zu verhindern. Wir müssen tatsächlich irgendwann sogar anfangen, Treibhausgase aus der Atmosphäre herauszunehmen. Also Geo-Engineering zu machen, sonst kriegen wir das nicht mehr in den Griff.

Aber was muss jetzt jeder Einzelne von uns machen? Dürfen wir noch Kreuzfahrten machen? Dürfen wir in den Urlaub fliegen? Dürfen wir noch Fleisch essen?

Steffens: Im Prinzip darf man alles machen. Man muss es nur bewusst tun und sich bei jeder Entscheidung für die Bestmögliche entscheiden. Also, wenn ich mir ein Auto kaufe, sollte es vielleicht nicht der fünf Tonnen schwere Stadtpanzer sein, der 15 Liter verbraucht, sondern ein sparsameres Auto. Und der gesunde Menschenverstand ist der beste Ratgeber. Überall, wo es irgendwie möglich ist, bei jeder Entscheidung des Tages, sollte man sich für die bessere, nachhaltigere Variante entscheiden.

Jetzt sind sie schon seit vielen Jahren Naturfilmer. Wie haben sich die Naturfilme in den vergangenen Jahren verändert? Welche Rolle spielt der Klimawandel da?

Steffens: Ich mache das ja schon mein ganzes Leben lang. Aber eine dramatische Entwicklung sehen wir in den letzten fünf Jahren. Vor fünf Jahren waren die meisten Filme noch die klassischen Naturfilme, also schöne Bilder, wir beobachten Tiere in ihrem Verhalten und hören dazu große klassische Musik. Wir haben dieses Jahr ja Hunderte Einreichungen beim Green Screen Festival aus der ganzen Welt und es gibt heute kaum noch Naturfilme, die den Umweltaspekt nicht berücksichtigen. Also die Umweltkrise da draußen ist so groß, dass das auf den Naturfilm zurückschlägt und im Grunde jeder Naturfilm auch ein bisschen ein Umweltfilm geworden ist.

Der Klimawandel ist ja auch Schwerpunkt beim Green Screen Naturfestival. Was erhoffen Sie sich davon?

Steffens: Also zum einen möchten wir natürlich auch als Europas größtes Naturfilmfestival da einen Impuls setzen. Wir möchten die Filmemacherinnen und Filmemacher ermutigen, weiter zu gehen auf diesem Weg. Denn die Filme, die Naturfilme, die sind ja sehr international. Viele von denen werden auf der ganzen Welt gezeigt. Das heißt, jeder Film, den wir Naturfilmer produzieren, hat einen großen Impact. Viele Millionen Menschen, die das auf der ganzen Welt sehen. Deshalb ist es so wichtig, dass das sich in die wichtige, richtige wissenschaftliche Aufklärungsrichtung weiterentwickelt.

Jetzt macht es wahrscheinlich mehr Spaß, sich so schöne Naturfilme anzuschauen, mit einer heilen Natur. Haben Sie Angst, dass die Festivalbesucher am Ende sagen: Oh, das ist jetzt aber alles ganz schön negativ?

Steffens: Nein, die moderne Umweltberichterstattung ist nicht mehr so diese Katastrophenberichterstattung. Ich kann das auch nicht aushalten, wenn mir länger als fünf Minuten jemand sagt: Die Welt geht unter, die Welt geht unter. Es gibt ganz viel positive Entwicklung. Wir sehen auch in vielen Filmen, was möglich ist, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Und das macht dann richtig Spaß, sich das anzugucken.

Ihre Augen müssten doch eigentlich eckig sein. Wie viele Filme haben Sie sich vorab jetzt schon angeguckt?

Steffens: Wir haben hier ein paar hundert Filmeinreichungen. Zum Glück musste sich die Jury die meisten angucken. Wir brauchen sogar zwei Jurys inzwischen, weil wir international so erfolgreich sind. Eine Vorauswahl Jury, die guckt erstmal, was wird überhaupt nominiert. Und jetzt, in diesem Moment, weiß ich immer noch nicht, welche Filme wirklich gewonnen haben, weil die Preisjury eben bis zum letzten Moment arbeitet und guckt, wer gewinnt. Also die müssen am meisten Filme gucken und die sehen wirklich aus wie Menschen mit eckigen Augen.

Vielen Dank, Herr Steffens.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein 18:00 | 11.09.2019 | 18:00 Uhr

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