Stand: 06.03.2020 11:53 Uhr

Speicherkoog: NABU bedauert Unterernährung der Pferde

Von den Konik-Pferden, die der Naturschutzbund (NABU) im Speicherkoog (Kreis Dithmarschen) vernachlässigt haben soll, sind inzwischen sieben Tiere tot. Drei Stuten und vier Fohlen sind seit dem 26. Februar laut dem Kreis Dithmarschen verstorben. Eines der Tiere ist laut Obduktionsbericht verhungert. Das gab der NABU heute bekannt.

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Konik-Pferde stehen auf einer Freifläche im Speicherkoog. © NDR

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"Es hat gefressen und gefressen und gefressen"

Tierarzt Rudolf Schmitt steht vor dem Gelände am Speicherkoog, auf dem die Koniks leben. © NDR
Tierarzt Rudolf Schmitt kritisiert, dass es auf dem Gelände, auf dem die Koniks leben, wenig bis keine Nahrungs- und Unterstellmöglichkeiten gibt.

Spaziergänger hatten vor mehr als einer Woche beim Kreis eine schlechte Verfassung der ponyähnlichen Wildpferde gemeldet, die mit etwa 70 Tieren im Naturschutzgebiet Wöhrdener Loch leben - auf einer Fläche von ein paar Hundert Hektar. Daraufhin mussten mehrere Tiere von der Weide geholt werden. Tierarzt Rudolf Schmitt, der einige der Koniks untersucht hatte und auch jetzt noch betreut, berichtet von entkräfteten und unterernährten Tieren. "Das Pferd, das auf dem Hänger lag und nicht mehr aufstehen konnte, das lag dort und hat gefressen und gefressen und gefressen", berichtet Schmitt. Das Tier überlebte trotzdem nicht.

"Nur Moos und Wasser"

Schmitt kritisiert, dass die Fläche, auf der die Tiere eingezäunt leben, nicht genug Nahrung biete. "Hier ist kein Schilf und Nichts. Das einzige was wir hier haben, ist Moos und Wasser", sagt er. Auch wenn die Tiere Wildpferde seien, könnten sie ja nicht wirklich frei leben - und seien eben auf dieser Fläche eingezäunt. "Wenn sie frei wären, würden die um die Jahreszeit wahrscheinlich irgendwo im Wald sein", vermutet Schmitt. Die Verantwortung dafür liegt in seinen Augen beim NABU. "Ich denke, dass der Besitzer der Tiere die Verantwortung für die Tiere hat und sich darum kümmern muss."

NABU bedauert Zustand der Pferde

Der Naturschutzbund NABU als Eigentümer der Herde bedauert, dass es dazu gekommen ist, dass die Tiere unterernährt sind. Die Betreuung der Tiere sei vertraglich so geregelt, dass zwei Dithmarscher Landwirte tägliche Kontrollen der Herde durchführen sollten, sagte NABU-Geschäftsführer Ingo Ludwichowski NDR Schleswig-Holstein. In den vergangenen zehn Jahren habe es keinen Grund zur Beschwerde gegeben und auch in den regelmäßigen Telefonkonferenzen sei nicht erkennbar gewesen, dass es Unregelmäßigkeiten gegeben habe, so Ludwichowski. Es sei sehr bedauerlich, dass einige der Koniks im Speicherkoog verendet seien.

Eine Stute und ein Fohlen stehen in einem Stall. © NDR
Diese Stute und ihr Fohlen stehen in einem Stall, in dem sie aufgepäppelt werden. Zuvor waren die Koniks entkräftet von dem Gelände am Speicherkoog geholt worden.

Zuvor hatte der Landesvorsitzende des NABU Schleswig-Holstein, Hermann Schultz, die Vorwürfe zurückgewiesen. Die Tiere seien weder verwahrlost noch seien sie verhungert. Eines ist seinen Angaben zufolge an einem Herz-Kreislaufversagen gestorben, die anderen waren totgeborene Fohlen. Tierarzt Schmitt sagte dazu: "Wenn man verhungert, dann stirbt man irgendwann an Herz und Kreislaufversagen - und nicht an Verstopfung."

Seit einer knappen Woche werden die Koniks auf der Freifläche mit Heu zugefüttert. Am kommenden Mittwoch sollen 20 Pferde eingefangen und umgesiedelt werden. Das haben NABU und Kreis entschieden. Der Vorfall könnte juristische Konsequenzen für den NABU haben. Mehrere Anwohner berichten, dass sie in den vergangenen Tagen Strafanzeige gestellt haben.

Bauern protestieren mit Strohballen vor NABU-Landesgeschäftsstelle

Landwirte haben an der NABU-Landesgeschäftsstelle Neumünster Strohballen abgelegt. © NDR Foto: Sven Brosda
Landwirte protestieren mit Strohballen vor der NABU-Landesgeschäftsstelle Neumünster gegen die Haltungsbedingungen der Koniks im Speicherkoog.

Landwirte, die bei der Sternfahrt der Bauern dabei waren, ließen es sich am Donnerstag trotzdem nicht nehmen, Strohballen vor der NABU-Landesgeschäftsstelle Neumünster abzulegen. "Müssen wir euch helfen? Wir wissen was wir tun. Wir haben das gelernt", teilten sie unter Anspielung auf die unterernährten und verwahrlosten Koniks auf einem Protestplakat mit. Wegen Brandgefahr forderte die Polizei die Landwirte aber auf, die Rundballen vor der Landesgeschäftsstelle wegzuräumen. Am Donnerstagabend kamen die Bauern dieser Bitte nach.

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