Stand: 06.11.2018 17:00 Uhr

Sozialamt zahlt Pflegekosten für Heimbewohner nicht

von Julia Schumacher und Eike Lüthje

Pflegeheime im Kreis Stormarn bleiben seit Jahren auf hohen Kosten sitzen, die sie für die Versorgung pflegebedürftiger Sozialhilfeempfänger vorgestreckt haben. Fast die Hälfte der rund 40 Einrichtungen im Kreis gibt in einer Befragung durch NDR Schleswig-Holstein an, offene Posten zu haben, die durch das Kreissozialamt in Bad Oldesloe nicht beglichen wurden. Dort liegen mehr als 300 Anträge, über die noch nicht abschließend entschieden wurde. Einige wurden bereits im Jahr 2014 gestellt.

Mehrere Heime geben Rückstände zwischen 50.000 und 100.000 Euro an. Die offene Summe für Pflegeeinrichtungen im gesamten Kreis Stormarn beläuft sich nach unseren Recherchen schätzungsweise auf einen hohen sechsstelligen Betrag.

Anträge jahrelang nicht bearbeitet

Heimbetreiber im Kreis Stormarn sprechen von einem finanziellen Risiko für ihre Einrichtungen. "Das sind schon immense Vorlaufkosten, die wir da haben", sagt Mathias Steinbuck, der in Bargteheide mehrere Heime betreibt. "Wir zahlen ja weiter für den laufenden Betrieb und für das Personal."

Von 25 Bewohnern liegen aktuell Anträge auf Kostenübernahme beim Sozialamt in Bad Oldesloe, die dort noch bearbeitet werden müssen. Die meisten sind aus den Jahren 2016 bis 2018, einige wenige sogar aus dem Jahr 2014. "Wir liegen jetzt über die Jahre bei einem ausstehenden Betrag von etwa rund 100.000 Euro," sagt Heimbetreiber Steinbuck.

Julia Schumacher. © NDR Foto: Gino Laib

Sozialamt im Zahlungsverzug: Fragen und Antworten

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Das Sozialamt Kreis Stormarn ist im Zahlungsverzug bei Pflegeheimen. Warum ist das so? Wer sind die Leidtragenden? NDR Reporterin Julia Schumacher beantwortet die drängendsten Fragen.

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Sozialhilfempfänger abgelehnt

Vor allem Betreiber von kleineren Heimen beschreiben die Situation als existenzgefährdend. Nach Recherchen des NDR Schleswig-Holstein haben Heime in den vergangenen Jahren bereits mehrfach Sozialhilfeempfänger abgelehnt, da sie befürchteten, erneut auf den vorgestreckten Kosten sitzen zu bleiben.

Sigrid Motzko aus Reinbek ist auf Unterstützung vom Sozialamt angewiesen, weil ihre Rente nicht ausreicht. Nach einer Kurzzeitpflege stand sie auf der Warteliste für einen Heimplatz in Glinde. "Ich habe vom Heim die Rückmeldung bekommen, dass eine Aufnahme von mir und anderen Sozialhilfeempfängern nicht erfolgen kann, weil das Sozialamt Bad Oldesloe die Zahlungen leider nicht tätigt." Dabei ist es rechtswidrig, Personen als Bewohner im Pflegeheim abzulehnen, die auf soziale Unterstützung angewiesen sind.

Weitere Informationen

Amt zahlt Heimplatz nicht: "Das ist beschämend"

Sigrid Motzko aus Reinbek ist Sozialhilfeempfängerin. Auf der Suche nach einem Heimplatz wurde sie abgelehnt, weil Heime befürchten, auf den Kosten sitzen zu bleiben. mehr

"Zu wenig Personal gehabt"

Das Kreissozialamt in Bad Oldesloe bestätigt auf Anfrage den Rückstau an offenen Anträgen auf Heimkostenübernahme. Die zuständige Fachdienstleiterin Larissa Bebensee begründet dies unter anderem mit einer hohen Personalfluktuation und mehreren Wechseln in Führungspositionen ihrer Abteilung in den vergangenen Jahren. "In der Rückschau haben wir vielleicht auch zu wenig Personal gehabt", sagt Bebensee und fügt an: Zudem sei die Zahl der Fälle in den vergangenen Jahren angestiegen.

Im Kreissozialamt Bad Oldesloe wurde mittlerweile eine Sonderabteilung - die Projektgruppe "Hilfe zur Pflege" - gegründet, die diesen Rückstau abarbeiten soll. 14 Mitarbeiter sind derzeit damit beschäftigt, offene Anträge zu bearbeiten. Nach Angabe des Kreises soll bis Mitte 2019 für die Antragsteller eine spürbare Verbesserung eintreten.

Eigenanteil für einen Pflegeheimplatz bei 1.500 Euro im Monat

Im Kreis Stormarn ist jeder fünfte Heimbewohner auf soziale Unterstützung angewiesen, die "Hilfe zur Pflege". Im landesweiten Vergleich liegt der Kreis damit sogar noch unter dem Durchschnitt von knapp einem Viertel Sozialhilfeempfänger in Pflegeheimen. Der Eigenanteil, den ein Bewohner für einen Pflegeheimplatz im Land zu zahlen hat, liegt aktuell bei 1.500 Euro im Monat.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 06.11.2018 | 17:00 Uhr

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