Stand: 27.12.2019 05:00 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

So hat Fridays for Future Yanniks Leben verändert

von Katharina Kücke

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Fridays for Future hat das Leben von Yannik Schmidtke auf den Kopf gestellt.

Wenn es draußen noch dunkel ist, klingelt bei Yannik der Wecker. Es ist der erste von insgesamt fünf Weckern, die der 16-Jährige morgens braucht, um aufzustehen. Yannik macht gerade sein Abitur an einem Gymnasium in Itzehoe. Doch die eigentliche Arbeit beginnt für ihn erst nach dem Unterricht. Seit einem Jahr ist Yannik bei den Klimaschutz-Aktivisten von Fridays for Future (FfF) aktiv.

"Ich hatte Angst vor Repressionen"

Als Yannik vor einem Jahr zum ersten Mal von Fridays for Future hört, ist er zunächst skeptisch, ob die Bewegung etwas bewirken kann. Außerdem hat er Bedenken, wie sich Schule und Streik vereinen lassen. "Ich hatte am Anfang Respekt davor, Freitag nicht in die Schule zu gehen. Ich hatte Angst vor Repressionen", erinnert er sich. Als in Kiel am 14. Dezember 2018 zum ersten Mal gestreikt wird, ist Yannik trotzdem dabei. Er will miterleben, wie es sich anfühlt, Teil der Bewegung zu sein. 

Alltag lahmlegen für mehr Aufmerksamkeit

Als er aus Kiel zurück kommt, sind die Bedenken passé. Schnell ist für ihn klar, dass er die Bewegung aktiv unterstützen möchte. "Am 15. März war globaler Streiktag, da wollten wir auf jeden Fall mitmachen", erzählt Yannik. Deshalb gründet er im Januar die Ortsgruppe in Itzehoe und plant seitdem gemeinsam mit acht anderen Schülern Streiks und andere Events. Mittlerweile ist er überzeugt von dem Konzept. "Ich glaube nicht, dass die Streiks so groß in den Medien vertreten wären, wenn sie Nachmittags stattfinden würden", so Yannik. Dadurch, dass der Alltag lahm gelegt wird, erlange das Thema noch mehr Aufmerksamkeit.

Fünf bis sieben Tage die Woche im Einsatz

Yannik ist als Delegierter seiner Ortsgruppe für die bundesweite Vernetzung zuständig. Nebenbei ist er seit etwa einem Jahr Mitglied bei der Grünen Jugend und engagiert sich im Jugendparlament, weil er da direkt Anträge an die Stadtverwaltung stellen und das Thema Fridays for Future in die Kommunalpolitik tragen kann. Fünf bis sieben Tage die Woche trifft oder bespricht Yannik sich mit anderen jungen Menschen. Sonntagnachmittags nimmt er an der bundesweiten Fridays for Future Telefonkonferenz der Delegierten teil. Sein Leben hat sich im letzten Jahr komplett auf den Kopf gestellt.

Kein Fleisch, keine Milch, wenig Plastik

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Yannik Schmidtke lebt vegan und versucht, möglichst wenig Plastik zu kaufen.

Bevor Yannik bei Fridays for Future aktiv wurde, hat er viel Fußball gespielt. Dieses Hobby hat er mittlerweile aufgeben. Yannik hat sich extrem politisiert, lebt vegan und verzichtet so gut es geht auf Plastik. Beim Feiern entscheidet er sich bewusst für Biersorten, die nachhaltig sind und wiederverwendbare Verschlüsse haben. Bierflaschen mit Kronkorken zu kaufen, kommt für ihn nicht infrage. Zusätzlich hat er immer eine Edelstahlflasche mit Wasser dabei, um nicht auf Plastikflaschen angewiesen zu sein. Und er versucht, weniger Kakao und Kaffee zu konsumieren.

Einkaufen auf dem Wochenmarkt

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Morgens steht Yannik früher auf, weil er den Bus zur Schule nimmt. Früher hat sein Vater ihn meistens zur Schule gefahren. Die einzige Ausnahme: Donnerstags besucht er vor der Schule gemeinsam mit seinem Vater den Wochenmarkt, um regional einzukaufen. Das Gemüse ist nicht in Plastik verpackt. Bei seinen Freunden gilt er als Öko. Das stört ihn aber nicht sonderlich, denn mittlerweile sind viele seiner Freunde selbst aktiv bei Fridays for Future.

In der Schule läuft es allerdings nicht mehr so gut. Seine Noten sind schlechter geworden, allerdings noch nicht so schlecht, dass Yannik daran denkt, aufzuhören. "Das ist es mir wert, das nehme ich gerne in Kauf", erzählt er. Yannik ist es nicht so wichtig, ob er ein paar Punkte weniger im Abiturzeugnis hat. Ihm ist es wichtiger, sich bei Fridays for Future zu engagieren. "Ich möchte weiterhin der Finger in der Wunde der Politik sein und das 1,5-Grad-Ziel einhalten."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 19.12.2019 | 20:05 Uhr

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