Stand: 01.07.2019 19:40 Uhr

"Sea-Watch 3": Entscheidung vertagt

Die Kapitänin des Flüchtlings-Rettungsschiffes "Sea-Watch 3", Carola Rackete, steht derzeit in Italien unter Hausarrest. Ihr droht eine Anklage, weil sie ein Schiff der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch mit 40 Flüchtlingen an Bord ohne Erlaubnis der italienischen Behörden in den Hafen der Insel Lampedusa gesteuert und angelegt hatte. Die bei Kiel geborene und im niedersächsischen Hambühren aufgewachsene Rackete sollte am Montag von einem italienischen Ermittlungsrichter vernommen werden. Sie sei dazu bereits mit einem Schiff der Finanzpolizei unterwegs von Lampedusa in die sizilianische Stadt Agrigent, sagte Sea-Watch-Sprecher Ruben Neugebauer am Montagvormittag. In Agrigent soll entschieden werden, ob der Hausarrest aufrecht erhalten bleibt. Am Montagabend meldete die Deutsche Presseagentur (dpa), dass die Entscheidung über einen möglichen Haftbefehl für die Sea-Watch-Kapitänin auf Dienstag vertagt worden sei.

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Die italienische Polizei hat Carola Rackete festgenommen.

Der Nachrichtenagentur Ansa zufolge könnte Rackete wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung und auch wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt angeklagt werden. Im schlimmsten Fall droht der 31-Jährigen eine Haftstrafe.

Die Seerechtsexpertin Nele Matz-Lück steht vor der Kieler Förde und gibt ein Interview.

Seerechtsexpertin: "Libyen ist kein sicherer Ort"

Schleswig-Holstein Magazin -

Die Seerechtsexpertin Nele Matz-Lück von der Uni Kiel erklärt im Interview, inwieweit die Seenotrettung der "Sea-Watch 3" durch das Seerecht legitimiert ist. Und ob die Kapitänin Alternativen hatte.

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Sea-Watch-Sprecher: Rechtlicher Beistand ist vor Ort

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Große Solidarität mit "Sea-Watch"-Kapitänin

Für die festgenommene Kapitänin der "Sea-Watch 3", Carola Rackete, sind mehrere Hilfsaktionen angelaufen. Mehr bei tagesschau.de extern

Neugebauer erklärte, dass Rackete vor Ort rechtlichen Beistand habe. "Wir hoffen, dass die italienischen Gerichte schnell feststellen werden, dass sich hier lediglich ans Seerecht gehalten worden ist", sagte er NDR Schleswig-Holstein. Die Kapitänin habe ihre Pflicht erfüllt, indem sie Menschen, die sie zuvor aus Seenot gerettet habe, an einen sicheren Ort gebracht habe.

Das Schiff ist von den italienischen Behörden beschlagnahmt worden. Es ist nicht das erste Mal, dass die Organisation ihr Rettungsschiff verliert. Am vergangenen Sonnabend wurde es aus dem Hafen von Lampedusa gefahren. Laut dem italienischen Innenminister Matteo Salvini sollte es in einen anderen Hafen gebracht werden. Heute Vormittag befand sich die "Sea-Watch 3" einige Kilometer vor der sizilianischen Insel Lampedusa.

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Bundesregierung fordert Freilassung

Die Bundesregierung forderte, dass die 31-Jährige straffrei bleiben soll. "Aus unserer Sicht kann am Ende eines rechtsstaatlichen Verfahrens nur die Freilassung von Carola Rackete stehen", erklärte Bundesaußenminister Heiko Maas am Montag über Twitter. Das werde er der italienischen Regierung deutlich machen. Racketes Vater hatte tags zuvor auf den Einsatz der Bundesregierung gehofft. "Ich denke, der internationale Druck auf die italienische Regierung wird einiges bewirken", sagte Ekkehart Rackete aus Hambühren der Deutschen Presse-Agentur. Er halte Italien aber "nach wie vor" für einen souveränen Rechtsstaat und mache sich keine großen Sorgen um seine Tochter.

Zahlreiche Spenden für Hilfsorganisation

Die Spenden für die deutsche Hilfsorganisation sind nach der Festnahme ihrer Kapitänin in die Höhe geschossen. Mehr als eine Million Euro gingen bereits ein. Über den Aufruf der Fernsehmoderatoren Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf kamen bis Montagmittag mehr als 735.000 Euro zusammen, auf einer italienischen Facebook-Seite wurden mehr als 410.000 Euro gesammelt. Das Spendengeld sei einerseits für die Gerichtskosten von Rackete, erklärte Sea-Watch-Sprecher Neugebauer und fügte hinzu: "Wenn das Schiff beschlagnahmt bleibt, brauchen wir ein neues."

Rackete wusste, was sie riskiert

Rackete und ihre Crew hatten am 12. Juni vor der Küste Libyens 53 Bootsflüchtlinge an Bord und danach Kurs auf Italien genommen. 13 von ihnen waren zwischenzeitlich bereits als schutzbedürftig eingestuft und an Land gebracht worden. Die Staatsanwaltschaft auf Sizilien hatte bereits vor dem Anlegen der "Sea-Watch 3" ein Ermittlungsverfahren gegen die Kapitänin eingeleitet. Rackete sagte in einem von Sea-Watch veröffentlichten Video, sie habe lange auf eine Lösung gewartet. Eine solche habe sich jedoch nicht abgezeichnet, sie habe daher entschieden zu handeln. Sie wisse, was sie riskiere und sei bereit, für ihre Entscheidungen ins Gefängnis zu gehen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 01.07.2019 | 15:00 Uhr

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