Stand: 12.01.2018 19:37 Uhr

Schweinepest-Gipfel bringt Appelle und Maßnahmen

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Mit einem Bündel von Maßnahmen wollen die Beteiligten des Schweinepest-Gipfels ein Ausbrechen des Virus in Schleswig-Holstein verhindern.

Mehr Personal im Landeslabor, strengere Hygieneregeln und Lockerungen bei der Wildschweinjagd: Das sind einige der Ergebnisse, die der Gipfel zur Afrikanischen Schweinepest (ASP) am Freitag hervorgebracht hat. Zu diesem hatte Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) in Kiel geladen. Es kamen Vertreter von Verbänden der Landwirtschaft, der Jagd, des Tierschutzes und des Naturschutzes sowie des Innenministeriums, der Polizei und der kommunalen Spitzenverbände. Gemeinsam haben sie Maßnahmen beschlossen, um die Schweine im Land vor der Seuche zu schützen. Außerdem beschlossen die Vertreter, wie man im Seuchenfall schnell und effizient reagieren könne, berichtete Habeck. Unter anderem soll es eine Übung geben, bei der der Ernstfall geprobt wird.

Landwirte sollen kein Futter aus betroffenen Ländern kaufen

Das Personal im Landeslabor und im Umweltministerium wird aufgestockt. Bei Schweinetransporten aus betroffenen Staaten sollen in Zukunft strengere Hygieneregeln an den Grenzen gelten. "So soll sichergestellt werden, dass deutsche als auch ausländische Transportfahrzeuge gereinigt und desinfiziert werden, wenn sie aus ASP-Gebieten zurückkehren", sagte Habeck. Eine solche Änderung der Schweinepestverordnung soll im März im Bundesrat beschlossen werden. Außerdem sollen keine Ferkel mehr aus Schleswig-Holstein in ASP-Gebiete gebracht werden. Landwirte sind aufgefordert, kein Futter mehr aus osteuropäischen Ländern zu kaufen, in denen bereits die Schweinepest aufgetreten ist. Jäger sollen Jagdreisen ins Baltikum unterlassen. Hierbei handelt es sich nur um Appelle. Für entsprechende Verordnungen fehlt laut Habeck die rechtliche Grundlage. Bei der Wildschweinjagd sollen in Zukunft auch künstliche Lichtquellen und die Jagd in Naturschutzgebieten erlaubt sein. Dazu muss das Landesjagdgesetz geändert werden. Jäger sollen eine spezielle Schulung bekommen, Bürger können tote Wildtiere per App melden.

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Landwirtschaftsminister Robert Habeck (M.) appellierte daran, kein Fleisch aus von der Schweinepest betroffenen Ländern mit nach Deutschland zu bringen.
Bauernverband: "Wir sollten Polen und Tschechien unterstützen"

In Betrieben, in denen Schweine gehalten werden, soll verstärkt auf Hygiene geachtet werden. Auch dies ist ein Appell des Ministeriums. Die Veterinärämter müssen alle Freilandhaltungen überprüfen. Dort sollen die Tiere doppelt und wildsicher eingezäunt werden. Auch Stallhaltungen werden verstärkt überprüft. Ein weiterer Appell von Habeck: Aus betroffenen EU-Staaten soll kein Fleisch nach Deutschland gebracht werden, denn der Virus könne - etwa in einem Schinken - sechs Monate überleben. Weggeworfene Reste könnten von Wildschweinen verzehrt, das Virus somit ins Land gebracht werden. Dietrich Pritschau vom Landesbauernverband sagte dem Schleswig-Holstein Magazin in diesem Zusammenhang, dass er sich noch mehr Anstrengungen wünschen würde, um die Tierseuche von Deutschland fernzuhalten: "Wir sollten Polen und Tschechien unterstützen."

Im Seuchenfall sind sogenannte "Gefährdete Bezirke" geplant

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Sollte in Schleswig-Holstein die Schweinepest ausbrechen, würde ein "Gefährdeter Bezirk" mit umgebender Pufferzone eingerichtet. Schweine und Wildschweine dürften nicht aus diesen Zonen transportiert werden, ebenso ihr Fleisch und Erzeugnisse daraus. Auch für Hobby- und Kleinsttierhaltungen sind strenge Maßnahmen geplant - so sollen diese eingezäunt und das Futter so gelagert werden, dass es vor Wildschweinen sicher ist. Ist eine Haltung betroffen, müssen alle Tiere getötet werden.

Mehr als 2.000 Schweinehaltungen in Schleswig-Holstein gemeldet

Die Afrikanische Schweinepest ist für die Tiere fast immer tödlich, für Menschen allerdings ungefährlich. Die Seuche war zunächst in der Ukraine und Russland ausgebrochen. Inzwischen grassiert die Seuche in Polen, Estland, Lettland und Litauen. Außerdem gab es Fälle in Tschechien und Rumänien. In Schleswig-Holstein sind mehr als 2.000 Schweinehaltungen gemeldet, in denen mehrere Millionen Tiere leben.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 12.01.2018 | 19:30 Uhr

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